Der dornenreiche Weg des Martin Schmitt

Zähes Ringen: Erst in letzter Minute hat sich Martin Schmitt für seine 17. Tournee qualifiziert. Im Springerzirkus genießt der 34-Jährige hohes Ansehen.

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Ergebnisse hin oder her: So einhellig wie Martin Schmitt wird kaum ein anderer Flugkünstler im Skispringerzirkus geschätzt. "Ich traue ihm einiges zu. Ich hoffe, dass er positiv überrascht", sagt der österreichische Tourneesieger Wolfgang Loitzl. Richard Freitag schlägt in dieselbe Kerbe: "Grandios, ich habe mich riesig gefreut für ihn, dass er es zur Tournee geschafft hat. Ich gönne es ihm unwahrscheinlich." Und Michael Neumayer ergänzt: "Es ist schön, ihn im Team zu haben. Er hat sich das verdient."

In der Tat: Martin Schmitt hätte es sich einfach machen können und das Handtuch werfen. Das tun, was ein großer Teil der Öffentlichkeit seit Jahren von ihm erwartet: das Ende seiner Karriere als einst weltbester Skispringer zu erklären. Weil der Schwarzwälder aber seine Disziplin über alles liebt, was er immer wieder glaubhaft versichert, hat er sich ohne Murren auf eine Ochsentour begeben: der Qualifikation über den zweitklassigen Continentalcup. Ein angemessenes Terrain für einen Team-Olympiasieger und vierfachen Weltmeister? Über die Frage, warum er sich das noch antut, kann man trefflich streiten. Bundestrainer Werner Schuster hatte ihn zuerst nicht für sein neunköpfiges Tournee-Aufgebot nominiert.

Fest steht: Mit seinem Sieg in Engelberg hat sich Schmitt sein Tournee-Ticket in einem sportlich transparenten Ausscheidungsprozess erstritten. "Sehr vorbildlich wie Martin den Weg gegangen ist, den wir ihm vorgegeben haben. Der Continentalcup ist eine Knochenmühle", rühmt Schuster den Altmeister. Der 28-malige Weltcupsieger selbst umschreibt seine Umwege so: "Ich habe gewusst, dass es schwierig wird, aber immer an mich geglaubt." Nachdem Schmitt die Qualifikation fürs Auftaktspringen in Oberstdorf als 21. locker geschafft hatte, landete er nun gestern beim Ernstfall auf einem guten 16. Platz.

Schmitt war vor einem Jahr nicht für die zweite Tournee-Hälfte aufgeboten worden, wegen einer Sehnenreizung im Knie stieg er schließlich ganz aus dem Weltcup aus. Vor Olympia 2010 hatte er wegen eines Erschöpfungssyndroms und Untergewicht pausiert. Danach hatte er aber in Vancouver überraschend Team-Silber gewonnen. Jetzt kam wieder eine lange Durststrecke.

"Er hat die Coolheit, mit dem Druck umzugehen", sagt Mark Dorfmüller, der Mannschaftsarzt der deutschen Skispringer. Sprungtests haben gezeigt, so der Ulmer Sportmediziner, dass Schmitt in einem körperlich sehr guten Zustand ist: "Er hat konstant das ganze Jahr an seiner Form gearbeitet. Seine Kraftwerte sind sehr gut." Das Problem lag darin, die Feinabstimmung im Sprungsystem zu finden. "Es ist wichtig, dass die Sprünge wieder technisch wertvoll laufen. Ich kann noch Skispringen, das ist ein gutes Gefühl", verdeutlicht Schmitt. Übermäßig geärgert hat er sich über die Rücktrittsforderungen in den Medien nicht: "Damit musste ich rechnen, das ist kein Problem." Er hat gelernt, mit Höhenflügen wie mit heftigem Gegenwind umzugehen.

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