Fifa-Entscheidung: Proteste gegen Aufblähung der Fußball-WM

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Groß, größer, Fußball-WM. Nach der historischen Entscheidung für eine Weltmeisterschaft im XXL-Format protestierten viele deutsche Funktionäre, Trainer und Politiker mit harschen Worten.

„Ich finde das bisherige WM-Format mit 32 Mannschaften immer noch gut und kann aus rein sportlicher Sicht einer Aufstockung gar nichts abgewinnen“, sagte Bundestrainer Löw, und Fußball-Legende Uwe Seeler assistierte: „Das wird derart langatmig. Das wird für den Fußball nicht gut sein.“ Özcan Mutlu, sportpolitischer Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, sagte: „Infantino geht es nur darum, seinen Machtkreis und Einfluss zu vergrößern und noch ein wenig fester an der Gelddruckmaschine Fußball-WM zu kurbeln.“

Details zur Organisation offen

DFB-Präsident Reinhard Grindel merkte an, dass er nicht glücklich mit der Entscheidung sei. „Ich hätte mir vor allem gewünscht, dass alle wichtigen Fragen zu Organisation und Modus komplett geklärt sind.“ Ändern wird das deutsche Mahnen nichts. In neun Jahren wird der Fußball-Weltmeister erstmals bei einem Turnier mit 48 Mannschaften gekürt. Das erkannte auch Ligapräsident Reinhard Rauball: „Solange sich die großen europäischen Fußball-Nationen, ihre Verbände, Ligen und Clubs nicht auf eine gemeinsame Position verständigen, ist auch die Meinung des Weltmeisters bedauerlicherweise nur eine unter vielen.“

Fifa-Chef Gianni Infantino wischte die harsche Kritik mit einem lockeren Spruch beiseite. „Auch bei einer WM mit nur zwei Teams wäre eines davon immer Deutschland. Für viele andere Länder ist diese WM aber die Chance, einmal dabei zu sein“, sagte er. Das Council des Weltverbandes hatte seinen revolutionären WM-Plan schnell und einstimmig durchgewunken. Großen Diskussionsbedarf hatten die Fifa-Funktionäre nicht mehr. Das Mega-Turnier soll der Fifa Mehreinnahmen von rund einer Milliarde Dollar bringen. dpa

Kommentar und Sport

Fußball-WM mit 48 Mannschaften: Langeweile garantiert

Rund um den Globus wird der Beschluss der Anführer des inter­nationalen Fußballs, künftig 48 Landesauswahlen an der Weltmeisterschaft teilnehmen zu lassen, scharf kritisiert. Da ist von der drohenden Überbelastung der Profis die Rede, von der Ausbeutung des Sports als solchen und der puren Kraft des Geldes, das schon seit längerem die groben Regeln auf dem Spielfeld bestimmt. Es gilt jedoch zwischen dem aufrichtigen Klagen der Traditionalisten, der Anhänger des einfachen Spiels, und dem rein taktischen Jammern vieler Protagonisten zu unterscheiden.

Die Spitzenspieler hätten wie auch die Vertreter der führenden Klubs und der großen Landesverbände natürlich die Möglichkeit gehabt, die Pläne des Weltverbands zu durchkreuzen, wenn sie ihre Bedenken ernsthaft vorgetragen und verfolgt hätten. Stattdessen
ließen sie Gianni Infantino, den Chef der Fifa, und seine Mitstreiter praktisch widerstandslos gewähren.

48 Mannschaften bei der WM – sportlich betrachtet heißt es: mehr Spiele, mehr Taktieren und in der Konsequenz weniger Qualität. Über weite Phasen des Turniers ist Langeweile garantiert.

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