VfB kauft Erfahrung ein
Stuttgart/Frankfurt. Die Uhr tickte: Unmittelbar vor dem Ende der Transferperiode in der vergangenen Nacht haben die Fußball-Bundesligisten noch einmal tüchtig eingekauft - und dabei selbst große Ausgaben nicht gescheut.
Ein ehemaliger Weltmeister und ein Talent aus Guinea sollen dem VfB Stuttgart aus der Krise helfen: Der Fußball-Bundesligist verpflichtete gestern Mauro Camoranesi von Juventus Turin und den defensiven Mittelfeldspieler Mamadou Bah (Racing Straßburg). "Es gab auch andere Angebote, aber Stuttgart hatte absolute Priorität. Das ist der richtige Moment für einen Wechsel, ich bin dem VfB dankbar", sagte Camoranesi.
Der bevorzugt im rechten Mittelfeld wirbelnde Italiener spielte acht Jahre lang für Juventus, das nach Medienberichten rund zwei Millionen Euro für den 33-Jährigen erhält. Camoranesi unterschrieb beim VfB einen Einjahresvertrag plus Option und soll dort all das einbringen, was der Mannschaft bei ihren beiden Auftaktpleiten in der Liga fehlte: Routine, Spielkultur, Selbstvertrauen. "Seine Erfahrung tut uns gut", sagte Sportdirektor Fredi Bobic. "Wir sind glücklich, dass wir so einen Spieler verpflichten konnten. Er hat einen großen Namen und ein Potenzial, das er immer noch abrufen kann."
Camoranesi war über die Jahre sowohl bei Juve (216 Ligaspiele) als auch in der Nationalelf (55 Länderspiele) gesetzt. Obwohl er zuletzt aufgrund zahlreicher Verletzungen viel von seiner Dynamik und Filigranität eingebüßt hatte, wurde er auch für die WM in Südafrika nominiert. "Körperlich fühle ich mich sehr, sehr gut", meinte er. 2006 wurde Camoranesi mit Italien in Deutschland Weltmeister. Nach Luca Toni, Massimo Oddo (beide Bayern München), Andrea Barzagli und Christian Zaccardo (beide VfL Wolfsburg) ist er aus jener Mannschaft bereits das fünfte Mitglied, das es in die Bundesliga zog.
Der Kauf eines derart gestandenen Profis zeigt, dass der schwache Saisonstart die Stuttgarter unruhig gemacht hat. Zuvor hatte der Klub für die vakante Position im rechten offensiven Mittelfeld vor allem junge Spieler wie Stefan Aigner (1860 München) im Blick. Dafür spricht auch, dass sich der VfB kurz vor Ende der Wechselfrist massiv um Stürmer Mladen Petric vom Hamburger SV bemühte. "Wir haben bis zur letzten Minute um ihn gekämpft. Mit dem Spieler waren wir klar, mit dem Verein nicht", sagte Bobic.
Die Verpflichtung von Bah ist eher als Antwort auf die Ausfälle von Philipp Degen und Johan Audel zu verstehen. "Wir erhoffen uns von ihm, mehr Alternativen zu haben", erklärte Bobic. Er bezeichnete den 22 Jahre alten Nationalspieler Guineas als "sehr aggressiven, hoch talentierten Spieler". Bah erhielt einen Vertrag bis 2013 und reiste gleich zu seiner Nationalmannschaft zurück. Der Linksfuß, an dem laut Bobic auch Champions-League-Teilnehmer Auxerre interessiert gewesen war, kostete eine Ablösesumme von rund 500 000 Euro.
Richtig Dampf gemacht wurde auf Schalke. Für insgesamt 27 Millionen Euro verpflichteten die Gelsenkirchener die Stars Huntelaar (AC Mailand) und Jurado (Atlético Madrid). Dritter im Bunde ist Abwehrspieler Plestan (OSC Lille). Damit sind die Arbeiten auf der "Großbaustelle" abgeschlossen: Nach 13 Zugängen und 15 Abgängen hat sich der Kader des Meisterschaftszweiten der vorigen Saison stark verändert. Die Trennung von Großverdienern wie Rafinha, Marcelo Bordon, Heiko Westermann und Kevin Kuranyi sorgte für den nötigen finanziellen Spielraum. Vizeweltmeister Huntelaar machte den Fans Hoffnung auf rosige Zeiten: "Es ist eine große Herausforderung, mit Schalke Meister zu werden." Der 14 Millionen Euro teure Huntelaar und der angeblich nur eine Millionen Euro preiswertere Spanier Jurado sollen helfen, die ambitionierten Ziele des Klubs in der Bundesliga und der Champions League zu erreichen. Die bisherigen Erstligaspiele in Hamburg und Hannover (jeweils 1:2) verliefen jedoch wenig verheißungsvoll.
Nicht ganz so spektakulär bewegte sich die TSG 1899 Hoffenheim auf dem Transfermarkt. Die Kraichgauer gaben noch einmal 5, 2 Millionen Euro für den Isländer Gylfi Sigurdsson vom englischen Zweitligisten FC Reading aus. Der 20 Jahre alte offensive Mittelfeldspieler, der im Mai sein Debüt in der isländischen Nationalmannschaft feierte, hat einen Vierjahresvertrag unterschrieben.
Raus aus der Bundesliga ist Zvjezdan Misimovic. Der 28-Jährige wechselt vom VfL Wolfsburg zu Galatasaray Istanbul. Die geschätzte Ablösesumme liegt bei rund acht Millionen Euro. Der Mittelfeldspieler, der auch von Schalke umworben war, soll einen Vierjahresvertrag erhalten. dpa/sid/eb
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01.09.2010
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VfB-Sportdirektor Bobic (rechts) hat mit dem Italiener Mauro Camoranesi viel Routine eingekauft. Foto: dpa
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