Handball-WM der Frauen: Ein Unentschieden mit Höhen und Tiefen

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Michael Biegler: Das Achtelfinale ist erreicht.  Foto: 

Noch Minuten nach dem Abpfiff saßen die Spielerinnen auf der Auswechselbank oder standen unmittelbar davor und schauten sich ungläubig an. Es war schwierig, direkt nach dem Ende dieser Partie einzuordnen, was mit dem vorangegangenen 60 Minuten anzufangen war. Das 22:22 (9:11) gegen Serbien im dritten Vorrundenmatch bei der Weltmeisterschaft fühlte sich für die deutschen Handballfrauen wie eine Niederlage an, und war ein bisschen doch ein Sieg. Schließlich liefen die „Ladies“ beinahe über die komplette zweite Halbzeit einem Rückstand hinterher.

Besonders bitter schmeckte das Resultat, weil die über die komplette zweite Halbzeit unsicheren Schiedsrichterinnen aus Norwegen das Unentschieden für Serbien ermöglichten. Bei einer 22:21-Führung waren die Deutschen eine halbe Minute vor Ende in Ballbesitz, verloren den aber durch eine recht vorschnelle Zeitspielanzeige der Unparteiischen. Vier Sekunden vor dem Ende traf Dragana Cvijic folgerichtig zum Remis für das Team vom Balkan.

„Ich habe nicht gesehen, dass meine Spielerinnen den Sieg aus der Hand gegeben haben“, umschrieb Michael Biegler seinen Ärger über die Entscheidungen der Norwegerinnen. Der Bundestrainer hatte Mitte der zweiten Halbzeit wegen Reklamierens sogar eine Zeitstrafe erhalten.

Ratlosigkeit

„Es ist gerade schwierig, dieses Ergebnis zu bewerten“, sagte Jenny Karolius zu dem Unentschieden gegen die Balkan-Girls, die mit zwei hohen Siegen ins Turnier gestartet waren. Die Kreisläuferin war zu Beginn der zweiten Halbzeit aufs Feld gekommen und avancierte mit ihrem aggressiven Deckungsverhalten und drei Toren im Angriff zur Anführerin bei dem mühsamen Umschwung. In der entscheidenden Phase stand Karolius mit Xenia Smits im Abwehrzentrum und untermauerte damit eine Aussage, die Biegler im Vorfeld der Partie getätigt hatte.

„Wir sind unberechenbar und haben mehrere Optionen“, hatte der Bundestrainer erklärt. Nachdem beim 23:18 gegen Südkorea der Innenblock aus Nadja Mansson und Julia Behnke für Stabilität sorgte und den Ausfall von Kim Naidzinavicius kompensierte, überzeugte gegen Serbien ein neues Duo.

Schon nach drei Vorrundenspielen gegen drei sehr unterschiedlich agierende Gegner ist deutlich geworden, dass die Defensive nicht zum Problem der Deutschen werden sollte. Biegler hat seinen „Ladies“ die Lust am Verteidigen vermittelt und die athletischen Voraussetzungen dazu geschaffen.

Gegen die Deckung der Serbinnen offenbarte sich stattdessen ein Problem im Angriffsspiel, das oft hektisch und wenig durchdacht wirkte. Das Selbstverständnis für den eigenen Ballbesitz hat sich die Mannschaft bei dieser Weltmeisterschaft noch nicht erarbeitet. Die Folge war der 14:17-Rückstand Mitte der zweiten Hälfte (43.), den die Deutschen nur mit viel Willensleistung egalisieren konnten. Als Karolius 90 Sekunden vor Schluss zum 22:21 traf, war sogar ein glückliches Ende möglich. Fehlende Ruhe im letzten Angriff und eine merkwürdige Entscheidung der Unparteiischen verhinderten wie eingangs erwähnt den greifbaren Sieg.

In der Aufregung um die 60 intensiven Minuten gegen Serbien und das Remis ging beinahe eine zentrale Erkenntnis des Abends unter. „Wir sind jetzt sicher im Achtelfinale, das ist ja auch nicht schlecht“, sagte Spielführerin Anna Loerper. Zumindest dieser Fakt war unumstößlich, die Einordnung des Resultats hingegen schon. Und so geht’s weiter: Heute, 18 Uhr, können die DHB-Frauen ihre Ausgangslage in der Gruppe mit einem Sieg gegen Außenseiter China verbessern, der bislang punktlos Letzter der Gruppe D ist.

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