Freiburg beeindruckt beim 3:1 gegen Gladbach durch Wille und Leidenschaft

Die Bundesliga-Spieler des SC Freiburg sind selbst schuld. Sie haben die Messlatte mit dem fulminanten 3:1-Sieg gegen Borussia Mönchengladbach sehr hoch gehängt.

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Maximilian Philipp (links, gegen den Gladbacher Strobl),  erzielte seinen ersten Bundesliga-Doppelpack.  Foto: 

„Und weiter sah ich den Grifo in gewaltigen Schmerzen: wie er mit beiden Füßen den Ball erobern wollte. Doch wenn er angelaufen war und nach dem Ball stocherte, so fand der Gegner eine Lösung, den Ball doch wieder zu sichern: von neuem rollte dann der Gladbacher Angriff, der schamlose, auf dem Feld. Grifo aber lief immer wieder an, und es rann der Schweiß ihm von den Gliedern ...“ Sehr, sehr frei nach Homer, Odyssee 11.

Während Sisyphos, die Figur aus der griechischen Mythologie, wohl noch heute einen dicken Felsbrocken den Berg hochrollt, um dann zu sehen, wie er wieder runterrollt, gab es für den Freiburger Vincenzo Grifo ein Happy End bei der Arbeit. Kurz vor Ende der Partie gegen Mönchengladbach, als die Gastgeber bereits 2:1 führten, preschte der Italiener mal wieder Richtung Pass und Ball, der eigentlich als Adressaten den Gladbacher Andreas Christensen vorgesehen hatte. Grifo war schneller, stürmte nun seinerseits mit Ball in des Gegners Strafraum und wurde vom Gladbacher Keeper Yann Sommer gefoult. Der zuvor eingewechselte  Nils Petersen traf per Elfmeter zum 3:1-Endstand und kämpfte  damit erfolgreich gegen sein Trauma aus dem olympischen Fußball-Finale an, als er im Elfmeterschießen Nerven zeigte.

Grifos Störverhalten sei eine „sinnbildliche Aktion für dieses Spiel gewesen“, befand Sportclub-Trainer Christian Streich nach dem ersten Saisonheimspiel. „Vincenzo  ist zu diesem Zeitpunkt kurz vor Schluss noch auf Balleroberung aus, nachdem er vorher vielleicht 50, 60, 70 Mal ohne Erfolg angerannt war. Du brauchst eine unglaublich hohe Frustrationstoleranz beim Anlaufen des Gegners“, sagte Streich, betonte dabei allerdings auch die kollektiven Anstrengungen des Teams: „Die Jungs haben die Latte hochgelegt, aber daran lassen wir uns messen.“ Mit der Leidenschaft, mit dem Willen, ans Limit zu gehen, müsse der SC immer spielen, „sonst gewinnen wir kein Spiel in der Bundesliga“. Da war er gleich wieder, der  gehobene Zeigefinger des Christian Streich.

Der 23-jährige Grifo, der  gegen den Champions-League-Teilnehmer die meisten Kurzsprints bei den Freiburgern absolviert hatte, ging die Aufarbeitung des ersten Saisonsiegs (nach der Auftaktniederlage in Berlin) etwas offensiver an als  der Trainer.   „Wir haben uns nicht einmal nach dem Rückstand aufgegeben, das ist eine Botschaft“, sagte der Mittelfeldspieler und bewertet die 90 Minuten so: „Wir haben ein geiles Spiel abgeliefert.“

Maximilian Philipp war in der Rückschau nicht ganz so euphorisch wie sein Teamkollege. Der gebürtige Berliner freute sich zwar über seinen ersten Doppelpack, blieb ansonsten aber cool. „Das war ein guter Anfang, aber nur ein Spiel. Wir werden diese Leistung noch oft wiederholen und bestätigen müssen“, sagte der 22-jährige Stürmer, der  über die Station Tennis Borussia Berlin und Energie Cottbus 2013  nach Freiburg kam.

Das ist deshalb einer kurzen Erwähnung wert, weil der Freiburger Stadionsprecher offensichtlich  noch etwas Probleme  mit dem Namen hat. Als der U-21-Nationalspieler Maximilian Philipp den Treffer zum 1:1 erzielt hatte, schrie der Stadionsprecher: „Philipp . . .“ – in der Hoffung, die Fans würden mit dem Nachnamen antworten. Aber es kam nichts von den Rängen, weil Philipp ja schließlich der Nachname ist. Der Stadionsprecher  registrierte das schnell und setzte neu an: „Maximilian . . .“  Und prompt schallte es zurück: „Philipp“. Der Sportclub ist also in jeder Beziehung wieder zurück in der Bundesliga.

Ohne Herrmann nach Manchester

Verpatzt Das war nicht gerade eine gelungene Generalpobe für Mönchengladbach vor dem Auftakt der Champions League am morgigen Dienstag (20.45 Uhr) bei Manchester City. Aber Gladbaches Trainer Andre Schubert wollte da gar nichts hochkommen lassen. „Manchester ist ein völlig anderes Spiel. Wir werden das Spiel in Freiburg analysieren und es das nächste Mal besser machen“, meinte der 45-Jährige nach der erste Pflichtspielniederlage seit dem 15. April 2015. Patrick Herrmann wird die Reise nach England erst gar nicht mitmachen. Der 25 Jahre alte Offensivspieler hat einen Muskelfaserriss in den linken Adduktoren erlitten und fällt vorerst aus. Herrmann war in Freiburg spät eingewechselt worden, die Verletzung erlitt er ohne Einwirkung eines Gegenspielers. tgo

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