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Spionieren in der Bundesliga

Im WM-Viertelfinale treffen die deutschen Handballer heute auf Spanien. Beide Teams verfügen über einen breiten Kader ohne wirklichen Superstar. Der Gastgeber überrascht mit Fachwissen über die Bundesliga.

SEBASTIAN SCHMID |

Nach 55 Minuten hatte Martin Heuberger genug gesehen. Mit seinem blauen Notizbuch in der Hand verließ der Trainer der deutschen Handball-Nationalmannschaft mit seinen Spielern den Pabellón Principe Felipe in Saragossa. Spanien führte mit 28:19 gegen Serbien und es war klar, dass das deutsche Team heute um 19 Uhr (ARD-Übertragung ab 18.50) im WM-Viertelfinale auf den Gastgeber treffen wird.

Was das Heimteam vor 10 801 frenetischen Fans ablieferte, war vor allem in der Abwehr beeindruckend. "Es ist wirklich schwer, gegen diese Abwehr zu spielen", sagte Heuberger. Gegen Spanien sei seine Mannschaft heute Außenseiter. "Aber wir fühlen uns dabei wohl."

Der 48-Jährige bezeichnete es als kleinen Vorteil, dass sich die DHB-Auswahl live ein Bild vom Gegner machen konnte. So weiß sie, was sie in Saragossa erwartet. "Die Atmosphäre ist sehr heißblütig", sagte Dominik Klein. Für den 29-jährigen Kieler ist das aber kein Problem: "Das ist eine schöne Motivation, in der Halle bestehen zu können."

Die Spanier, von denen als Gastgeber erwartet wird, dass sie den Titel holen, waren erfreut, dass es beim 31:20 gegen Serbien so einfach war. "Am Ende konnte ich bereits an das nächste Spiel denken und allen Spielern Einsatzzeit geben", sagte Valero Rivera. Für den 59-Jährigen kann die Heim-WM etwas ganz besonderes werden. Achtel- und Viertelfinale finden in seiner Geburtsstadt Saragossa statt, Halbfinale und Endspiel in Barcelona. Dort griff Valero beim FC erstmals zum Handball, spielte von 1971 bis 1983 bei den Aktiven und trainierte dann den Verein 21 Jahre lang. In dieser Zeit gewann er mit Barcelona über 60 Titel, darunter sechsmal die Champions League.

Seit 2008 ist er für die Nationalmannschaft verantwortlich und soll den zweiten Titel nach dem WM-Gewinn 2005 holen. Das Problem der Südeuropäer ist bislang, dass sie zwar meist zu den Favoriten gehören, am Ende aber andere Teams den Pokal in die Höhe stemmen. Eine Truppe von erfahrenen Spielern soll das nun ändern. Herausragende Akteure sind Torhüter Arpad Sterbik (33), Rechtsaußen Victor Tomas (27), Kreisläufer Julen Aguinagalde (30), Kapitän Alberto Entrerrios (36) und Albert Rocas.

Der 30-Jährige hält viel vom Viertelfinal-Gegner. "In der aktuellen Form sind die Deutschen das heißeste Team der WM." Der sympathische Rechtsaußen glänzt mit ungeahntem Fachwissen. "Die jungen Spieler wie Steffen Weinhold, Stefan Kneer, Steffen Fäth und Kevin Schmidt sind international zwar unerfahren, aber sie sind motiviert und auf dem Weg zum Durchbruch." Dass der Akteur vom FC Barcelona über alle DHB-Spieler Bescheid weiß, hat seinen Grund: "Dienstags schaue ich immer die Bundesliga auf Sport 1. Das ist ein Pflichttermin."

Trainer Rivera freut sich auf die Partie: "Es stehen sich zwei Mannschaften gegenüber, die über das Kollektiv ohne Superstars spielen." Er sieht einige Parallelen zwischen den Teams, wie die starke Abwehr, pfeilschnelle Außen und gute Torhüter. "Im Angriff verkörpern beide Mannschaften auch den Begriff Mannschaft." Für Egoisten sei da kein Platz. "Jeder Spieler muss sich dem Kollektiv unterordnen", erklärt Rivera. Eine Aussage, die von Heuberger stammen könnte. "Meiner Meinung nach muss man Handball so spielen wie Deutschland und Spanien." Deshalb ist er sicher, dass es für die Zukunft des deutschen Handballs sehr gut aussieht. Heute wird sich aber zunächst zeigen, wer dass System aktuell besser beherrscht.

Info: Auch deutsche Fußballer drücken dem deutschen Handball-Team die Daumen für das Viertelfinale gegen Spanien. Sie haben das Video "Auswärtssieg" veröffentlicht.

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