Handball-Europapokalsieger Göppingen setzt auf die Karte Kontinuität

Auch nach dem dritten EHF-Cup-Sieg in sechs Jahren beweist Handball-Bundesligist Frisch Auf Göppingen Bodenhaftung und peilt Platz fünf bis sieben an.

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Neuzugang Jens Schöngarth (l.), der vom SC Magdeburg kam, sorgt dafür, dass Göppingen im rechten Rückraum stärker als zuletzt besetzt ist.  Foto: 

Es war eine Saisonvorbereitung ganz nach dem Geschmack der Göppinger Verantwortlichen: Geräuschlos, aber  intensiv forderte Frisch-Auf-Trainer Magnus Andersson vollen Einsatz von seinen Schützlingen, um als Europapokalsieger auch in der am Samstag (20.15 Uhr) zu Hause gegen Hannover beginnenden Bundesliga-Runde wieder eine gute Figur abzugeben.

Laut wurde der Schwede, der seit seinem Amtsantritt vor zwei Jahren die Göppinger auf die Plätze  fünf und sechs in der nationalen Meisterschaft geführt hat, zuletzt abseits des Spielfelds. „Das ist für mich Katastrophenhandball. Ich bin enttäuscht und traurig zugleich nach dieser Entscheidung der IHF“, geißelt der Ästhet, der als Profi sein Heimatland zu vielen Erfolgen führte, die Einführung des siebten Feldspielers als Offensivvariante durch den internationalen Handballverband. Andersson sieht den Vorteil einer guten Abwehrarbeit schwinden, wie er sie seinem Team in den vergangenen zwei Spielzeiten vermittelt hat. Spielführer Manuel Späth pflichtet ihm bei. „Jetzt gibt es durch die vielen Wechsel keine Kontinuität mehr auf dem Spielfeld, bei den Olympischen Spielen kamen noch viele Zeitstrafen dazu. Ich weiß nicht, ob sich die Entscheider dieser krassen Veränderung bewusst sind“, äußert sich auch der Routinier skeptisch.

Weniger aufregend gestaltete sich die Vorbereitungsphase beim Traditionsverein, auch wenn sich die Spieler über ein erstmals integriertes Teambuilding mit Bogenschießen und Wildwasserpaddeln freuten. Für Andersson war wichtiger, dass er kein Kadermitglied für die Olympischen Spiele im fernen Rio de Janeiro abstellen musste und mit Neuzugang Jens Schöngarth nur ein Spieler ins Aufgebot zu integrieren war. Mit Linkshänder Schöngarth und dem bereits im Januar aus der Hamburger Insolvenzmasse verpflichteten Adrian Pfahl glauben sich die Göppinger im rechten Rückraum deutlich stärker aufgestellt als vergangene Saison mit den lange verletzten Felix Lobedank und Kevynn Nyokas. Lobedank wechselte anschließend mit Spielmacher Michael Kraus zum benachbarten Ligarivalen TVB Stuttgart, der französische Weltmeister versucht in Gummersbach sein Glück.

Bei Frisch Auf  sieht man sich laut Geschäftsführer Gerd Hofele mit einem leicht auf 5,2 Millionen Euro erhöhten Etat auch in der neuen Saison auf Augenhöhe mit Klubs wie Magdeburg, Melsungen oder Berlin, „wobei wir hier nicht an der Spitze stehen“, so der Manager. Enteilt seien die Top-Vereine Flensburg, Rhein-Neckar-Löwen und Kiel, „an sie sind die ersten drei Plätze vergeben“. Finanziell  bauen die Göppinger weiterhin auf eine breit angelegte Sponsorenpyramide und ihre „traditionell hohe Dauerkarten-Auslastung“ mit fast 3400 Tickets bei einem Fassungsvermögen der EWS-Arena von 5600 Besuchern. „Eine Heimbilanz wie in der vergangenen Saison wäre eine gute Voraussetzung für ein erfolgreiches Jahr“, weiß nicht nur Coach Andersson, dessen Team nur drei Gästesiege vor den eigenen Fans zuließ, „und mit Platz fünf bis sieben haben wir uns ein realistisches Ziel für die neue Runde vorgenommen.“ Der 50-Jährige, selbst einst Spielmacher der goldenen schwedischen Generation, setzt dabei auf Nationalspieler Tim Kneule als Schaltstation. Der seit wenigen Tagen 30-Jährige, der fast noch auf den Rio-Zug aufgesprungen wäre, musste in der vergangenen Saison oft den Notnagel im rechten Rückraum geben, nun soll er sich ganz auf die Regie konzentrieren. Entlastung erhält er vorrangig vom vielseitigen Zarko Sesum, im linken Rückraum sind die Grün-Weißen mit Daniel Fontaine und Lars Kaufmann dennoch gut aufgestellt. „Letztlich können alle vier mal auf Mitte auftauchen, der moderne Handball ist flexibel“, behält Magnus Andersson dann augenzwinkernd auch noch ein kleines Geheimnis für sich.

Der Kader 

Tor: Primoz Prost, Bastian Rutschmann, Daniel Rebmann. Rückraum: Tim Kneule (RM), Jona Schoch (RM), Zarko Sesum (RL), Daniel Fontaine (RL), Lars Kaufmann (RL), Sebastian Heymann (RL), Adrian Pfahl (RR), Jens Schöngarth (RR). Außen: Andreas Berg (LA), Marcel Schiller (LA), Marco Rentschler (RA), Anton Halen (RA).

Kreis: Manuel Späth, Niclas Barud.

Trainer: Magnus Andersson.

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