Grindel erst auf vertrautem Terrain: Kanzlerin-Termin

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Reinhard Grindel ist der neue DFB-Präsident. Foto: Arne Dedert

Nach seinem Amtsantritt als DFB-Präsident packt Reinhard Grindel die schwierigen Themen nicht sofort an. Die weitere Aufarbeitung des WM-Skandals und das schwierige Verhältnis zwischen Amateuren und Liga stehen noch nicht auf der Tagesordnung.

In seiner ersten Woche als Boss des Deutschen Fußball-Bundes bewegt sich der 54-Jährige erstmal auf vertrautem Terrain. Er spricht unter anderem beim DFB-Schulkongress, trifft gemeinsam mit Joachim Löw seine bisherige Chefin Angela Merkel zum Abendessen und reist in seinen Heimatwahlkreis nach Rotenburg/Wümme, um über das Prozedere seines Rückzugs aus dem Deutschen Bundestag zu sprechen.

Und doch lassen Grindel die brisanten Themen der deutschen Fußball-Politik nicht los. Spätestens bis zum Sommer sollen die Gespräche mit den Profivertretern zur Verlängerung des Grundlagenvertrages beginnen, der die Geldflüsse zwischen Spitzen- und Breitensport regelt. Schon beim DFB-Bundestag am Freitag wurden die unterschiedlichen Positionen am Beispiel einer möglichen Neugestaltung der ersten DFB-Pokalrunde kontrovers formuliert.

Grindels Hoffnung auf weitere Erkenntnisse in der Affäre um das Sommermärchen sind begrenzt. Mit weiteren substanziellen Aussagen von Franz Beckenbauer rechnet er nicht. "Glauben Sie, dass jetzt Drohungen, ihm Ehrenauszeichnungen abzuerkennen, an seinen Ausführungen etwas ändern?", sagte Grindel in einem Interview der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Trotz der maßgeblichen Verwicklung des ehemaligen OK-Chefs sieht Grindel die Verdienste des Kaisers aber nicht geschmälert. "Franz Beckenbauer ist Ehrenmitglied und Ehrenspielführer, weil er als Spieler und Teamchef entscheidend an zwei Weltmeistertiteln beteiligt war und Einzigartiges geleistet hat. Diese Verdienste bleiben immer bestehen", sagte Grindel. Er würde gerne einmal in Ruhe mit ihm sprechen, meinte der neue DFB-Chef im Interview des "Express".

Durch den vom DFB in Auftrag gegebenen Freshfields-Bericht war publik geworden, dass dubiose Geldflüsse über ein Konto Beckenbauers in der Schweiz in Richtung Katar zum damaligen FIFA-Vize Mohamed bin Hammam vorgenommen worden waren. Ob die geplante DFB-Ethikkommission sich mit der Causa nachträglich befassen wird, ließ Grindel offen.

Sein Bundestagsmandat will der CDU-Politiker im Juli niederlegen. "Zu glauben, ich würde bis kurz vor dem nächsten Bundestag am 4. November warten, um mir eine Hintertür in die Politik offen zu halten, ist völlig absurd. Mit Beginn der Sommerpause möchte ich im Juli mein Mandat niederlegen", sagte Grindel der "Bild am Sonntag" und als Gast im ZDF-Sportstudio - wo ihm kein Treffer an der Torwand gelang.

Ursprünglich hatte er angekündigt, sich unmittelbar nach seiner Wahl zum DFB-Chef aus Berlin zu verabschieden. Nach der Kür am Freitag in Frankfurt hatte der 54-Jährige mit der Aussage überrascht bei einer Pressekonferenz am kommenden Donnerstag in seiner Heimat über seine politischen Aktivitäten sprechen zu wollen. Nun sprach er von einem "geordneten Übergang". Letzte Gesetzesinitiativen will er noch zu Ende bringen.

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