Fußball-Torwart Lutz Pfannenstiel: Paradiesvogel hilft Kindern in Namibia

Weltenbummler, bunter Vogel: Das Image von Lutz Pfannenstiel. Der Torwart war der erste Fußballer, der auf allen sechs Kontinenten bei einem Profi-Klub spielte. Nun ist er sesshaft und fördert Hilfsprojekte.

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Lutz Pfannenstiel (Dritter von links) spielt mit den Kindern in Namibia auch Fußball.  Foto: 

Auf Ihrer Facebook-Seite haben Sie gerade ein Video von einem Besuch in Namibia veröffentlicht. Sie verteilen in einer Suppenküche Lebensmittel an Kinder und spielen mit ihnen Fußball. Warum?
LUTZ PFANNENSTIEL: Ich engagiere mich seit Jahren mit dem Hilfsprojekt "Global United FC" für Umwelt- und Klimaschutz sowie soziale Projekte. In diesem Rahmen haben wir Geld für Namibia gesammelt. Ich möchte diesem armen Land helfen können, den Waisen oder Kindern, die HIV-positiv sind.

Was sagt Ihr Arbeitgeber TSG 1899 Hoffenheim, wenn Sie schon wieder in der Welt unterwegs sind?
PFANNENSTIEL: Der Verein steht voll dahinter. Ich fahre zu Beobachtungen ins Ausland, aber auch, um den Verein zu repräsentieren und Sozialprojekte anzuschieben.

Als Sie zu Hoffenheim gingen, dachten viele, das passt nicht. Ein bunter, umtriebiger Vogel als sesshafter Funktionär bei einem Retortenklub.
PFANNENSTIEL: Viele nehmen Hoffenheim falsch wahr. Hilfsprojekte wie dieses sind dem Klub eine Herzensangelegenheit. Namibia ist gefährlich, und die Suppenküche liegt in der härtesten Gegend, ein täglicher Überlebenskampf. Neulich war ich mit der Hoffenheimer U 23 dort. Da haben die Kinder allein wegen der blauen Trikots gestrahlt.

Befremdet Sie hierzulande der Konsumrausch, der Rummel in der Vorweihnachtszeit?
PFANNENSTIEL: Ich habe nichts dagegen, wenn die Leute ihren Kindern Geschenke kaufen. Ich feiere Weihnachten auch in Deutschland, das ist daheim am schönsten. Aber es geht darum, dass die Eltern ein paar Euro weniger ausgeben und das Geld lieber für Afrika spenden.

Wie verwenden Sie denn das Geld in Namibia?
PFANNENSTIEL: Wir kaufen vor Ort im Supermarkt Lebensmittel ein, stopfen ein paar Autos voll, fahren zu den Kindern und packen die Sachen dort in Speisekammern. Das letzte Mal hat der Vorrat für vier Monate gereicht.

Sie haben auf allen sechs Kontingenten Fußball gespielt. Hätten Sie lieber eine Profi-Laufbahn in Deutschland einschlagen sollen?
PFANNENSTIEL: Ich hätte es ein wenig weiterbringen können. Premier League in England, erste Liga in Brasilien und den USA - das ist nicht so schlecht. Ob ich ein starker Bundesligatorwart geworden wäre, weiß ich nicht. Darum bin ich dankbar für meine Erfahrungen, ich möchte sie gegen nichts eintauschen.

Dankbar auch für Ihre Zeit im Gefängnis? Sie saßen 101 Tage in Singapur im Knast wegen angeblicher Spielmanipulation, wurden verprügelt, hatten vier Nasenbeinbrüche.
PFANNENSTIEL: Es war die Extremsituation meines Lebens, weil ich unschuldig in einem der härtesten Gefängnisse der Welt saß. Ich hätte verzweifeln können, aber ich habe mich aufgerappelt. Das habe ich neulich Gefängnisinsassen in Siegburg vermittelt. Es ist wichtig, dass man aus allem, was man nicht mehr ändern kann, Positives herauszieht.

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