Absturz in der Windlotterie

Welch fürchterlicher Absturz! Nach einem Springen unter irregulären Bedingungen landeten die deutschen Kombinierer im Teamwettbewerb, sonst eine Medaillenbank, mit Riesen-Frust nur auf Rang sechs.

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Wut, grenzenloser Frust, tiefe Enttäuschung über Platz sechs nach dem viel zu großen Rückstand von 1:14 Minuten nach dem Springen, heftige Vorwürfe gegenüber dem Internationalen Skiverband (Fis): Gestern Nachmittag war die heile Welt der Nordischen Kombinierer in völlige Unordnung geraten. Im Zentrum der Kontroverse die deutsche Mannschaft. "Wir waren chancenlos. Da verliert man echt die Lust. Wir trainieren wie die Blöden, und dann wird uns das genommen", ereiferte sich Bundestrainer Hermann Weinbuch: "Das tut mir weh für die Athleten."

Was war geschehen? Im Springen am Morgen auf der WM-Schanze in Predazzo hatten so chaotische Windbedingungen geherrscht, dass von einem regulären Wettbewerb keinerlei Rede mehr sein konnte. Das deutsche Quartett, Björn Kircheisen, Tino Edelmann, Eric Frenzel und Fabian Rießle, erwischte dabei bei sämtlichen vier Sprüngen die mit Abstand ungünstigsten (Rücken-)Windverhältnisse - das wies auch hinterher die Statistik aus.

Der deutsche Vorwurf an die Sprung-Jury der Fis: Nicht nur der dritte Durchgang hätte wieder neu gestartet müssen, sondern auch der erste, in dem Kircheisen auf 83 m abstürzte - ja am besten hätte das gesamte Springen neu begonnen werden sollen. Zumal eine halbe Stunde später besseres Wetter herrschte mit nur noch wenig Wind. "Ich war zweimal bei der Jury und habe gesagt, dass das hier Athleten bei der WM sind und keine Marionetten", beklagte sich Weinbuch. Auch das norwegische und tschechische Team wollten den Neustart.

Auf der Skatingpiste konnten sich die deutschen Kombis, die gesamten 4x5 km alleine laufend, nach Sprung-Rang sechs schließlich nicht mehr verbessern. Letztmals hatte ein deutsches Quartett 2001 keine Medaille im Mannschaftswettbewerb gewonnen. Mit einem fulminanten Schlussspurt führte Jason Lamy Chappuis die französische Staffel noch zum Sieg vor Norwegen und den USA.

"Wir haben versucht, die Wut auf die Strecke zu transportieren. Aber Wunder kann man von uns nicht erwarten", sagte Edelmann, der sich so verausgabt hatte, dass er sich sogar übergeben musste. "Dass die nicht reagiert haben, verstehe ich nicht. Da kämpft man gegen Windmühlen", zeigte sich der 27-Jährige aus Zella-Mehlis auch nach dem Laufen noch erzürnt. "Das ist schlimm, dass das auf Biegen und Brechen durchgezogen wird, obwohl man noch die ganze Woche Zeit gehabt hätte. Das stört mich so", entrüstete sich auch Kircheisen: "Man trainiert das ganze Jahr, und dann hat man so eine Situation bei einem Großereignis." Rießle verdeutlichte noch einmal: "Ich habe einen guten Sprung gemacht und bin doch nur bei 87,5 m gelandet. Da hat man ziemlich viel Wut im Bauch." Die heftige Kritik konterte gestern Abend Lasse Ottesen, der Renndirektor Nordische Kombination der Fis. "Klar, die Deutschen haben viel Pech gehabt. Aber ich kann den Wettkampf zugunsten der Deutschen nicht beeinflussen. Wenn ein Springer oben ist, und der Wind ist innerhalb des Korridors, dann muss ich den starten", rechtfertigte sich der Norweger.

"Wir haben kein Glück gebraucht an der Schanze. Es hätte gereicht, dass wir kein Pech gehabt hätten", resümierte Eric Frenzel am Abend.

Heute wollen die Kombis zum Abreagieren Skifahren gehen. Entspannung ist nach all den Aufregungen höchst nötig, schließlich stehen am Donnerstag und am Samstag bei der WM noch zwei Wettkämpfe an.

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