Ancelotti und Wüterich Ribéry klären Situation

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Die Bayern-Mannschaft beim Fotoshooting. Foto: Sven Hoppe  Foto: 

Bitte lächeln. Beim Foto-Shooting der Bayern-Profis in ihrer neuen Oktoberfest-Tracht konnten sich 15 Stunden nach dem freudlosen Champions-League-Start gegen Anderlecht auch Wüterich Franck Ribéry und Bankdrücker Thomas Müller schon wieder ein professionelles Grinsen abringen.

Sogar ein „Happy Birthday“ auf den nun 28-jährigen Müller stimmten die Kollegen und Trainer Carlo Ancelotti am Nachmittag in ihrer neuen Lederhosen mit einem Weißbier in der Hand an. Am Abend zuvor hätte es den kindischen Trikotwurf des beleidigten Ribéry nicht auch noch gebraucht, um die brodelnde Gemengelage beim FC Bayern zu offenbaren. Das Ausrufezeichen setzte Paris St. Germain mit dem neuen 222-Millionen-Euro-Supermann Neymar beim 5:0 gegen Celtic Glasgow. Gruppengegner Bayern warf beim 3:0 (1:0) gegen zehn Anderlecht-Spieler Fragezeichen auf.

Die Spielidee bleibt diffus, die Strategie des Trainers rätselhaft. Es steht keine Einheit auf dem Platz. Persönliche Befindlichkeiten dominieren stattdessen. Selbst Sportdirektor Hasan Salihamidzic blickte ausnahmsweise ernst, als er in Ribéry erstmals einen der Stars öffentlich maßregeln musste. „Das darf nicht passieren beim FC Bayern München. Das ist nicht okay. Da werden wir sprechen drüber.“

Heißsporn Ribéry hatte bei seiner Auswechslung in der 78. Minute überzogen, als er erst sichtlich beleidigt vom Rasen trottete, dann das Trikot vom Leib riss und es wütend auf die Bank schleuderte. „Ich werde ihn fragen, warum er so reagiert hat“, kündigte Ancelotti an. Zur Aussprache kam es gleich am Mittwoch. Der Vorfall gilt zwischen Ancelotti und Ribéry als ausgeräumt, wie anschließend durchsickerte. „Der Wurf meines nassen Trikots von letzter Nacht hat nichts mit Respektlosigkeit zu tun“, versicherte Ribéry in einem Statement. Er sei ein „loyaler“ Spieler, der volle Leidenschaft für Bayern zeige.

Der divenhafter Ausraster muss Ancelotti trotzdem zu denken geben. Der Coach, als Menschenfänger gerühmt, droht die Vereins-Ikonen zu verlieren. Ribéry ist dienstältester Bayern-Profi, ein Liebling der Fankurve. Und Müller, der Paradebayer, schmorte wieder auf der Bank. Der Weltmeister, mit dem Ancelotti irgendwie nichts Rechtes anzufangen weiß, verließ die Arena wortlos, genauso wie Ribéry.

Am Tag danach sprach Müller. Und der Vize-Kapitän will seine eigene unbefriedigende Situation vorerst hinten anstellen. „Aktuell haben wir schon genug Unruhe. Wir sollten uns, wie Arjen Robben schon sagte, auf die Dinge auf dem Platz konzentrieren. Wenn wir Erfolg haben, können wir auch wieder über andere Dinge reden“, sagte Müller. Nach jedem Spiel öffentlich über die eigenen Befindlichkeiten zu sprechen, „wird uns nicht weiterbringen“, sagte Teamplayer Müller.

Manuel Neuer appellierte als Kapitän ebenfalls an alle Kollegen, sich zurückzunehmen. „Es geht nur um den Erfolg des Vereins und der Mannschaft und nicht um einzelne Spieler“, mahnte der Torhüter.

Es liegt einiges im Argen. Robben schwang sich zum Chefkritiker auf. Der Holländer benannte die Mängel deutlich. „Du musst Lust haben vor den eigenen Fans. Du musst Bock haben, die wegzuschießen nach der Roten Karte. Das Tempo war nicht da, der Rhythmus auch nicht. Wir müssen uns hinterfragen - alle“, sagte Robben. „Es flutscht noch nicht so“, ergänzte Müller tags darauf: „Die Selbstverständlichkeit geht uns ab. Diese müssen wir uns erarbeiten mit viel Biss.“

Nach dem frühen Platzverweis für Anderlechts Sven Kums brannten die Bayern auf dem Platz kein Fußball-Feuerwerk à la Paris ab, sondern sie agierten ohne Esprit, Entschlossenheit und Geschlossenheit. „Da musst du geil sein und mehr Tore schießen“, schimpfte Robben nach den Toren von Elfmeterschütze Lewandowski, Thiago und Joshua Kimmich.

Anderlecht kam selbst zu zehnt dem 1:1 ganz nahe. Alexandru Chipciu traf den Pfosten (49.). „Gutes Teamwork“, twitterte Ancelotti dennoch in der Nacht, schon zuvor im Stadion urteilte er: „Es war keine Topleistung, aber eine Leistung, die uns in dieser Phase reicht.“

Klar, die Titel werden erst im Frühjahr 2018 vergeben. Aber auch Salihamidzic sprach von „Leerphasen“ im Spielverlauf: „Das Ergebnis ist gut, obwohl ich auch lieber drei, vier Tore mehr gesehen hätte. Wir müssen an unserem Spiel noch feilen.“ Ob ein wenig Feinschliff ausreicht, wird sich in zwei Wochen weisen. Dann kommt es in Paris zur Kraftprobe mit PSG. Salihamidzic übermittelte schon mal eine Kampfansage an Neymar und Co. „Das ist eine Toptruppe. Die haben super Spieler in ihren Reihen. Aber wir sind auch eine sehr, sehr gute Mannschaft. Wir werden denen Paroli bieten.“

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