Leichter Vorteil FC Bayern

Ottmar Hitzfeld hat mit Borussia Dortmund und dem FC Bayern die Champions League gewonnen. Vor dem großen Finale gibt sich der Schweizer Nationalcoach weitgehend neutral - mit Vorteil für München.

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Ottmar Hitzfeld zweimal als Champions-League-Triumphator: Links mit dem FC Bayern 2001, rechts mit Borussia Dortmund 1997. Fotos: Imago

FC Bayern oder Borussia Dortmund - die ganze Fußball-Welt fragt sich, wer am Samstag das Champions-League-Finale gewinnen wird. Wenns einer wissen müsste, dann Ottmar Hitzfeld. Er hat mit beiden Vereinen in der Königsklasse triumphiert. 1997 holte er als BVB-Trainer in München (!) den Henkelpott mit einem 3:1 im Endspiel gegen Juventus Turin. Vier Jahre später wiederholte er mit dem FC Bayern diesen Erfolg. 5:4 (1:1) nach Elfmeterschießen gegen den FC Valencia.

"Ich hatte bei Dortmund sieben tolle und bei den Bayern siebeneinhalb tolle Jahre. Das waren beides wunderbare Lebensabschnitte", sagt der vielfache Meistertrainer. Und kommt zu dem Fazit: "Ich bin neutral" - so wie sich das für einen Schweizer Nationaltrainer, der er derzeit ist, gehört.

Alles andere als sachlich-neutral, sondern in der Regel hochemotional verlaufen die Endspiele in der Champions League. So auch 1997. 2:1 führten die Borussen, als sich Hitzfeld in der 71. Minute entschloss, einen damals 20-jährigen Jungen einzuwechseln. Die Entscheidung wurde zum Volltreffer. Gerade mal zehn Sekunden war Lars Ricken auf dem Feld, als ihm Andreas Möller den Ball zuspielte und Ricken aus 25 Metern mit einer Bogenlampe den Juve-Torhüter überwand. 20 Minuten später warfen Jürgen Kohler, der zweifache Torschütze Karl-Heinz Riedle, Stefan Reuter und Ricken ihren Trainer in den Münchner Nachthimmel. "Das sind Glücksgefühle, die man im normalen Leben nicht erreichen kann", schwelgt Hitzfeld in Erinnerungen.

Ganz ähnliche Szenen spielten sich vier Jahre später in Mailand ab. Diesmal hießen die Hauptdarsteller Stefan Effenberg, Mehmet Scholl und vor allem Oliver Kahn. Der Bayern-Torhüter hielt, nachdem es nach 90 und 120 Minuten jeweils 1:1 gestanden hatte, im Elfmeterschießen gleich drei Schüsse - und trug fortan den Ehrentitel "Titan".

Für ganz München war dieser vierte Triumph in der Champions League und seinem Vorläufer, dem Europapokal der Landesmeister, geradezu eine Befreiung. Denn zwei Jahre zuvor, am 26. Mai 1999 in Barcelona, hatte der deutsche Rekordmeister ein wahres Trauma erlitten. In der Nachspielzeit kassierten die sich längst als sichere Sieger fühlenden Münchner zwei Treffer von Manchester United. Das 1:2 war die "Mutter aller Niederlagen" - wieder mit Ottmar Hitzfeld am Rande der Bande. "Das war einer der bittersten Tage in meinem Leben", so Hitzfeld.

An den ersten drei Bayern-Triumphen im Europapokal von 1974 bis 1976 gegen Atletico Madrid, Leeds United und AS St. Etienne war Hitzfeld nicht beteiligt. Die Hauptrollen in dieser legendären Bayern-Phase spielten andere: Franz Beckenbauer und sein "Wasserträger" Katsche Schwarzenbeck, Uli Hoeneß und Gerd Müller, Paul Breitner und "Bulle" Roth.

1975 war der damals 26 Jahre alte Stürmer vom FC Basel zum VfB Stuttgart gewechselt, für den er drei Spielzeiten am Ball war, ehe er wieder in die Schweiz zurückkehrte. Seine Spielerkarriere war längst nicht so glanzvoll wie seine Laufbahn als Trainer.

Am Samstag wird Hitzfeld nicht in Wembley sein. "Ich bin lieber etwas weiter weg", gesteht der gebürtige Lörracher, der nicht gefilmt werden will, wenn er eine Emotion für die eine oder andere Mannschaft zeigt.

Bei aller Neutralität sieht Ottmar Hitzfeld die Waagschale letztlich doch leicht auf einer Seite geneigt. "Bayern ist Favorit, 60:40, aufgrund dieser Bundesliga-Saison", sagte er dem Kicker. Andererseits sei der Druck auf die Münchner viel größer als auf Borussia, ließ er sich von "Bild" zitieren.

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