Ein Stoiker an der Bande

Für Tom Pokel bringt das Eishockey-Qualifikationsturnier für Sotschi 2014 jede Menge Erinnerungen zurück. Schließlich war der Nationaltrainer der Italiener in Bietigheim lange Zeit zu Hause.

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Tom Pokel ist ein Mann wie ein Fels. In den ersten beiden Dritteln des Olympia-Qualifikations-Auftakts gestern gegen Österreich stand der 45-jährige US-Amerikaner, der seit drei Wochen die italienische Eishockey-Nationalmannschaft trainiert, stoisch hinter der Auswechselbank seiner Mannschaft. Sein Kopf mit den kurzen, gegelten braunen Haaren bewegte sich zwar, um das Spiel und den Puk zu verfolgten, ab und zu änderte er auch die Position seiner Arme. Sonst aber bewegte er sich kaum, auch seine Mimik wirkte wie eingefroren. Das Höchste der Gefühle war es in den ersten beiden Dritteln des Spiels, dass Pokel sich zu seinem Co-Trainer Fabio Polloni neigte und ihm Anweisungen gab. Allein, es half nichts. Italien kam zwar nach einem 0:2 und einem 1:3 noch zum 2:3 Anschlusstreffer, mehr aber war gegen die favorisierten Österreicher nicht drin. Die heutige Partie gegen Deutschland (19.30, live auf Sport1) ist für die Italiener schon ein Endspiel um die Olympia-Qualifikation

Entsprechend enttäuscht war Pokel nach dem Spiel, wobei er immer noch wie versteinert wirkte. Seine kühle Mimik wich erst dann einem Lächeln, als er auf den Spielort des Qualifikationsturniers für Olympia 2014 angesprochen wurde. "Ich hatte Schmetterlinge im Bauch, als ich zurück nach Bietigheim gekommen bin", sagte er auf Deutsch mit einem breiten Akzent. "Ich hatte hier drei gute Jahre, habe eine Championship gewonnen und noch viele Freunde." Sogar sein Trauzeuge sei von hier, erzählt er.

Von 1998 bis 2001 trainierte Pokel die Bietigheim Steelers, führte sie zur Meisterschaft 1998/99 und damit in die Zweite Bundesliga. "Ich verfolge die Steelers heute noch", sagt er: "Ein großes Stück meines Herzens hängt hier."

Nach drei Jahren ging Pokel in die Eliteliga DEL zu Schwenningen und gelangte über einige Stationen in der österreichischen und italienischen Liga nun auf die Bank der italienischen Nationalmannschaft. Die will er jetzt "schrittweise weiterentwickeln". Um das Wunder zu schaffen und Italien nach Sotschi zu führen, müsste Pokel heute Deutschland schlagen. "Deutschland ist der Topfavorit, aber wir spielen um zu gewinnen", sagt er. Die Erwartungen in Deutschland seien viel höher. "Wir wollen gewinnen, Deutschland muss gewinnen."

Mit fortdauernder Spielzeit taute Pokel gestern gegen Österreich auf. Beim Stand von 3:2 und einer italienischen Überzahl war von der bisherigen Stoik nicht mehr viel zu sehen. Eine Minute vor Schluss nahm er eine Auszeit. Aber der Ausgleich gelang nicht mehr. Da stand er wieder ganz ruhig und wie versteinert hinter der Bank.

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