Sechs Tore gegen den Frust

Durchschlagender Erfolg im ersten Punktspiel für VfB-Trainer Thomas Schneider: Mit dem auch in dieser Höhe verdienten 6:2 (3:1) gegen Hoffenheim haben die Stuttgarter eindrucksvoll den Bann gebrochen.

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"So was hat man lange nicht gesehen!" Selige Fans, glückliche Spieler und ein Trainer, der "rundum zufrieden" war. Sie alle erlebten ein für viele wohl unvergessliches erstes Bundesligaspiel nach Bruno Labbadias Entlassung und den ersten Saisonsieg der bisher noch punktlosen Stuttgarter. Aber mal ehrlich, mit einem 6:2 (3:1) gegen 1899 Hoffenheim hätten selbst größte Optimisten nicht gerechnet.

Die 42 450 Zuschauer erlebten dabei "La ola" der Begeisterung, gelungene Frustbewältigung und die Geburtsstunde einer neuen Offensive. Vedad Ibisevic schoss drei Tore, Alexandru Maxim zwei. "Dass die Mannschaft so eine Reaktion zeigt nach dem Aus in der Europa League, war in der Art nicht zu erwarten", gab der neue Chefcoach Thomas Schneider offen zu. "Das Team hat gut gegen den Ball gearbeitet, gut nach vorn gespielt. Das gibt viel Selbstvertrauen. Nicht auszudenken, wenn wir verloren hätten."

Es war ein Spiel der kleinen und großen Premieren. Der erst 17-jährige Timo Werner wirbelte beim ersten Bundesliga-Einsatz von Beginn auf dem linken Flügel. Schneiders zweiter Coup: Maxim spielte so weit vorne wie noch nie, während der für 3,5 Millionen Euro aus Hannover geholte Stürmer Mohammed Abdellaoue auf der Bank saß. Vom Start weg trat in der Stuttgarter Arena ein kämpferischer VfB um den neuen Kapitän Christian Gentner auf, der (wieder eine Premiere) zum ersten Mal in dieser Saison in Führung ging. Moritz Leitner, der den Vorzug gegenüber Martin Harnik erhielt, führte einen Freistoß vor dem linken Strafraumeck schnell und steil aus. Maxim flankte scharf, Antonio Rüdiger verwandelte direkt. Das 1:0 (12.) war sein erstes Bundesligator.

Die VfB-Fans hatten ihre Freude kaum hinausgeschrien, da setzten die Profis auf dem Rasen noch eins drauf. Maxim, diesmal per Eckball, war erneut der Vorbereiter, der Ex-Hoffenheimer Vedad Ibisevic (siehe auch Info-Box) traf wuchtig aus sechs Metern per Kopf (19.). Von Kevin Vollands Anschlusstreffer zum 1:2 (26.), unhaltbar abgefälscht durch Innenverteidiger Rüdiger, ließen sich die Stuttgarter nicht weiter beeindrucken. Maxim sorgte fürs 3:1 (28.). Das war 1899-Keeper Koen Casteels mit zu verdanken. Der 21 Jahre alte Belgier wollte den langen Ball aus dem Mittelfeld klären - und schlug daneben. Maxim nahm das Geschenk gerne mit.

Vergessen die erste Derby-Heimniederlage überhaupt gegen die damals noch von Markus Babbel trainierten Hoffenheimer beim 0:3 im September 2012, als die Stuttgarter den sportlichen Tiefpunkt der vergangenen Saison durchlitten. Vergessen auch die turbulente vergangene Woche mit Trainerwechsel, Europa-League-Aus und dem überraschenden Abschied von VfB-Kapitän Serdar Tasci. Der war gestern vor dem Spiel in Richtung Spartak Moskau verabschiedet worden, wo er für vier Jahre unterschrieben hat.

Die Hoffenheimer mit dem bisher stärksten Sturm der Liga kamen nicht zur Entfaltung. "Wir hatten uns viel vorgenommen, waren aber gleich am Anfang beider Halbzeiten zu lasch und wurden bestraft", beklagte Kapitän Andreas Beck, der ehemalige VfB-Angestellte. Seine Elf hatte den Gegner wohl schlicht unterschätzt. Und: Das vermeintliche 2:3 wurde zu Recht nicht anerkannt, weil Schütze Tarik Elyounoussi vorher ein Foul beging (45.).

Der neue Mittelstürmer Anthony Modeste war nur Mitläufer, Trainer Markus Gisdol wechselte den Franzosen nach knapp einer Stunde aus. Da stands bereits 5:1 für den VfB. Ibisevic (47.), nicht zu halten von David Abraham, und Maxim (55.) mit Schlenzer in den rechten Winkel trafen. Timo Werners Klasse-Flanke von links köpfte Ibisevic dann zum 6:1 (63.) ein und machte den Tor-Dreierpack perfekt. Es gab noch die eine oder andere gute Chance. Getroffen hat nach Abwehrpatzer nur noch Roberto Firmino (87.) per Kullerball zum 2:6 für 1899.

Thomas Schneider hätte wahrscheinlich am liebsten gleich morgen die nächste große Aufgabe. Weiter geht es nach der Länderspielpause aber erst Mitte September bei Hertha BSC. Genauer: am Freitag, den 13. Aber das muss nach dem 6:2 nun wirklich nichts heißen.

Dreierpack und blaues Auge

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