"Mein Opa wäre sehr stolz"

Sein Großvater Kurt wanderte als Überlebender des Holocaust traumatisiert in die USA aus. Enkel Evan Kaufmann kehrte 2008 nach Deutschland zurück. Am Freitag gibt er sein Debüt im Eishockey-Nationalteam.

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Evan Kaufmann hat seinen Frieden mit Deutschland gemacht. Am Freitag will der Eishockey-Profi der Düsseldorfer EG erstmals für das Land spielen, das unter dem Nazi-Regime für die Ermordung vieler Mitglieder seiner jüdischen Familie verantwortlich war. "Mein Großvater hat seine Eltern nie wieder gesehen und konnte auch etwa eine Handvoll seiner Cousins und Cousinen nicht mehr finden", erzählt Kaufmann. Evan entschied sich trotzdem für das deutsche Nationalteam, mit dem er nun beim Vier-Nationen-Turnier Belarus-Cup in Minsk antritt. "Ich musste nicht groß darüber nachdenken. Das ist eine große Ehre."

Diesen Satz sagen Sportler oft, wenn sie das erste Mal ins Nationalteam berufen werden. In Kaufmanns Fall ist er keine Phrase. "Das wird ein sehr emotionaler Moment für mich. Ich werde sicher sehr nervös sein", bekennt Kaufmann. Sein Großvater Kurt wuchs an der Mosel auf, überlebte den Nazi-Terror in Köln und später im KZ und floh traumatisiert mit seiner Schwester in die USA. "Es war sehr hart für ihn, er hat nie groß darüber sprechen wollen", berichtet Kaufmann.

Mittlerweile gibt es dazu auch keine Chance mehr, Kurt kann seinen Enkel im deutschen Trikot nicht mehr sehen. Er ist in den 1990er Jahren gestorben. Gewissensbisse, für Deutschland zu spielen, hat Evan nicht. Der Eishockey-Profi ist sich sicher: "Mein Großvater wäre sehr stolz".

Bei Evan waren es "gemischte Gefühle", als er 2008 vom Interesse aus Deutschland erfuhr. "Ich habe nie daran gedacht, nach Deutschland zu kommen." Niemand aus seiner Familie war nach dem Krieg wieder in Europa, geschweige denn in Deutschland. Kaufmann aber wagte den Schritt - und bereute ihn nicht. "Es war alles sehr positiv. Ich bin super aufgenommen worden und fühlte mich auf Anhieb in Düsseldorf sehr wohl." Seine Eltern kommen regelmäßig zu Besuch. Gemeinsam besuchten sie die Heimat von Evans Opa an der Mosel. "Die älteren konnten sich sogar noch an ihn erinnern. Das war ein sehr emotionaler Moment", erinnert sich Kaufmann.

Auch sportlich läuft es gut für Kaufmann. Er gehört zu den besten Scorern in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). Irgendwann wollte Bundestrainer Jakob Kölliker, dass Kaufmann für Deutschland spielt. Damals musste Kaufmann verletzt absagen, nun gibt es eine neue Chance. Die Familiengeschichte Kaufmanns kennt Kölliker nicht. "Ich habe da nie eine große Sache raus gemacht. Meine Teamkollegen wissen, dass ich Jude bin und waren auch immer sehr interessiert", sagt Kaufmann. Er will in Deutschland bleiben.

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