Das Aus vor Augen

Das deutsche Davis-Cup-Team steht nach einem 0:2 gegen Argentinien vor einer Herkulesaufgabe. Jetzt kommt es im Doppel auch auf Rückkehrer Tommy Haas an, um die Chance aufs Viertelfinale zu wahren.

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Keine gute Figur gaben die deutschen Tennisspieler - hier Florian Mayer - gestern ab. Foto: afp

Nach einem Wechselbad der Gefühle ist der Viertelfinal-Traum von Deutschlands Davis-Cup-Quartett am ersten Tag schon fast geplatzt: Die Tennis-Mannschaft von Teamkapitän Patrik Kühnen liegt im Erstrundenspiel gegen den Vorjahresfinalisten Argentinien in Bamberg mit 0:2 zurück und steht vor dem heutigen Doppel mit dem Rücken zur Wand.

Bislang hatte die DTB-Equipe erst einmal in der Geschichte des bedeutendsten Mannschafts-Wettbewerbs einen derartigen Rückstand aufholen können - 1960 gegen die damalige Tschechoslowakei (3:2).

"Es wird ein schwieriges Unterfangen, aber wir müssen einen Schlussstrich unter diesen Tag ziehen", sagte Kühnen, der einen Tag vor seinem 46. Geburtstag bittere Stunden auf der Bank erlebte.

Zunächst zeigte Philipp Petzschner beim 3:6, 3:6, 3:6 gegen den Weltranglisten-23. Juan Monaco eine enttäuschende Vorstellung und gab sich selbst dafür die "Schulnote mangelhaft".

Danach bot Florian Mayer zwar eine engagierte Leistung. Doch die deutsche Nummer eins hatte dem wie entfesselt aufspielenden Routinier David Nalbandian beim 6:2, 0:6, 1:6, 6:7 (5:7) wenig entgegenzusetzen und kassierte seine dritte Davis-Cup-Pleite in Serie. "Ich kann mir nicht viel vorwerfen. Wenn der Gegner so gut spielt, kann man nur gratulieren", meinte der 28-Jährige ernüchtert.

Die Gastgeber müssen nun alle drei noch ausstehenden Matches gewinnen, um wie zuletzt 2011 ins Viertelfinale einzuziehen. Großer Druck lastet nun heute (14 Uhr) erst einmal auf dem Doppel Tommy Haas und Petzschner. Der 33-jährige Haas feiert dabei sein Davis-Cup-Comeback nach knapp viereinhalbjähriger Abstinenz und träumt immer noch "vom Gewinn des Cups." Gut möglich auch, dass Haas morgen im vierten Einzel für Petzschner einspringt. Immerhin hat die frühere Nummer zwei der Weltrangliste im Mannschafts-Wettbewerb eine beeindruckende Einzel-Bilanz von 19:7 Siegen.

Mayer indes bekam gegen Nalbandian, 2006 immerhin die Nummer drei der Welt, über weite Strecken eine Lehrstunde erteilt. Nach dem Gewinn des ersten Satzes musste der Bayreuther sieben Spiele in Folge abgeben, weil der Argentinier plötzlich über sich hinauswuchs.

Mayer wirkte frustriert, kämpfte aber vor rund 3800 Zuschauern weiter. Im vierten Satz bekam der Weltranglisten-21. dann endlich seine Chancen und führte mit 4:1, aber Nalbandian verwandelte nach 2:32 Stunden seinen fünften Matchball.

Petzschner hatte sich zuvor ein zweistündiges Fehlerfestival geleistet. Dem US-Open-Doppelsieger unterliefen 47 unerzwungene Fehler, während Monaco nur 15 "unforced errors" auf der Rechnung hatte. Von Beginn an fand der mit einem dicken Tapeverband am Schlagarm angetretene "Petzsche" kein Rezept gegen das taktisch kluge Sandplatzspiel seines Kontrahenten, der vor knapp einer Woche das ATP-Turnier in Vina del Mar/Chile gewonnen hatte. "Ich war irgendwie gehemmt und habe mich nicht wohl auf dem Platz gefühlt. Bislang konnte ich mit dem Druck im Davis Cup immer umgehen, jetzt bin ich traurig", sagte Petzschner.

Der sandige Untergrund schien Monaco wie auch Nalbandian in die Karten zu spielen. Die deutsche Mannschaft hatte sich überraschend für Asche als Belag entschieden, das könnte ein großer Fehler gewesen sein.

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