"Das war einfach Mist"

WM-Gold für Mitfavorit Ted Ligety, Silber für einen unbekannten Franzosen, nullkommanichts für Deutschland. Der Ebinger Stephan Keppler enttäuschte auf der ganzen Super-G-Linie.

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  • Keine Ausreden: Nach einem verkorksten Auftritt von Stephan Keppler (großes Bild) fuhr Ted Ligety (r.) zum Sieg. Fotos: dpa, afp 1/3
    Keine Ausreden: Nach einem verkorksten Auftritt von Stephan Keppler (großes Bild) fuhr Ted Ligety (r.) zum Sieg. Fotos: dpa, afp
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Eine eingeschneite Bilderbuch-Skihütte wie es doch recht zahlreiche in der Alpenwelt gibt, so wuchtig steht die Kessleralm da: Mittenmang schier unzähliger Berggipfel zwischen Hohen Tauern und Dachstein. Es riecht nicht unangenehm, obwohl sich Adrenalin breit macht. Die 82 Starter des Super-G-Rennens wärmen sich hier auf, hochkonzentriert bereit fürs Rennen, trinken heißen Tee, sondern sich nicht selten bei Musik mit Kopfhörer ab. Auch wenn keiner von den Highlands dabei war, "Ab-Schotten" war angesagt. Im Gegensatz zum verheerenden WM-Auftakt in Schladming beim Super-G-Frauen-Rennen, dieses Mal läuft alles nach Plan. Einer nach dem anderen wagt sich rechtzeitig raus, stapft die wenigen Meter zum Starthaus auf 1348 Meter Höhe, um kurz davor noch an einer hölzernen Wäschespinne innezuhalten, damit die richtige Startnummer abgegriffen wird. Der Ebinger Stephan Keppler ist fokussiert auf den Super-G-Sart, streift sich das "Leiberl" mit der Nummer 3 über mit dem Vorsatz: "Ich will unter die Top Ten kommen!"

Der ehemalige österreichische Spitzenfahrer Armin Assinger gibt den durchtrainiert wirkenden Jungs noch einen Wink mit auf die Talfahrt: "Die Strecke hat sehr viel Gelände!" Wie bitte? Assinger meinte damit die zahlreichen Übergänge und Wellen im recht flott gesteckten Kurs.

Keppler stürzt sich ins WM-Rennen und muss wohl schon während der ersten Schwünge bemerkt haben, dass der über 42 Tore hinweg gesteckte Kurs ihm überhaupt nicht behagt. Übergänge und Wellen, wie von Assinger angemahnt - einfach übersehen. Zeitraubende Quersteher, zahlreiche hektische Fehler, mangelndes Selbstbewusstsein - am Ende wird Keppler lediglich 33. - der Rückstand auf den fulminant fahrenden Sieger Ted Ligety beträgt fette 3,59 Sekunden. Vom anvisierten Top-Ten-Platz war der 30-Jährige 2,25 Sekunden entfernt. Das sind in einem Sport, in dem es um Tausendstel Sekunden geht, nahezu Lichtjahre. "Das war von oben bis unten einfach Mist", war er selbstkritisch genug. Wie Keppler die Harakiri-Nummer empfand? "Da war gar kein Angriff dahinter. Ich bin nur so runtergestolpert", so der geknickte Wahl-Münchner.

Der mittlerweile 30-Jährige, der trotz verpasster Qualifikationsnorm auf dem Gnadenweg nominiert worden war, haderte mit der Riesenslalom-ähnlichen Kurssetzung des norwegischen Trainers Tron Moger. Keppler raunzte: "Da habe ich sowieso schon Probleme mit dieser Art von Kurs, und dann habe ich auch noch Fehler gemacht. Das war gar nix", erkannte er. Und Assinger urteilte über den Schwaben: "Gnadenlos abgestraft von oben bis unten!"

Kepplers ebenfalls über einen Umweg nachnominierter Teamkollege Tobias Stechert machte die Sache als 24. auch nur unwesentlich besser.

Wie mans als ganz krasser Außenseiter richtig machen kann, zeigte hinter einem gigantisch fahrenden Ted Ligety der Franzose Gauthier de Tessieres. Erst für den zunächst gesetzten Johan Clarey kurzfristig nachnominiert, packte der 31-Jährige vom Skiclub Alpe dHuez die Chance beim Schopf und raste unmittelbar nach Keppler mit Startnummer 4 zur Silbermedaille. Da der Franzose wie Sieger Ligety und auch Bronzemedaillengewinner Aksel Lund Svindal auf Skier der Marke Head vertraut, machte die Sache für Keppler noch trauriger: Der Ebinger fährt auf demselben Produkt. Ausreden gab es also auch auf diesem Sektor nicht. Am Samstag steht die Spezial-Abfahrt an - dann kann Keppler zeigen, ob er doch mehr ist als ein WM-Tourist.

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