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Ein ganz spezieller Weg, am Ball zu bleiben

Nach seiner Pfeife tanzen die Mädels. Stephan Pfeiffer sitzt im Rollstuhl, was den 22-Jährigen jedoch nicht daran hindert, die Handballerinnen des TSV Neu-Ulm zu trainieren. Und davon profitieren beide Seiten.

BEATE STORZ | 0 Meinungen

"Natürlich werde ich komisch angeguckt", sagt Stephan Pfeiffer. "Jedes Auswärtsspiel sorgt bei der anderen Mannschaft für Verwirrung." Stephan Pfeiffer ist Trainer der Bezirksoberliga-Handballerinnen des TSV Neu-Ulm - und er sitzt im Rollstuhl. Im Handball ein ungewöhnlicher Anblick. "Seine" Mädels haben sich mittlerweile daran gewöhnt, auch wenn sie zugeben, dass sie am Anfang skeptisch waren.

Seit Juli haben sie nun schon einen Rollstuhlfahrer als Trainer. "Es funktioniert alles prima. Stephan kann uns nichts vormachen. Aber er kann wunderbar erklären. Mit seiner Erfahrung macht er all seine Defizite wett." Diese lobenden Worte kommen von Iris Schäfer (27). Seit 20 Jahren spielt sie Handball. "Aber so fit wie bei ihm habe ich mich noch nie gefühlt. Sein Krafttraining ist eine absolute Wucht."

Als Stephan Pfeiffer 15 ist, passiert im Leipheimer Freibad das Unglück. Er rutscht, taucht Kopf voraus ins Wasser und verletzt sich dabei am Beckenboden. Dabei hatte er noch Glück im Unglück. Als der Nersinger im Wasser trieb, erkannte ein Sanitäter, der zufällig im Becken war, den Ernst der Lage. Er stabilisierte den Verunglückten im Wasser, statt ihn aus dem Becken zu zerren. "Er hätte mir sonst das Genick gebrochen", sagt Pfeiffer. Wer der Lebensretter war, weiß er bis heute nicht. "Ich habe danach nie wieder was von ihm gehört."

Seitdem sitzt Stephan Pfeiffer im Rollstuhl, kann die Arme nur eingeschränkt bewegen. Doch Handball bestimmt weiter seinen Alltag. Vater Ralf ist Jugendtrainer bei der SG Burlafingen/Ulm, Mutter Antonietta trainiert eine weibliche Jugend beim TSV Neu-Ulm und Bruder Jan (16) spielt für Burlafingen.

Als der Unfall geschah, warf Pfeiffer in der B-Jugend der HSG Langenau/Elchingen Tore. Gemeinsam mit dem Langenauer Württembergliga-Handballer Felix Junginger wurde er 2005 Meister der Bezirks-Oberliga der B-Jugend. Dann kam der Unfall. Ein Jahr lang konnte Stephan Pfeiffer danach nicht mehr zur Schule gehen. Jetzt studiert der 22-jährige Energiesysteme an der Ulmer Hochschule.

"Dem Training kommt das Handicap sogar entgegen", meint Stephan Pfeiffer mit ein wenig Sarkasmus. Denn weil er im Rollstuhl sitzt, hat er nicht dieselben Möglichkeiten in der Freizeitgestaltung und im Ausgehverhalten wie seine Altersgenossen. "Stephan hängt sich bei uns voll rein", meint Tanja Hillebrand (18). Zweimal in der Woche ist Training für die Bezirksoberliga-Handballerinnen. "Das schweißt zusammen. Wir sind alle hoch motiviert. Seitdem Stephan unser Trainer ist, hat sich unser Zusammengehörigkeitsgefühl verändert. Wir sind als Mannschaft eine einzige Einheit", schwärmt Iris Schäfer.

Wo der sportliche Weg hinführen soll, weiß der Neu-Trainer noch nicht. Ein Aufstieg ist (noch) nicht eingeplant. Im kommenden Jahr will Stephan Pfeiffer seinen C-Lizenz-Trainerschein machen. Bei einer Saison als Trainer soll es nicht bleiben. "Es macht einfach richtig Spaß", sagte Pfeiffer.

Doch das ist nicht alles. Für ihn ist der Job an der Seitenlinie eine Art von Therapie. Es ist sein Weg, am Sport dranzubleiben oder, wörtlich genommen, am Ball zu bleiben. "Hätte ich diesen Posten nicht inne, wäre mir mein körperliches Defizit ständig bewusst. Das ist quasi der Ausgleich zur notwendigen Krankengymnastik, die mich nur jede Sekunde daran erinnert, dass ich im Rollstuhl sitze."

So nützt der Trainerposten beiden Parteien: Die TSV-Mädchen profitieren von einem motivierten Trainer, der seine Zeit ehrenamtlich für sie opfert und sie in ihren Leistungen empor hebt. Stephan Pfeiffer seinerseits profitiert mental davon, es hilft ihm, seinen Zustand zu überwinden: "Ich werde ernst genommen. Mein Gebrechen spielt hier keine Rolle."

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