Dopfer fürs deutsche Team als Erfolgsgarant - Österreich endlich im Rausch

In einem hoch spannenden Team-Wettbewerb gewann die deutsche Mannschaft gestern Bronze bei der Ski-WM. Gastgeber Österreich hat endlich in die Spur gefunden und besiegte im Finale Schweden.

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Es ist gerade einmal zwei Jahre her, als die Österreicher in der Mehrzahl den Team-Wettbewerb bei der Ski-WM in Garmisch-Partenkirchen als den "überflüssigsten Wettbewerb" bezeichneten, zumal sich einer ihrer Besten, Benjamin Raich, auch noch eine schwere Knieverletzung dabei zugezogen hatte.

Wie sich die Zeiten doch schnell ändern können. Bei der Weltmeisterschaft in Schladming blieben die Gastgeber bislang weit hinter den Erwartungen zurück und erreichten in den Speed-Veranstaltungen nicht eine einzige Medaille. So kam der Team-Wettbewerb für die rot-weiß-rote Ski-Nation gestern gerade recht, wenigstens hier Trost zu suchen.

Bei grandioser Länderspiel-Atmosphäre gelang dies den Austria-Assen um ihren Superstar Marcel Hirscher hervorragend. Im Finale schlugen sie vor 15 000 Zuschauern die überraschend starken Schweden mit 4:0. Schon im Halbfinale ließ Österreich den Deutschen keine Chance und siegte ebenfalls mit 4:0. Austria-Cheftrainer Matthias Berthold atmete tief durch: "Dieser Erfolg ist schon extrem wichtig für uns gewesen. Wir wussten, dass wir Vollgas geben müssen, das ist uns richtig gut gelungen."

Für das DSV-Team blieb in einem wahren Hundertstel-Krimi im Kampf um Bronze gegen Kanada das Glück treu - obwohl die insgesamt nicht so stark fahrende Maria Höfl-Riesch ihren Parallel-Riesenslalom verloren hatte und auch überraschend Felix Neureuther sein Duell abgeben musste. Aber Lena Dürr (0,02 Sekunden) und dann der nervenstarke Fritz Dopfer (0,01) sicherten beim 2:2 über den direkten Zeitvergleich mit einem Vorsprung von zusammen drei Hundertstel Sekunden die bereits dritte Medaille für den DSV bei dieser WM. "Der Fritz hat sein Meisterstück abgeliefert", lobte Herren-Cheftrainer Charly Waibel den Garmischer. Begonnen hatte der für die Zuschauer ungemein attraktive Wettbewerb unter Flutlicht allerdings mit einer Schrecksekunde: Im Achtelfinale trat Deutschland gegen Kroatien an. Nach nur wenigen Sekunden krachte Filip Zubcic querlings auf Kniehöhe in den parallel fahrenden Neureuther. "Der Kollege hat mich ziemlich abgeräumt", meinte der 28-Jährige im Zielraum und wirkte dabei angezählt, "die sollen sich doch überlegen, wen sie da runter fahren lassen. Da hätte der Unterschenkel ab sein können."

Zur Verdeutlichung: Zubcic war bei den Kroaten lediglich kurzfristig eingesprungen, weil ihr Top-Fahrer Ivica Kostelic abgesagt hatte mit der Begründung, er wolle ich auf den Riesenslalom (Freitag) und den Slalom (Sonntag) konzentrieren und Kräfte schonen.

Nachdem Neureuther sich kurz untersuchen ließ, trat er auch im Viertelfinale gegen Frankreich an. Den Titelverteidiger schaltete das DSV-Team nach einem 2:2 ebenfalls über den direkten Zeitvergleich aus - auch hier war Dopfer der Garant. Der feine Techniker wurde im Ziel von allen geherzt, auch von den Ersatzfahrern Veronique Hronek und Stefan Luitz, die nicht zum Einsatz gekommen waren. Dopfer jedoch blieb zurückhaltend: "Wir habens als Team geschafft. Es macht mich unheimlich stolz. Das Glück, das wir vor zwei Jahren in Garmisch nicht hatten, das war jetzt auf unserer Seite."

Nach WM-Gold bei der Team-Wettbewerb-Premiere 2005 in Bormio war dies die zweite deutsche Mannschaftsmedaille.

Für Maria Höfl-Riesch, die damals wegen eines Kreuzbandrisses gefehlt hatte, war es bereits die dritte Plakette bei dieser WM nach Kombi-Gold und Abfahrts-Bronze. Sie meinte: "Es ist unglaublich, hier noch eine Medaille gewonnen zu haben. Gemeinsam zu gewinnen, ist etwas Besonderes." Dann lächelte sie Dopfer an und ergänzte: "Der Fritz hat uns die Medaille beschert, zweimal hat er die Kohlen aus dem Feuer geholt."

Der blieb bescheiden, ja zurückhaltend: "Wir haben zu sechst gewonnen. Jetzt können wir positiv gestimmt in die restlichen vier Wettbewerbe gehen."

Nach dem heutigen Ruhetag folgen ab morgen bis Sonntag die Riesenslaloms und Slalom-Rennen. Alpin-Direktor Wolfgang Maier, der drei Medaillen als Ziel vorgegeben hatte, freut sich auf die Wettbewerbe und vor allem auch auf seinen gestrigen Garanten: "Der Fritz hat gezeigt, dass er bei dieser WM Akzente setzen kann."

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