Lahm und Co.: Warten auf den internationalen Titel

Nationale Titel haben Bayern- und Dortmunder Spieler schon einige gewonnen. Die Sehnsucht nach einem internationalen Triumph ist groß. Was manchen wie Bastian Schweinsteiger dünnhäutig werden lässt.

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Hat bislang noch nie im Wembley-Stadion gespielt und noch keinen großen internationalen Titel gewonnen: Bastian Schweinsteiger. Foto: Imago

Was für Erfahrungen er im Londoner Wembley-Stadion denn gemacht habe, wurde Bastian Schweinsteiger vor dem Champions-League-Finale morgen zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern gefragt. Der ansonsten nicht auf den Mund gefallene Mittelfeld-Stratege der Münchner hielt kurz inne und gab kleinlaut zu: "Ich habe dort noch nie gespielt. Ich weiß nur, dass Wembley eines der schönsten Fußball-Stadien ist."

Sein Kollege Philipp Lahm nutzte die Chance. "Ich war schon einmal dort, mit der Nationalmannschaft", meldete er sich eifrig zu Wort. " Wir haben gewonnen. Also ist Wembley für mich ein super Stadion." Am 22. August 2007 wurde Lahm als zentral-defensiver Mittelfeldspieler getestet - der Position, die sonst Kollege Schweinsteiger innehat. Der hatte wegen Rückenbeschwerden abgesagt. Doch auch ohne ihn gewann das Team von Trainer Joachim Löw mit 2:1.

Nun sind Schweinsteiger (28 Jahre) und Lahm (29) keine heurigen Hasen mehr, sondern stehen im Herbst ihrer Fußball-Karriere. Elfmal wurde Schweinsteiger deutscher Meister und Pokalsieger, siebenmal holte sich Lahm diese nationalen Titel. Doch auf einen großen internationalen Pokal warten beide noch.

Das gilt auch für - fast - alle Bayern-Teamkollegen. Thomas Müller war bei der WM 2010 in Südafrika zwar Torschützenkönig, stand aber am Ende ohne Pokal da. Franck Ribéry ist dreifacher deutscher Meister und wurde 2005 mit Galatasaray Istanbul türkischer Pokalsieger. Arjen Robben war schon in vier Ländern (zweimal in Deutschland, zweimal in England, Spanien und den Niederlanden) nationaler Meister. Einzig Javi Martínez hat internationale Meriten. Er ist Welt- und Europameister - auch wenn er im WM-Finale 2010 und im EM-Endspiel 2012 nicht zum Einsatz kam.

Nicht viel anders liest sich die Erfolgsgeschichte bei Borussia Dortmund. Die meisten Spieler führen die beiden deutschen Meisterschaften 2011 und 2012 und den furiosen DFB-Pokal-Finalsieg im vergangenen Jahr gegen den FC Bayern (5:2) in ihrer Vita auf. Die nationale Titelsammlung ist beeindruckend, die internationale ausbaufähig.

Insbesondere die Nationalspieler des FC Bayern haben in den letzten Jahren kurz vor einem großen Ziel bittere Erfahrungen gemacht: zwei Halbfinal-Niederlagen mit der Nationalelf, zwei verlorene Champions-League-Endspiele mit dem Verein - das zehrt an den Nerven. "Wenn du dreimal verlierst, hast du den Loser-Stempel drauf", sagt Müller. Genervt und dünnhäutig reagiert auch Schweinsteiger auf die ständigen Nachfragen und den Vergleich mit dem früheren Nationalmannschafts-Kapitän Michael Ballack, der seine Karriere als "Unvollendeter" beendet hat. "Wenn ich keinen internationalen Titel hole, sterbe ich auch nicht früher", sagt Schweinsteiger.

Auch die Dortmunder werden immer sensibler, je näher es auf das Finale zugeht. Anders als ursprünglich geplant fanden und finden die letzten Trainingseinheiten unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Der Medienrummel um Mario Götze und seine Verletzung hatte alle Dimensionen gesprengt. Nach seiner Absage ist das große Finale um eine Attraktion ärmer: Mit Argusaugen hätten die 86 000 Zuschauer im Wembley Stadion und die vielen Millionen Fans an den Bildschirmen beobachtet, wie sich der 20-Jährige gegen sein künftiges Team präsentiert hätte. Eine ähnliche Konstellation hatte es 1984 beim Wechsel von Lothar Matthäus von Borussia Mönchengladbach zum FC Bayern gegeben. In seinem letzten Spiel für den alten Club war Matthäus im Elfmeterschießen des DFB-Pokalfinales gescheitert - und Gladbach hatte verloren.

Nun fährt Götze lediglich als Daumendrücker für die Borussia nach London. In der zentralen Mittelfeld-Position wird er vermutlich durch Marco Reus ersetzt. Sicher ist mittlerweile der Einsatz von Abwehrchef Mats Hummels. BVB-Rechtsverteidiger Lukasz Piszczek muss sich nach dem Finale an der Hüfte operieren lassen und wird fünf Monate ausfallen.

Bei aller Freude über das erste rein deutsche Europapokal-Endspiel: Noch ist der viel beschworene Machtwechsel im europäischen Fußball eher eine Momentaufnahme denn ein Faktum. In der Europa League haben sich deutsche Teams in dieser Saison nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Die Nationalteams und Vereine aus Spanien, Italien und England werden Schweinsteiger und Co. das Leben in den nächsten Jahren schwer genug machen.

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