Rückblick Rudolf Mang: Bärenstark dank Mamas feiner Magerkost

Rudolf Mang, der „Bär von Bellenberg“, holte 1972 in München Olympia-Silber im Gewichtheben. Als 15-Jähriger tauchte er im März 1966 zum ersten Mal groß im Sportteil der Zeitung auf.

WOLFGANG SCHEERER |

„Rudolf Mang verblüffte selbst die Experten“ – diese Schlagzeile verlangte, als sie oben auf der Sportseite der Schwäbischen Donau-Zeitung (SDZ) prangte, erst einmal Aufklärung: Wer, bitte, ist Rudolf Mang? Also legte sich die Redaktion im März 1966 ins Zeug, um den Lesern ein großes Talent vorzustellen. Dass dieser Junge mit der Hantel sechs Jahre später in München als Olympia-Zweiter richtig Furore machen sollte, konnte niemand ahnen. Wer heute liest, was über den 15-Jährigen berichtet wurde, wundert sich allerdings nicht: „Die Nachricht, daß Rudolf Mang bei den schwäbischen Gewichtheber-Meisterschaften in Burgau 425 Kilogramm im Olympischen Dreikampf zur Hochstrecke brachte, ist fast überall wie ein Blitz eingeschlagen. 425 Kilogramm mit 15 Jahren – das hat es in der an Abnormitäten gewiß nicht armen Geschichte des Kraftsports noch nicht gegeben! Innerhalb von einem Jahr hat sich der fleißige, bescheidene Mittelschüler aus Bellenberg bei Illertissen um nicht weniger als eineinhalb Zentner verbessert. In dieser Zeit ist Rudolf Mang nur um einen Zentimeter auf 1,78 Meter gewachsen und von 92,5 auf 100 Kilo schwerer geworden. Er ist aber ein ganz und gar durchtrainierter, bei aller kompakten Masse der Statur nahezu schlank wirkender junger Mann, der alle Vorstellungen von einem ,wirtschaftswunderlichen Riesenbaby’ Lügen straft. An ihm sieht man kein Gramm Fett.“

Der tiefere Grund für die Top-Form war schnell ermittelt: „,Ich koche nur magere Kost wie Geflügel, Rindfleisch oder fettfreie Schnitzel, dazu gibt es Reformhausnahrung’, berichtet die Mutter. ,Mein Sohn ißt nicht einmal sehr viel, aber sehr gut! Zum täglichen Verzehr gehören rund drei Liter Milch, mit Kakaoextrakt angereichert.’“ Und rein sportlich hatte der Vater seinen Sohn auf den Geschmack gebracht, als der 13 war. Die SDZ, Vorgängerin der SÜDWEST PRESSE, schreibt im März vor 50 Jahren: „Xaver Mang, 65 Jahre alt und selbst früherer Gaumeister im Gewichtheben, ließ seinen Sohn, dessen drei Brüder ebenfalls gute Heber und Ringer sind, erst vor zwei Jahren erstmals an die Hantel. Stolz erinnert er sich: ,Der hat gleich zwei Zentner hochgestreckt, als wär’ das nichts.’ In der Garage seines Hauses richtete er für Rudolf eine Trainingsstätte ein und übergab den Filius in die Obhut des Trainers Josef Schnell in Schrobenhausen. Seither hält sich Rudolf strikt an die von Schnell aufgestellten Trainingspläne, die auf einem von ihm selbst berechneten Kräftediagramm beruhen. Nie darf der 15jährige seine volle Leistung bringen.“ Ernährung, Training, Wettkampf – das alles klingt noch heute erstaunlich professionell.

Mang staunte damals ebenfalls und sagte der SDZ: „Ich hätte nie geglaubt, daß ich schon 425 Kilo schaffe, aber Josef Schnell hat das genau gewußt. Der deutsche Rekord von Arthur Haun aus Neckarau steht auf 460. Das ist noch eine Menge mehr. . .“

Der Schlussabsatz der ersten großen Geschichte über den jungen Gewichtheber: „Rudolf blickt sinnend auf ein großes direkt vor seinem Trainingsplatz aufgehängtes Bild. Es zeigt Jury Wlassow, den sowjetischen Weltmeister und Olympiasieger.“ Tatsächlich sollte Mang selbst 1968 und 1972 bei Olympia auf der Heber-Bühne stehen. Nachdem der „Bär von Bellenberg“ bei der EM 1972 mit 630 Kilo im Dreikampf mächtig geglänzt hatte, musste er bei den Sommerspielen in der Halle auf dem Münchner Messegelände mit 610 zufrieden sein – und mit Silber. Wassili Alexejew aus der UdSSR gewann mit 640 Kilogramm Gold.

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