Jetzt offiziell: Die Bayern dürfen vom Triple träumen

Nach dem Einzug in das Halbfinale der Champions League reden die Münchner ungehemmt von dem ultimativen Saisonziel, das die Triumphe in Bundesliga, DFB-Pokal und Europas Königsklasse umfasst. <i>Mit einem Kommentar von Armin Grasmuck: Minimalziel erreicht.</i>

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Alle auf Arturo Vidal: Zum kollektiven Jubel stürzten sich die Mannschaftskollegen nach dem Ausgleichstreffer zum 1:1 im Champions-League-Duell bei Benfica Lissabon (Endstand: 2:2) auf den erfolgreichen Torschützen der Bayern.  Foto: 

Spät in der Nacht, so ist aus der portugiesischen Metropole zu hören, hat Karl-Heinz Rummenigge ganz neue Töne angeschlagen. Der Vorsitzende des Bayern-Vorstands hob bei der auf Fernreisen traditionellen Bankettrede im Ballsaal des Mannschaftshotels das mit Rotwein gefüllte Glas und richtete sich an Uli Hoeneß. "Uli, wir erwarten, dass du mit deiner Frau Susi jetzt auch im Halbfinale dabei bist", sagte Rummenigge. "Und dann hoffen wir, dass die Reise eine Runde weiter geht - nach Mailand." Hoeneß hatte zum ersten Mal seit mehr als zwei Jahren ein Auswärtsspiel der Bayern im Europapokal begleitet. In der norditalienischen Metropole wird am 28. Mai das Endspiel der Königsklasse ausgetragen.

Mit dem 2:2 bei Benfica Lissabon im Rückspiel des Viertelfinales und dem daraus resultierenden Einzug in die Runde der letzten Vier - dies war bereits direkt nach dem Schlusspfiff zu spüren - haben die Bayern einen Meilenstein in dieser Saison erreicht. "Ich glaube, ohne Arroganz darf man ein bisschen träumen heute Abend", sagte Rummenigge. "Wir haben das große Ziel Mailand und sollten alle versuchen, dieses große Ziel nach 2001 auch 2016 zu erreichen."

Vor 15 Jahren triumphierten die Münchner auf dem Rasen des legendären Meazza-Stadions in dem Endspiel gegen Valencia. Im Frühjahr 2016 dürfen die Bayern sogar von dem Triple, den Erfolgen in Bundesliga, DFB-Pokal und der Champions League, träumen - selbst wenn sie zuletzt eher nüchtern punkteten und von den berauschenden Auftritten, mit denen sie die Anhänger im Herbst begeisterten, weit entfernt zu sein scheinen.

Die rationale Spielweise, mit der die Münchner in dieser entscheidenden Phase der Saison agieren, wirkt wie ein Lehrstück des Trainers Pep Guardiola. Der renommierte Fußballlehrer ist von seiner bevorzugten Art der ultimativen Dominanz leicht abgewichen. Selbstverständlich geht es ihm weiter darum, den Ball in den eigenen Reihen zu halten oder ihn über konsequentes Pressing schnell zurückzugewinnen. Doch in diesem Frühjahr geht Sicherheit vor. Das Pressing ist wohl bedacht, die Grundformation der Elf etwas defensiver ausgerichtet.

Guardiola hat ganz offensichtlich die Konsequenzen aus den ernüchternden Erlebnissen der vergangenen Jahre gezogen. Auf die langen Pässe des Gegners, mit denen seine damals stur auf Angriff gepolte Mannschaft in den Halbfinals von Real Madrid und Barcelona böse überrascht wurde, wartet jetzt zumeist die gut aufgestellte Abwehr der Bayern. In der Konsequenz bedeutet dies, dass selbst ein Großkaliber wie Robert Lewandowski, der erfolgreichste Torjäger dieser Spielzeit und einer der besten weltweit, auf der Ersatzbank schmoren muss, wenn es die Taktik des Trainers erfordert. In Lissabon zog Guardiola die Variante mit Xabi Alonso als Abräumer vor der Abwehr vor.

"Es tut mir leid für die anderen", sagte Guardiola kurz nach dem Ende des Spiels, "aber wir sind da." Die Gegner, die bei der Auslosung des Halbfinales am Freitag in Nyon im Topf liegen, sind allesamt große Namen im europäischen Klubfußball: Manchester City, Atlético und Real Madrid. Doch die Bayern demonstrieren ihr ausgeprägtes Selbstbewusstsein. "Wir gewinnen - und zwar in einer Kontinuität, wie das beim FC Bayern nicht immer der Fall war", sagte Rummenigge. "Wir sind in allen drei Wettbewerben wunderbar unterwegs."

Pep gegen Manchester City?

Hohe Brisanz Im Halbfinale der Champions League kann Bayerns Pep Guardiola auf Manchester City treffen, den Klub, für den er ab Juli arbeitet. Die Auslosung wird am Freitag (11.30 Uhr/Sky und Eurosport) am Sitz der Uefa in Nyon vollzogen. Neben Bayern und ManCity sind Rekordsieger Real Madrid (zehn Titel) und Stadtrivale Atlético dabei, wenn die Duelle für 26./27. April und 3./4. Mai bestimmt werden.

Kommentar von Armin Grasmuck: Minimalziel erreicht

Die Zeit wird knapp, enger wirken die Partien, und die Euphorie steigt mit jedem Erfolg. Nur noch einen Schritt sind die Bayern von dem Endspiel der europäischen Königsklasse entfernt, das in sechs Wochen in Mailand auf dem Programm steht. Mit dem Einzug in das Halbfinale hat der hoch ambitionierte und entsprechend honorierte Kader der Münchner das Minimalziel erreicht. Getreu dem Anspruch des Rekordmeisters strebt er nun nach dem Maximum. Das Triple ist, auch ohne Vereinsbrille betrachtet, zum Greifen nah.

Es könnte sich als genialer Schachzug erweisen, dass Pep Guardiola kurz vor seinem Abschied aus München von der ureigenen Idee des Hochdruckfußballs abgerückt ist und sich an der traditionell eher nüchternen Erfolgsformel der Bayern zu orientieren scheint. In der wichtigsten Phase der Saison zählt auch für ihn nur noch das nackte Ergebnis, egal wie es erreicht wird. Das schnöde 1:0 schätzt er heute genauso wie das krachend und brillant herausgespielte Schützenfest.

Guardiola zieht, ohne Rücksicht auf das Schicksal des Einzelnen, sein Ding durch. Xabi Alonso? Götze? Lewandowski? Der Trainer rotiert, wie es ihm passt. Er liegt damit richtig, weil er siegt und siegt. Gelingt ihm das Triple, hat Guardiola die Mission in München gnadenlos erfüllt.

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