Tim Skarke: Der Himmelsstürmer von der Ostalb

Tim Skarke ist der erste Spieler, der es aus der Jugend des Fußball-Zweitligisten 1. FC Heidenheim bis in die deutsche U 21 geschafft hat.

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Der aus Nattheim stammende Rechtsaußen im Trikot der Junioren-­Nationalmannschaft.  Foto: 

Aus der Provinz in die große Welt des Profifußballs – bei der Verwirklichung dieses Traums hat Rechtsaußen Tim Skarke vom 1. FC Heidenheim, der an diesem Sonntag in der 2. Liga beim VfL Bochum gefordert ist,  jüngst die nächste Stufe auf der Karriereleiter erklommen. Der 21 Jahre junge Angreifer ist der erste Nationalspieler der deutschen U-21-Auswahl, der aus dem Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) der Heidenheimer hervorgegangen ist. Beim 1:2 des aktuellen Europameisters zuletzt gegen Ungarn bot ihn DFB-Trainer Stefan Kuntz in der Startformation auf. „Wir hatten als Mannschaft zuvor gerade zweimal trainiert. Die Premiere war durchwachsen“, sagt „Blinki“, wie er von Frank Schmidt, seinem Trainer beim FCH wegen seiner Ohrringe gerufen wird.

Im zweiten Jahr der D-Junioren wechselte Skarke von seinem Heimatklub TSG Nattheim, wo er am heutigen Freitag mit dem Heidenheimer Kollegen Nikola Dovedan das Training der U-11- und U-13-Junioren besuchen wird, zum FCH. Der große Leistungsschub setzte bei Skarke 2014 mit der Fertigstellung des NLZ auf der Ostalb ein. „Da ist alles professioneller geworden“, erinnert sich Skarke. „Wir hatten mehr Möglichkeiten, individuelle Trainingspläne, Videoanalysen, Athletiktrainer und vieles mehr.“

Inzwischen gibt es zwölf festangestellte Mitarbeiter im NLZ, welches über einen jährlichen Etat von 1,5 Millionen Euro verfügt. Im Vergleich zur Konkurrenz im Profibereich ist der 1. FC Heidenheim in dieser Hinsicht ein kleines Licht. Trotzdem besteht die Hoffnung, dass das NLZ noch in diesem Jahr vom DFB ausgezeichnet wird. Eine Kommission vergibt für die Arbeit im Nachwuchsbereich Sterne. Jeder Stern garantiert einen zweckgebundenen Zuschuss vom DFB in Höhe von 150 000 Euro. „Das Geld wird wieder in die Jugendarbeit investiert“, bestätigt  Holger Sanwald, der Vorstandsvorsitzende des FCH. Schließlich soll mit Skarke, Dave Gnaase, Kevin Lankford und Ibrahim Hajtic, und somit vier Talenten aus dem NLZ in der Zweitligamannschaft, das Ende der Fahnenstange nicht erreicht sein.

Internat der Talente

Der Fokus liegt bei der Sichtung der Akteure auf Talenten aus der Region. „Wir wollen Spieler aus einem Einzugsgebiet von bis zu 250 Kilometern. Da ist die Identifikation mit dem Verein größer“, meint Sanwald. Im Internat, das der Heidenheimer Sportbund betreibt, nutzen die 35 Fußballer den Löwenanteil der Zimmer. Ansonsten sind dort noch Talente aus anderen Sportarten wie auch dem Fechten und Baseball untergebracht. Zudem gibt es in Heidenheim ein Eliteschulsystem des Fußballs in allen Bildungsstufen mit Gymnasium, Realschule und Werkrealschule.

Auch bei Skarke stand zunächst der schulische Werdegang im Vordergrund. „Meiner Familie, die mich immer unterstützt hat, war es wichtig, dass ich zuerst die Schule abschließe“, sagt Skarke. Nach dem Fachabitur 2015 setzte er alles auf die Karte Fußball. Ein richtiger Plan B existierte noch nicht. „Ich hätte ein freiwilliges soziales Jahr gemacht. Ich musste aber nicht mehr so weit denken, auch was ich danach studieren will“, lacht er.

Als A-Junioren-Spieler durfte der Flügelstürmer bereits regelmäßig bei den Profis unter Trainer Schmidt mittrainieren. Inzwischen hat er 41 Partien in der 2. Liga absolviert und sich mit starken Auftritten in den Notizblock des Junioren-­Bundes­trainers Kuntz gespielt. „Das freut mich und puscht mich noch mehr, weiter alles zu geben“, sagt Skarke. „Irgendwann möchte ich in der ersten Liga spielen.“

Die 36 Lizenzvereine der Bundesliga und 2. Liga sind im Rahmen des Lizenzierungsverfahrens zum Aufbau eines Leistungszentrums für Talente nach festgelegten Kriterien verpflichtet. Auch für die Vereine in den Ligen unterhalb der höchsten Spielklassen in Deutschland, der 3. Liga und der Regionalliga, besteht die Möglichkeit, ein Leistungszentrum aufzubauen. Immer mehr Klubs wollen den entsprechenden Status als Qualitätssiegel für ihre Nachwuchsarbeit erreichen. Aktuell gibt es in Deutschland 54 Leistungszentren. Neben den 36 Lizenzvereinen führen aktuell zehn Vereine der 3. Liga und acht Vereine in den Regionalligen ein anerkanntes Leistungszentrum.

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