Turniersieger Nigeria passt sich mäßigem Niveau beim Afrika Cup an

Das zähe Finale, dieser unspektakuläre 1:0-Sieg von Nigeria gegen Burkina Faso, bot ein Spiegelbild des Afrika Cups. Die fußballerische Entwicklung ist rückläufig, der Abstand zu Europa hat sich vergrößert.

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Stephen Keshi: Jetzt auch als Trainer afrikanischer Meister. Foto: Imago

Die "Super Eagles" aus Nigeria sind nach 19 Jahren wieder Afrika-Meister geworden. Verglichen mit der brillanten Mannschaft Mitte der Neunziger mit Jay-Jay Okocha, Sunday Oliseh, Finidi George, Emmanuel Amunike, Nwankwo Kanu müsste man jedoch das "Super" vor den "Adlern" der aktuellen Generation streichen.

Das wenig aufregende Endspiel (1:0 über Burkina Faso) steht nicht nur für die Diskrepanz zwischen den beiden Generationen. Der Abstand zu Europa hat sich vergrößert, obwohl fast alle afrikanischen Nationalspieler abseits des Schwarzen Kontinents Profis kicken.

Am Anfang der Okocha-Epoche war Nigerias Nationaltrainer Stephen Keshi (51) mit fast 100 Länderspielen Kapitän und Innenverteidiger. "Die damalige Mannschaft hat sich in fünf Jahren entwickelt", sagt er, "die aktuelle hatte nur fünf Wochen, um zusammenzufinden."

Als der bullige Coach drei Minuten vor Schluss den Torschützen Sunday Mba (24) gegen den auf die Bank versetzten Kapitän Joseph Yobo (33) auswechselte, demonstrierte Keshi seinen im Vorfeld kritisierten Generationswechsel. Mba ist einer von sechs Spielern, die noch in Nigeria auftreten, bei den Enugu Rangers. Sein Tor war das einzige kunstvolle Glanzstück des Endspiels. "Der Titel und die Tore sind der Höhepunkt meiner Karriere", strahlte Mba. Er wird bald nicht mehr in Nigeria zu bestaunen sein.

Keshi wollte mit einem Fünf-Jahres-Plan die "Super Adler" für weitere Höhenflüge dressieren, trat aber nach dem Finale, erbost über Funktionäre des Verbandes, zurück. Die unvergessene Neunziger-Epoche des mit 160 Millionen Einwohnern bevölkerungsreichsten afrikanischen Landes aber dürfte einmalig bleiben. Afrikameister 1994 und Olympiasieger 1996, WM-Teilnehmer 1994, 1998 (jeweils Achtelfinale) und 2002. Zur Titelverteidigung 1996 in Südafrika durfte das Team auf Befehl des brutalen Diktators Sani Abacha nicht antreten. Wegen der kurzfristigen Absage suspendierte der kontinentale Verband Nigeria für den Africa Cup 1998.

Im WM-Achtelfinale 1994 in Boston sah Nigeria wie der sichere Sieger gegen Italien aus, ehe Roberto Baggio in der 89. Minute den Ausgleich zum 1:1 und in der Verlängerung das Siegtor gelang. Nigerias Höhenflug folgte mit dem internationalen Rücktritt der Stars aus europäischen Topklubs der Absturz. Auch Ex-Bundestrainer Berti Vogts versuchte vergeblich, die "Super Adler" wieder zu Überfliegern zu machen.

Etwas vom "unglaublichen Esprit, der starken Mentalität und dem festen Charakter" der Neunziger-Mannschaft versucht Keshi dem neuen Afrikameister zu vermitteln. "Aber die Mannschaft braucht Zeit, um zu reifen." Jetzt kann sie sich erst einmal erholen. Etwa bei einer Woche Gratis-Sex. Diese ungewöhnliche Prämie hatte die Vereinigung der nigerianischen Prostituierten ausgelobt.

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