Eishockey: Nach der verpassten Olympia-Qualifikation gibt es viel Fragen

Erstmals seit 1948 ist im kommenden Jahr kein Eishockey-Männerteam bei Olympia vertreten. Die Folgen sind noch nicht absehbar. Die Schmach des historischen Olympia-Aus wirft einige Fragen auf.

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André Rankel und die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft haben in Bietigheim-Bissingen ein historisches Debakel erlebt. Foto: dpa

Macht Bundestrainer Pat Cortina nach der Blamage weiter? Ja. Darin sind sich die Beteiligten einig. "Es geht mit ihm weiter und das ist langfristig angelegt", stellt Verbandspräsident Uwe Harnos klar. Cortina hat beim Deutschen Eishockey-Bund (DEB) einen Dreijahresvertrag als Trainer und Sportdirektor. Zwar geht der Italo-Kanadier als der bislang erste und einzige Bundestrainer in die DEB-Geschichte ein, der in der Olympia-Qualifikation gescheitert ist. Verantwortlich ist Cortina nur bedingt. Richtig schlecht spielte das Team in Bietigheim/Bissingen nicht, vergab aber zu viele Chancen.

Wer trägt dann Verantwortung? Die eigentlich schon fast sichere Direkt-Qualifikation für Sotschi 2014 wurde im vergangenen Jahr bei der völlig verkorksten WM in Stockholm verspielt. Trainer damals war Jakob Kölliker. "Die WM beeinflusst die Weltrangliste. Und wenn wir in der Weltrangliste besser dagestanden hätten, dann hätten wir uns diese Qualifikation ersparen können", sagt Cortina. Fakt ist auch: Deutschland hatte nach Platz vier bei der Heim-WM 2010 eigentlich beste Aussichten. Dem damaligen Bundestrainer Uwe Krupp wurde von Harnos danach eine Doppelfunktion als Nationalcoach und Clubtrainer verwehrt, Krupp ging. Seitdem ging es mit dem deutschen Eishockey sportlich bergab.

Zieht Harnos persönliche Konsequenzen aus der sportlichen Talfahrt? Im Juni 2014 steht die nächste Vorstandswahl an. Eine klare Aussage darüber, ob er noch einmal antritt, vermeidet Harnos. "Bis dahin ist es noch über ein Jahr. Da kann viel passieren, unter anderem werden zwei Weltmeisterschaften gespielt", sagte Harnos nur. Kritiker gibt es viele. Der frühere Nationalmannschaftskapitän Alois Schloder fordert offen Harnos Rücktritt.

Muss Deutschland bei der WM im Mai um den Klassenverbleib bangen? Zumindest scheint ein Abstieg derzeit nicht völlig ausgeschlossen. In der Olympia-Qualifikation verlor Deutschland sogar gegen Italien, das im vergangenen Jahr abgestiegen war. Österreich, das statt Deutschland nach Sotschi fährt, ist im Mai in Helsinki deutscher Gruppengegner. Die Stimmung ist derzeit auf einem Tiefpunkt. Viel hängt davon ab, welche Spieler im Mai zur Verfügung stehen. Das Team wird eher nicht besser besetzt sein, da normalerweise nicht viele Spieler der beiden Mannschaften, die das DEL-Meisterschaftsfinale bestreiten, dabei sind.

Wie hoch ist der finanzielle Schaden durch das Olympia-Aus? Das ist noch nicht abzusehen und hängt von den anstehenden Zielgesprächen mit dem Deutschen Olympischen Sportbund ab. Zumindest ist der DEB mit den Frauen in Sotschi dabei. "Das hilft uns sehr", sagt Harnos. Ohne Auswirkung wird das Aus der Männer nicht bleiben. "Das hat natürlich eine Bedeutung", bestätigt der DEB-Präsident. Finanzielle Einbußen gingen vor allem zu Lasten der Nachwuchsförderung und damit der kommenden Generation.

Wie hoch ist der Image-Schaden? Immens. Bei Olympia spielen die Besten der Welt, alle NHL-Topstars sind dabei - Deutschland aber erstmals seit 1948 nicht. Richtig problematisch dabei ist, dass sich die Sportart nicht bei ARD und ZDF einem riesigen Publikum präsentieren kann. An das dramatische Olympia-Viertelfinale 1992 gegen Kanada, als der Puck nach Peter Draisaitls Schuss im Penaltyschießen auf der Linie liegen blieb, können sich auch viele Nicht-Eishockey-Interessierte noch erinnern. Die Chance auf ähnliche Werbung wurde nun vertan.

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