Huub Stevens: Ein Retter in Not

In seiner 22-jährigen Trainerkarriere ist Huub Stevens mit keinem Klub abgestiegen. Der Nimbus soll auch die Zeit in Stuttgart überdauern. Aber nur mit einem Sieg in Paderborn schaffen es die Stuttgarter direkt.

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Beim SC Paderborn im kleinsten Stadion der Bundesliga mit 15.000 Plätzen hat Huub Stevens aller Voraussicht nach seinen letzten großen Auftritt als VfB-Trainer: Wenn die Stuttgarter mit einem Sieg auf den letzten Drücker den direkten Klassenerhalt schaffen oder mit einer Niederlage absteigen.

Nur falls der VfB die Relegation gegen den Zweitliga-Dritten (aktuell der Karlsruher SC) spielen muss, kommen zwei weitere Partien für den 61-jährigen hinzu, am 28. Mai und 1. Juni. Alexander Zorniger gilt längst als designierter Nachfolger des Niederländers. Weil der Verein das bisher offiziell nicht bestätigt hat, Stevens jedoch andauernd darauf angesprochen wurde, reagiert er sauer und gereizt: "Ist denn schon etwas bekannt? Mit mir oder einem anderen Trainer?"

Seine Mission will er morgen vollenden. Stevens ist noch mit keiner Mannschaft abgestiegen. "Feuerwehrmann" nennt man so einen Trainer im Fußballgeschäft. 2007 führte er den Hamburger SV innerhalb von 15 Spielen vom letzten Platz über den UI-Cup in den Uefa-Pokal. Bereits vergangene Saison hatte er den kriselnden VfB gerettet. Doch dieses Mal ist der Retter selbst in Not: Noch ist nichts geschafft.

Im März, nach einer krassen Negativserie, war schon über die vorzeitige Entlassung spekuliert worden. Indiskretionen brachten den beim Zweitligisten RB Leipzig ausgeschiedenen Schwaben Zorniger als Nachfolger ins Spiel, selbst angebliche Vertragslaufzeiten wurden bereits nach außen getragen.

Dass da auch ein Routinier wie Huub Stevens irgendwann Wirkung zeigt, ist kein Wunder. Öffentlich bekam allerdings nur die Mannschaft ihr Fett weg, nicht die Vereinsführung. "Ich habe gegen die Wand geredet", wetterte Stevens nach dem 2:2 (2:0) gegen Freiburg und schimpfte im Training vorm Spiel gegen den anderen direkten Konkurrenten Hamburger SV (2:1): "Das ist Abstiegskampf! Ihr seid Affen!"

Das klang irgendwie verdächtig danach, als wollte Stevens dadurch auch mitteilen: Leute, an mir liegt es nicht, wenn hier alles vollends den Bach runtergeht! Hat der "Knurrer" damit am Ende doch alles richtig gemacht? Obwohl seine Spieler im Endspurt deutlich steigende Tendenz zeigten, kann im Auswärtsspiel morgen (15.30 Uhr) beim Tabellenletzten Paderborn allerdings auch alles schiefgehen.

Vergangene Saison übernahm Stevens den VfB-Job am 10. März nach dem 24. Spieltag vom glücklosen Thomas Schneider, erfüllte die Erwartungen und kassierte angeblich knapp eine Million Euro Nichtabstiegsprämie. Vergleichbar dürften die Verhandlungen beim Einstieg am 25. November gewesen sein, als Stevens für den zurückgetretenen Armin Veh einsprang. Einer seiner ersten Sätze: "Ich denke, dass es schwieriger wird als letztes Jahr, weil wir mehr Zeit haben." Tatsächlich hat die Mannschaft sie nun bis zum letzten Spiel ausgereizt.

Während Huub Stevens gestern bei der Pressekonferenz vor dem Paderborn-Spiel betont ruhig und gefasst auftrat, hat er bei seinen Profis vor dem Endspiel um den Klassenerhalt "eine bestimmte Spannung" ausgemacht. "Es geht um Existenzen", hatte schon Martin Harnik gesagt. Der Österreicher ist mit neun Treffern der beste VfB-Torschütze. Auch Stevens' Antennen sind fein justiert, wenn es um die Emotionen im Umfeld geht: "Ich weiß, was es bedeutet für die Fans und für unser Personal auf der Geschäftsstelle. Ich bin froh, dass ich da mithelfen kann", sagte er - und verlangt diese Einstellung auch von den Spielern: "Wir schauen nur auf uns, du hast es in den eigenen Händen."

Die Innenverteidiger Timo Baumgartl und Antonio Rüdiger, dazu die Mittelfeldspieler Daniel Didavi und Oriol Romeu haben das Training des Tabellensechzehnten gestern wegen muskulärer Probleme abgebrochen. Stevens: "Das war eine Vorsichtsmaßnahme. Ich weiß nicht, ob sie spielen können, aber ich hoffe es." Die Paderborner sollten sich jedenfalls darauf einstellen. Huub Stevens will Retter in der Not sein. Es ist sein Spezialgebiet.

Kommen die Stuttgarter, weicht der KSC nicht aus

Gedankenspiele Trotz Sicherheitsbedenken würde der Karlsruher SC ein mögliches Relegationsspiel gegen den Erzrivalen VfB im Wildparkstadion austragen. Ein Umzug nach Sinsheim oder Mannheim sei für den Zweitligisten "überhaupt kein Thema", sagte KSC-Präsident Ingo Wellenreuther. "Das wäre Wettbewerbsverzerrung." Die Chancen des Zweitligisten, den für die Relegation notwendigen dritten Tabellenplatz am Sonntag zum Saisonabschluss mit einem Erfolg gegen den Abstiegskandidaten TSV 1860 München halten zu können, ist groß. Bei Begegnungen zwischen KSC und VfB Stuttgart hat es in der Vergangenheit oft Ausschreitungen zwischen verfeindeten Fanlagern gegeben.

 

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