Sportler des Jahres: Obergföll als Königin der Herzen

Eine emotionale Christina Obergföll, ein streitbarer Robert Harting, ein ungewohnt bescheidener FC Bayern: Die "Sportler des Jahres" reagierten ganz unterschiedlich. Erstmals war ein IOC-Chef dabei.

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Hin und weg: Christina Obergföll haucht Küsse ins Publikum. Bastian Schweinsteiger (mittleres Bild, links) und Holger Badstuber freuen sich über den Zuschlag für die Bayern. Robert Harting triumphierte über den Favoriten Sebastian Vettel. Sabine Lisicki mit einer Reminiszenz an Wimbledon: einer Erdbeere. Unten Thomas Bach und seine Frau.  Foto: 

Ihr Stern überstrahlte den festlichen Abend im Benazetsaal des Kurhauses in Baden-Baden: Für Christina Obergföll war die Auszeichnung als "Sportlerin des Jahres" die Krönung eines glücklichen Jahres. "Mein Herz schlägt mir bis zum Hals. Das ist mehr als das Sahnehäubchen, das ist ein Kaviarhäubchen. Welch eine Wertschätzung!", jubilierte die Speerwerferin, als sie in ihrem am Rücken raffiniert geschnittenen Abendkleid auf die Bühne hüpfte.

Die 1200 Sportjournalisten hatten bei ihrer Abstimmung Obergfölls WM-Titel nach achtjährigen vergeblichen Anläufen mit Platz eins belohnt - mit klarem Vorsprung auf Wimbledon-Finalistin Sabine Lisicki. Ihr Trainer Boris Henry, den sie am 13. September geheiratet hat, hört nun ebenfalls auf den Namen Obergföll. "Wenn Du zum ersten Mal Gold holst, nehme ich Deinen Namen an", hatte er angekündigt. Nach rund 100 Tagen Ehe schwärmt er von seiner Angetrauten: "Ich habe noch keinen Fehler bei ihr gefunden, sie ist die perfekte Frau."

In der emotionalen Rangfolge war Christina Obergföll die Nummer eins, sportpolitisch konnte das niemand anderes sein als Thomas Bach. Erstmals in der 67-jährigen Geschichte der Sportlerwahl war ein IOC-Präsident Gast in Baden-Baden. Die Offenburgerin hatte es auch dem welthöchsten Sportfunktionär angetan. "Es hat mich besonders gefreut, dass sie das nach all den Jahren geschafft hat. Sie hat auf der Bühne so viel Freude ausgestrahlt, das war der emotionalste Augenblick für mich", versicherte der IOC-Grande. Obergföll - an diesem Abend die Königin der Herzen.

Der wichtigste Gast in Baden-Baden hatte Klaus Dobbratz, dem Chef der veranstaltenden Internationalen Sportkorrespondenz (ISK), sehr früh zugesagt. Ein besonderes Protokoll? "Nein", sagt Dobbratz, "er hat gesagt, dass es protokollarisch so laufen sollte wie immer, auch ohne besondere Security."

Auf formale Dinge legt auch Robert Harting keinen Wert. Der Diskus-Star, der schon zum zweiten Mal hintereinander zum "Sportler des Jahres" gekürt wurde - diesmal überraschend vor dem mit knappen 132 Stimmen geschlagenen Sebastian Vettel - lässt sich nicht verbiegen. "Ich bin fest davon ausgegangen, dass Sebastian das macht", sagte der 29-Jährige perplex. Per Videobotschaft gratulierte Vettel, der demnächst zum ersten Mal Vater wird, süßsauer: "Glückwunsch, ich habe alles gegeben, aber es hat nur zu Platz zwei gereicht. Vielleicht muss ich auch anfangen, meinen Rennanzug auseinanderzureißen."

Immerhin darf sich Harting darin bestätigt sehen, Missstände kritisch zu benennen. Auch in Baden-Baden zeigte der Hüne, der sich zunächst einen dicken Kuss von seiner Freundin, der Diskuswerferin Julia Fischer, abgeholt hatte, Eigenwilligkeit. "Ich versuche auch 2014, Deutschland sportlicherseits zu reformieren", sagte er augenzwinkernd. Und ernsthaft: "Wenn in einigen Jahren Kinder keine Bälle fangen und keine Rolle mehr machen können und nichts passiert, muss man eben auf den Tisch hauen."

Ganz anders als beim knappen Männer-Votum endete die Wahl der "Mannschaft des Jahres": mit einem Riesenvorsprung für den FC Bayern vor den Frauen-Fußballteams der Nationalmannschaft sowie Triple-Sieger VfL Wolfsburg. Für die Übermacht der Balltreter-Gilde entschuldigte sich DFB-Boss Wolfgang Niersbach geradezu. "Ich habe Respekt vor anderen Sportarten wie den beiden Hockey- und Tischtennis-Teams, die es ein Stück schwerer als wir haben, in der Spitze wahrgenommen zu werden." Eine Bescheidenheit, die im Kurhaus gut ankam.

Ähnlich moderat im Wort trat auch die nur dreiköpfige Delegation des FC Bayern auf, die erst wenige Minuten vor der Proklamation mit dem Privatflieger eingeschwebt war und sofort nach Ende Richtung Agadir abdüste, um ihrem Team zur Klub-WM in Marokko zu folgen. "Wir haben gesehen, was großartige Mannschaften in Deutschland geleistet haben. Deswegen hätten es auch andere verdient", erklärte Bastian Schweinsteiger, der von Karl-Heinz Rummenigge und Holger Badstuber assistiert wurde. Der Respekt vor anderen Disziplinen steht Fußballern gut zu Gesicht.

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