VfB Stuttgart: Mit dem Trainer geht die Zuversicht

Paukenschlag beim Fußball-Zweitligisten VfB Stuttgart: Trainer Jos Luhukay ist nach nur vier Spieltagen wegen interner Querelen zurückgetreten. <i>Mit Kommentar von Armin Grasmuck: Krachender Intrigantenstadl.</i>

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 Genervt, frustriert, am Ende: Nach nur wenigen Monaten ist Jos Luhukay gestern morgen überraschend als Trainer des Fußball-Zweitligisten VfB Stuttgart zurückgetreten. Der Niederländer hatte zuvor in der Liga zwei Partien verloren (und zwei gewonnen), die dritte persönliche Pleite ist die im Duell mit Sportvorstand Jan Schindelmeiser.  Auslöser war ein Streit über drei Neuzugänge Benjamin Pavard, Carlos Mané und Takuma Asano, die Schindelmeiser gegen den erklärten Willen des Trainers kurz vor Ende der Wechselperiode verpflichtet hatte.

Im öffentlichen Streit darüber positionierte sich der Aufsichtsrat sehr deutlich.  Der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Wilfried Poth rüffelte Luhukay und machte damit deutlich, wer das schwache Glied in der Kette ist.

  Luhukay, für konsequentes Handeln bekannt, warf das Handtuch. „Mir fällt dieser Schritt nicht leicht, weil ich in den ersten Wochen meiner Tätigkeit für den VfB Stuttgart bei Fans, Mannschaft und Verantwortlichen das Vertrauen gespürt habe“, sagte der Coach in einer von seinem Anwalt verbreiteten Stellungnahme, in der es zudem hieß, dass der 53-Jährige „keinerlei Abfindung verlangen werde“. Sein Vertrag wäre noch bis Juni 2019 gelaufen. Co-Trainer Remy Reijnierse wurde daraufhin von seinen Aufgaben entbunden.

Der VfB geht mit einer Interimslösung auf der Trainerbank in die Zweitliga-Partie gegen den 1. FC Kaiserslautern am kommenden Samstag. Olaf Janßen und die beiden Ex-Profis Andreas Hinkel und Heiko Gerber sollen die Mannschaft betreuen und aufrichten. „Die Jungs werden die Mannschaft ab sofort bis auf weiteres betreuen. Ich kann betonen, dass es eine reine Interimslösung sein wird“, sagte Jan Schindelmeiser.

Offen zu Tage getreten war der Konflikt zwischen Luhukay und Schindelmeiser nach der 1:2-Heimniederlage gegen den FC Heidenheim am vergangenen Freitag. Beide machten deutlich, dass sie unterschiedliche Auffassungen über die getätigten Spielertransfers und den Kader  haben,  mit dem der VfB eigentlich den sofortigen Wiederaufstieg anstreben wollte.  Zudem kritisierte der Trainer, dass er im Kader Spieler aus 15 verschiedenen Ländern habe.

Kommentar von Armin Grasmuck: Krachender Intrigantenstadl

Das Projekt Wiederaufstieg gerät ins Wanken. Zwar liegen die Fußballer des VfB Stuttgart in der Tabelle der zweiten Liga nur einen Zähler hinter den Spitzenplätzen. Doch von den Grundelementen, die auch im professionellen Sport den Erfolg möglich machen, ist in dem chronisch stressgeplagten Traditionsklub nur wenig zu spüren. Ruhe, Zusammenhalt, die einfache Arbeit, aufrichtig und mit der notwendigen Leidenschaft. Es mangelt an allem und in allen Bereichen.

Dieses blamable 1:2 gegen die munteren Heidenheimer bewies, dass der VfB, sportlich betrachtet, noch kein Kandidat für die Aufstiegsplätze ist. Was sich in den Tagen danach abspielte, wirkte einmal mehr wie ein krachender Intrigantenstadl. Jos Luhukay, der im Sommer verpflichtete Trainer, klagte öffentlich über seine Spieler, er attackierte den Vorgesetzten und bekam dafür eine Backpfeife aus dem Aufsichtsrat. Das abrupte Ende hat er damit selbst eingeleitet.

Luhukays Zeit war vorüber, bevor sie richtig begonnen hatte. Die honorigen Herren aus dem Aufsichtsrat müssen sich die Frage gefallen lassen, ob es klug war, nach dem Abstieg aus der Bundesliga und als Zeichen des Neubeginns praktisch über Nacht den Trainer und erst danach den Sportvorstand Jan Schindelmeiser zu verpflichten. Die Fußballchefs hatten keine gemeinsame Basis. Schindelmeiser steht nun in der Pflicht, schleunigst den Mann seines Vertrauens zu präsentieren, der den VfB zurück in die Erfolgsspur führen kann.

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