Euphorie beim 1. FC Heidenheim, Entsetzen beim VfB Stuttgart

Ein Spiel, zwei Gefühlswelten. Der 1. FC Heidenheim schwelgt nach dem 2:1 in Stuttgart in Superlativen. Beim VfB ist das Entsetzen groß.

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Das kann nur der Sport, und insbesondere der Fußball bieten: ein Stadion, ein Zweitligaspiel – aber zwei vollkommen unterschiedliche Gefühlswelten, komprimiert in 90 Minuten.  Der 1. FC Heidenheim, 2:1-Sieger im württembergischen Duell beim VfB Stuttgart, konnte seinen Triumph kaum fassen. Noch nie waren die Spieler vor einer Kulisse von 52 200 Zuschauern  aufgelaufen, noch selten waren die FCH-Spieler, die am Spieltag zuvor bei der 1:2-Heimniederlage gegen die Würzburger Kickers so enttäuscht hatten, nach einem Sieg so umjubelt worden wie am Freitag Abend in der Mercedes-Benz-Arena. Vokabeln wie „Wahnsinn“, „unglaublich“ und „unvorstellbar“ geisterten durch die Heidenheimer Reihen, die Rede war vom größten Erfolg der Vereinsgeschichte. Der FCH sitzt im Riesenrad, das sich nach oben bewegt.

Dieselben 90 Minuten, durch die Vereinsbrille des VfB Stuttgart betrachtet, sahen komplett konträr aus. „Peinlich“ war noch eine der harmloseren Bezeichnungen für die 1:2-Heimniederlage gegen den kleinen Nachbarn. Viele Fans des Bundesliga-Absteigers, die ihre Spieler lange Zeit phantastisch angefeuert hatten,  empfanden das Resultat als eine Demütigung und Schande und wähnten sich in der Geisterbahn.Nach dem Abpfiff herrschte eine Stimmung auf den Rängen, wie man sie so oft in der vergangenen, verkorksten Bundesliga-Saison erlebt hat. Es schien, als habe sich gegenüber der vergangenen Saison, die mit dem Abstieg endete, nichts geändert. Die entsetzten Anhänger wähnen sich weiter auf dem Weg nach unten. An eine sofortige Rückkehr in die Beletage des deutschen Fußballs mag derzeit niemand denken. Im Gegenteil, manche beschworen schon den „Durchmarsch“ in die Dritte Liga herauf. Trainer Jos Luhukay wies darauf hin, dass der Kader erst spät zusammengestellt worden sei und die Vorbereitung auf das Derby aufgrund der Abstellungen von Nationalspielern nicht ideal gewesen sei. „Die Mannschaft braucht mehr Vertrauen und mehr Mut, um den Fans was bieten zu können“, sagte Luhukay.

Als  Sündenbock hatten die Fans  Innenverteidiger Stephen Sama ausgemacht. Klar machte der 23-jährige Deutsch-Kameruner zum Teil haarsträubende Fehler. Aber das taten seine Mitspieler auch. Genauso. Toni Sunjic, Kopfball-Torschütze zum 1:1-Ausgleich, patzte vier Minuten später, was der gebürtige Heidenheimer Tim Skarke zum 2:1-Siegtreffer nutzte.

Dass ausgerechnet Skarke zwei Tage nach seinem 20. Geburtstag traf, dürfte nicht nur wegen der damit verbundenen Niederlage ein Stich in die Stuttgarter Vereinspolitik gewesen sein. Beim VfB haben es die eigenen Talente oftmals schwer. Anders als in Heidenheim. Skarke ist seit 2008 beim FCH ausgebildet worden. Die Geduld macht sich nun bezahlt. „Einfach Hammer“, sagte Skarke.

Marc Schnatterer ist einer der vielen Spieler, die in der VfB-Jugend ausgebildet wurden, ihre Karriere aber anderenorts machten. „Wir haben gemerkt, dass hier was drin ist, haben die Räume eng gemacht und den VfB zu Fehlern provoziert. Es war immer ein Traum von mir, in diesem Stadion zu spielen“, sagte Schnatterer. Dass sein FC Heidenheim nun in der Tabelle vor dem VfB steht und in Württemberg derzeit die Nummer eins ist, interessiere ihn nicht.

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