VfB Stuttgart bei 1899 Hoffenheim: Angst vorm Scheitern lähmt beide Teams

1899 Hoffenheim gegen den VfB: Beide Klubs stehen im Baden-Württemberg-Derby der Fußball-Bundesliga durch die aktuellen Misserfolge unter Strom. Es ist das Duell der zwei schlechtesten Abwehrreihen.

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Trainer-Unmut der extrovertierten und der introvertierten Art: Marco Kurz (1899 Hoffenheim) und Bruno Labbadia (VfB Stuttgart). Fotos: Eibner, dpa

0:3 gegen Hoffenheim. Nach dieser peinlichen Heimpleite in der Hinrunde stand der VfB schon einmal am Tiefpunkt. Dann riss sich die Mannschaft, die den schon notorisch schwachen Saisonstart hingelegt hatte, am Riemen. Nach und nach ging es aufwärts.

Jetzt liegen die Stuttgarter wieder böse am Boden - noch vor dem Derby bei 1899 Hoffenheim morgen (17.30 Uhr), das zum Krisengipfel wird. Der Nackenschlag gegen den KRC Genk am Donnerstagabend in der Europa League mit dem in der Nachspielzeit kassierten 1:1-Ausgleich passt für Sportdirektor Fredi Bobic "genau ins Bild". Und Trainer Bruno Labbadia bemerkte zum x-ten Abwehrfehler, durch den das Kontertor möglich wurde fast sarkastisch: "Ich kann nur sagen: Und täglich grüßt das Murmeltier."

Würde es nur endlich das Ende der sportlichen Eiszeit vermelden. Verliert der VfB in Hoffenheim zum sechsten Mal nacheinander in der Bundesliga, schmilzt nur eines: der Abstand zum Relegationsplatz. Und zwar auf bedrohliche sechs Zähler.

Beide Teams gehen mit großen Dellen ins Derby. Eindeutig ein Spiel gegen den Abstieg ist es für die Hoffenheimer auf Rang 16. Die Mannschaft des zum 1. Januar neu verpflichteten Marco Kurz hatte vor zwei Wochen mit 2:1 immerhin gegen den badischen Rivalen SC Freiburg überrascht und den bisher einzigen Sieg der Rückrunde geholt.

Das folgende 0:1 in Hannover und neue Aufregung um den kaltgestellten Torhüter Tim Wiese, der mit seinem Profikollegen Tobias Weis bei einer Faschingsparty unangenehm auffiel, sorgte allerdings zuletzt wieder fürs gewohnte Bild.

Von einer Trendwende scheinen beide, Hoffenheim und der VfB, weit entfernt. Nerven liegen blank, immer mehr lähmt die Angst vor dem Abrutschen. Morgen treffen die schwächsten Abwehrreihen der Bundesliga aufeinander. Die Kraichgauer haben bereits 45 Gegentreffer kassiert (und inzwischen den im Schlussverkauf geholten Brasilianer Heurehlo Gomes im Kasten), die Stuttgarter Defensive bringt es auf 39. Nur Hannover 96 hat ebenso viele Tore kassiert, dafür 16 mehr geschossen als der VfB (23).

Hier liegt für Chefcoach Bruno Labbadia, der übrigens gestern wegen einer schweren fiebrigen Erkältung seinem "Co" Eddy Sözer die Trainingsarbeit überlassen musste, die zweite Baustelle. Wenn er seine Angreifer scheitern sieht wie gegen Genk, ist das für einen Ex-Stürmer wohl das Schlimmste. Martin Harnik wechselte er nach 57 Minuten aus. Mittelstürmer Vedad Ibisevic, in der Hinrunde mit zehn Treffern einer der Besten der Liga, ist ebenfalls von der Rolle. Allein scheiterte er spektakulär vor Genks Torwart Köteles. In guten Zeiten hätte er eine solche Chance eiskalt verwandelt. VfB-Hoffnung: Vielleicht geht dem bei dem 28-Jährigen morgen gegen den Ex-Klub der Knoten auf. Nach seinem Wechsel zur Rückrunde 2012 hatte Ibisevic in der Sinsheimer Rhein-Neckar-Arena mit einem Tor-Doppelpack den Stuttgarter Sieg herausgeschossen.

"Irgendwie müssen wir uns jetzt einen Sieg zusammenschrauben", sagt Fredi Bobic. Vergleichen mit dem 1:4 gegen Bremen habe die Mannschaft in der Europa League "einen Fortschritt" erkennen lassen: "Wir sind in Führung gegangen." Christian Gentners Treffer (41. Minute) hatte tatsächlich Hoffnung gemacht auf einen Sieg, doch der eingewechselte Glynor Plet (90.+1) verschaffte den Gästen aus Belgien eine feine Ausgangsposition fürs Rückspiel. Genk-Trainer Mario Been, ein Niederländer, gab dem Kollegen Labbadia vor dem baldigen Wiedersehen schon mal einen Ratschlag mit auf den Weg: "Es ist sicher besser, wenn Stuttgart jetzt alles auf die Meisterschaft konzentriert und zu uns mit der zweiten Mannschaft kommt. . ."

Wäre da nicht das ernste Problem, dass sich auch die erste Mannschaft nicht mit Ruhm bekleckert. Geht es morgen schief und auch am kommenden Donnerstag (19 Uhr/Sky) in Genk, dann könnte das folgende Heimspiel gegen den 1. FC Nürnberg zur Schlüsselpartie für Bruno Labbadia werden.

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