Plattform für Platini?

Ein Neuanfang sieht anders aus: Vor der Wahl des Uefa-Präsidenten soll der suspendierte Vorgänger Michel Platini im großen Rahmen gefeiert werden.

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Ein skurriles Schauspiel ist zu erwarten. Bevor der Slowene Aleksander Ceferin nach seinem überaus erstaunlichen Aufstieg im Weltfußball am Mittwoch voraussichtlich zum neuen Präsidenten der Uefa gekürt wird und dann sicher den Aufbruch zu neuen Ufern verkündet, steht in dem Luxushotel Grand Resort Lagonissi trotz der Kritik aus Deutschland die Verabschiedung des eigentlich verbannten, ehemaligen Chefs des Verbands, Michel Platini, an – und wahrscheinlich wird er gefeiert. Ein wirklicher Neuanfang sieht anders aus.

DFB-Präsident Reinhard Grindel kritisierte, dass der Franzose wohl besser auf seinen Auftritt verzichtet hätte. Schließlich solle der Kongress der Europäischen Fußball-Union in Athen „geprägt sein vom Programm des neuen Präsidenten und nicht von den Fehlern seines Vorgängers“, sagte der Chef des Deutschen Fußball-Bundes.

Von Ceferin, der als haushoher Favorit gegen den Niederländer Michel van Praag antritt, erhofft sich der deutsche Verband extrem viel. „Eine Lösung, die Kontinuität an der Spitze der Uefa verspricht“, sagte Grindel: „Es ist wichtig, dass wir in den kommenden Jahren keine erneute Personaldiskussion führen müssen. Zudem glauben wir, dass neue Impulse von außen dem Exekutivkomitee gut tun.“ Noch vor ein paar Wochen hatte kaum jemand im komplizierten Machtgefüge des europäischen Fußballs den Slowenen auf der Rechnung. Als Präsident seines Heimatverbandes rangierte er höchstens unter „ferner liefen“. Doch der Jurist nutzte das Machtvakuum nach dem Platini-Skandal perfekt. Er scheint einflussreiche Freunde zu haben.

In den Medien wurde über maßgebliche Unterstützung aus Russland berichtet. Ceferin soll die WM 2018 deutlich weniger kritisch sehen als viele andere. Auch Gianni Infantino, Präsident des Weltverbands Fifa, rührte offenbar die Werbetrommel. „Es ist kein Geheimnis, dass Gianni Infantino die Kandidatur von Aleksander Ceferin freundlich begleitet“, sagte Grindel, der von russischem Einfluss aber nichts wusste.

Beobachter sprechen sogar schon von 40 sicheren Stimmen aus den 55 Uefa-Verbänden, was locker reichen würde. Viele der Funktionäre scheinen vor allem aber gegen van Praag zu sein, der seine Lobby im Weltfußball offenbar verloren hat. Die Versuche des Niederländers, der schon einmal Fifa-Präsident werden wollte, den Wahlkampf bei Twitter aufzuheizen (Ceferin sei ein „machthungriger Politiker“) gingen nach hinten los. Ceferin gilt bereits vor seiner Wahl als Schlüsselfigur im Hinblick auf die Vergabe der Europameisterschaft 2024. Deutschland und ein Verbund der nordeuropäischen Staaten, bestehend aus Schweden, Norwegen, Finnland und Dänemark, sind derzeit die aussichtsreichsten Bewerber.

„Natürlich habe ich beiden Kandidaten aufgezeigt, warum wir eine starke Bewerbung für die EM 2024 anbieten können. Und ich habe zum Ausdruck gebracht, dass wir es begrüßen würden, wenn unsere Bewerbung unterstützt wird“, sagte Grindel: „Wir waren uns auch im Präsidium vollkommen einig, dass unsere Unterstützung eines Kandidaten unabhängig von der Vergabe der EM zu sehen ist.“

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