Aktive aus Neu-Ulm bei Kung-Fu-WM in Südamerika

Das aus China stammende Kung Fu hat eine Jahrhunderte alte Tradition. Eine Gruppe aus Schwaben reist diese Woche in die argentinische Stadt Mendoza, wo am 25. September die Weltmeisterschaft beginnt.

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Sind bei der Kung-Fu-WM für Deutschland dabei (von links, Waffe in Klammern): Thomas Achorner (Doppelkopfspeer), Holger Teichmann (Langstock), Natalja Altuchow (Mandarinhaken), Teamleiter Alexander Czech (Hakenschwerter), Lukas Maier (Doppeläxte), Dae-Sup Rhee (Schwert) Thorsten Treffer (Speer) und Niklas Gerke (Langstock).  Foto: 
Ja, er habe diverse Kung-Fu-Filme schon gesehen, erzählt Alexander Czech (45). „Ich kann darüber schmunzeln. Die Schauspieler drehen einzelne Sequenzen, die später zusammengeschnitten werden. Aber in der Realität könnte niemand dieses Tempo durchhalten“, sagt der Großmeister und erste Vorsitzende des SC CKI (Chinese Kuoshu Institute) Neu-Ulm. Seinen Respekt haben die Darsteller dennoch. Mit den Leinwandhelden Jet Li und Jackie Chan hat er sogar einmal trainiert, 1996 bei einem Workshop in San Francisco. Am Freitag fliegt Czech mit sieben Neu-Ulmer Athleten zur Kung-Fu-WM nach Argentinien. 19 Deutsche gehen insgesamt an den Start, mehr als 1000 Athleten aus allen Kontinenten werden in Mendoza erwartet. Seit drei Monaten bereiten sich die Neu-Ulmer auf die Titelkämpfe vor, fünfmal die Woche geht es in die Trainingshalle. Um nach Argentinien reisen zu können, muss jeder Neu-Ulmer Teilnehmer allein für Flug und Hotel 1800 Euro aus eigener Tasche aufbringen. Crowd Funding und die Einnahmen einer Promo-Veranstaltung helfen, einen Teil der Reisekosten abzudecken.

Die Luft steht in der Trainingshalle, nur eine geöffnete Seitentür sorgt für etwas Frischluft. Die Kämpfer schlagen und treten ins Leere, manche schwingen Speere oder Schwerter. Die Anstrengung steht ihnen ins Gesicht geschrieben. Sie stechen, blocken, setzen Kicks an und hebeln ihr Gegenüber aus – alles in ihrer Vorstellung. „Es muss beim Zuschauer ein Wow-Effekt entstehen, wenn er den Kampf gegen den imaginären Gegner sieht“, verdeutlicht Czech. Bei den Partnerformen simulieren zwei Sportler ein Duell – auch mit Waffen. Ziel ist es, den Abtausch so realistisch wie möglich aussehen zu lassen, ohne den Partner zu verletzen. Zielstrebigkeit, Geschwindigkeit, ausgereifte Technik: All dies spiele bei der Bewertung eine Rolle, sagt Czech, der bei der WM als Teamleiter und als Schiedsrichter mit dabei ist.

Die WM-Fahrer müssen die Übungen nach großer Belastung fehlerfrei zeigen, darauf trimmt sie Alexander Czech. „Ich bringe sie nach 20 Minuten Training zur Erschöpfung. Um danach die Kampfformen sauber auszuführen, muss man die innere Mitte finden“, beschreibt Czech. Den Körper und den Geist in Einklang zu bringen, darauf komme es beim Kung Fu an.

Wie sieht es mit den Medaillenchancen der Neu-Ulmer Starter aus? „Die anderen kochen auch nur mit Wasser, insofern haben wir immer eine Chance“, sagt Czech. Während des Trainings überblickt der Großmeister mit wachem Auge die Übungen. Er gibt chinesische Befehle in energischem Ton. „Die Strenge fördert die Disziplin, aber der Spaß am Sport darf auch nicht zu kurz kommen. Ein bisschen Zuckerbrot und Peitsche“, so Czech, der freiberuflich als Sportlehrer am Lessing-Gymnasium arbeitet.

Die härteste der 15 WM-Disziplinen stellt der Vollkontakt dar. Waffen werden dabei zwar nicht verwendet, aber aus dem imaginären Gegner wird ein ganz reeller. „Wir stehen auf einer acht mal acht Meter großen Fläche. Nach einer Verbeugung und einem Abklatschen geht’s dann aber rund“, schildert Thomas Achorner. Mit Vollgas gehe er in die Kämpfe, da der Schnellere gewinne. Angst verspüre er im Grunde nicht, weil er für diese Situation trainiert, sagt der 25-Jährige. Sein Gesicht schützt eine Gittermaske, an den Händen trägt er halbe Boxhandschuhe, die Finger sind dabei frei.

Im grazilen Tai Chi geht Achorners Teamkollege Dae-Sup Rhee an den Start. „Man muss ganz bei sich sein. Wenn man unbedingt den ersten Platz will, dann klappt es nicht“, sagt Rhee. Beide freuen sich auf die weite Reise nach Südamerika. Dort könnten sie Großmeister aus China, Taiwan oder den USA treffen. „Im Kung Fu geht es darum, sich immer weiter zu verbessern. Die Großmeister können dazu Hilfestellung geben und neue Aspekte aufzeigen“, erklärt Rhee. Denn sich stets weiterzuentwickeln sei das Wichtigste in dieser Sportart, wichtiger als eine Medaille bei einer WM.

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