Die Kunst der richtigen Balance

Aus fünf mach drei: Nur noch ein Trio an Firmen baut auf der Welt Sprungski. Jedes Paar wird in Maßarbeit ganz individuell für jeden einzelnen Springer gefertigt. Glasfiber und Karbon sind wichtige Materialien.

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    Biegsam und doch fest: Sprungski müssen eine Menge aushalten. Foto: Eibner
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Top-Athleten wie Gregor Schlierenzauer oder Simon Ammann haben da schon ihre ganz speziellen Ansichten über die Eigenschaften ihres Arbeitsgeräts. Wie groß ist die Festigkeit von Schaufel und Ski-Ende, wie stark ist die Rückmeldung durch die Sprunglatten gerade bei Rückenwind? Der Sprungski - das hochkomplizierte Wesen.

"Skispringer sind wie Artisten. Jeder Ski für sie ist eine Maßanfertigung. Die ist bei jedem anders, jedes Paar Ski wird individuell angepasst", sagt Gerhard Urain. Der 40-Jährige muss es wissen: Im siebten Jahr ist er jetzt Racedirektor Skispringen, Langlauf, Kombination und Biathlon beim oberösterreichischen Skihersteller Fischer, dem Marktführer im nordischen Bereich. Die französische Firma Rossignol hatte 2006 aufgehört, Sprungski zu bauen, das österreichische Unternehmen Atomic (im finnischen Besitz) vergangenes Jahr. Somit bleibt weltweit nur ein Trio übrig: das forsch nach oben strebende Fluege.de aus Flohseligenthal bei Schmalkalden in Thüringen, Elan aus Slowenien und eben Fischer.

"Sprungski kann man ja nur wenige verkaufen. Unser Engagement dient der Marken- und Image-Pflege", verdeutlicht Urain. Wer den Schriftzug der Sprungski-Marke bei TV-Übertragungen sieht, so das Kalkül der Macher aus Ried im Innkreis, der greift später vielleicht auch bei Langlauf- oder Alpin-Ski zu. 1700 Paar Sprungski verkauft Fischer pro Saison, eine verschwindend geringe Zahl im Vergleich mit den anderen Branchen der Firma.

Die Fertigung von Sprungskiern ist teuer: zwischen 550 und 650 Euro kostet ein Paar. Bis der Ski im Regal steht, sind fünf Leute in Handfertigung beteiligt. Sie verwenden dabei einen Holzkeil, aber vorwiegend Laminate aus Glasfiber und Karbon wie in der Formel 1, das bringt die Steifigkeit und Härte des Skis. Die Forschungs- und Entwicklungs-Abteilung liefert die nötigen Erkenntnisse dazu.

Die drei Rillen auf der Lauffläche sorgen dafür, dass der Springer in der Anlaufspur und beim Aufsprung stabil geführt wird. Während ein Langlauf-Ski um die 2,10 m lang ist, sind es beim Sprungski bis 2,75 m. Das Gewicht entspricht der Länge in Kilo. Die Breite darf 115 Millimeter an Schaufel und Skiende sowie 105 an der Taillierung in der Mitte nicht überschreiten.

In der Regel erhält jeder Springer ein Paar Ski für den Sommer und drei für den Winter - beim Langlauf besteht die Grundausstattung pro Jahr und Athlet hingegen aus 15 bis 20 Paar Ski. Ein Experte beobachtet die Athleten bei den Sommerwettbewerben und liefert dann in Abstimmung mit dem Sportler die Hinweise für die Fertigung der Winterski ab Mitte August. "Wir brauchen den Athleten zur Unterstützung. Das Feedback ist sehr wichtig. Je nach Sprungstil wollen manche einen aggressiven Ski, der bei Rückenwind eine schnelle Rückmeldung gibt", weiß Urain: "Die Kunst ist, die Balance zu finden." Das ist noch schwieriger als beim Langlauf, wo mit Abstand die meisten Medaillengewinner mit Latten von Fischer unterwegs sind.

Dazu kommt später dann noch der Schliff der Lauffläche und das Wachs, schließlich geht es in der standardisierten Anlaufspur, meist aus Eis, in den fünf oder sechs Sekunden bis zum Schanzentisch um ein Höchstmaß an Beschleunigung.

Die Entwicklung geht ständig weiter. "Es gibt selten Leute, die die Sprungski vom alten Jahr wiederverwenden", sagt Urain. Den Vertragsverhandlungen mit Severin Freund, Richard Freitag und Co. schaut er gespannt entgegen: "Das ist in jedem Jahr eine neue Herausforderung."

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