Erleichterung ja, Vorfreude nein

Die Freude über das Olympia-Ticket für Rio kam bei den deutschen Kickern bei der U-21-EM nicht auf. Auch weil ein großer Teil des Teams dann zu alt ist.

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Das deutsche U-21-Team, hier Nico Schulz (rechts) gegen Tschechien, steht in Europa unter den besten vier Mannschaften.  Foto: 

Auch als Kabinen-DJ Leonardo Bittencourt die "Samba do Brasil" einwarf, kam bei den Mannschaftskollegen nicht wirklich Partystimmung auf. Rio de Janeiro war für die deutschen Fußball-Junioren nach der historischen Qualifikation für die Olympischen Spiele 2016 noch zu weit weg. Vielmehr überwog die Erleichterung, das Halbfinale bei der U-21-EM nach einem nicht gerade souveränen 1:1 (0:0) gegen Gastgeber Tschechien erreicht zu haben.

"Ich fühle mich jetzt super. Ich bin glücklich, dass wir im Halbfinale stehen und das Olympia-Ticket in der Tasche haben", sagte Trainer Horst Hrubesch.

Das Weiterkommen ist allerdings mit einem Umzug nach Olmütz für das Spiel am Samstag (21 Uhr MESZ) verbunden, da die DFB-Auswahl den Gruppensieg verpasste. "Einerseits ist es schade, dass wir nicht gewonnen haben und umziehen müssen. Andererseits ist es geil, dass wir das Ticket gezogen haben", sagte Stimmungskanone Bittencourt, der als Sohn eines gebürtigen Brasilianers den Kollegen das südamerikanische Feeling vermittelte: "Ich habe direkt eine brasilianische Musik aufgelegt, damit die Jungs wissen, was nächstes Jahr auf sie zukommt."

Ansonsten gingen alle Beteiligten im deutschen Lager vergleichsweise nüchtern mit der Tatsache um, dass sich erstmals seit 1988 in Seoul eine deutsche Mannschaft für ein olympisches Fußball-Turnier qualifizierte. Auch Hrubesch blieb gelassen. Der 64-Jährige hatte die U 21 2013 deswegen wieder übernommen, weil er sich den Olympia-Traum erfüllen wollte. Wichtiger ist aber der Titelgewinn.

Gerade nach dem EM-Titel mit den U-21-Junioren 2009 und dem WM-Triumph 2014 in Brasilien sind die Trophäen und weniger die Zwischenstationen das Ziel. "Das ist nur ein Etappenziel. Wir wollen Europameister werden. Und das beinhaltet die Olympia-Teilnahme", sagte Weltmeister Matthias Ginter.

Dem stimmte Emre Can zu: "Wir sind froh, die Qualifikation geschafft zu haben. Aber jetzt wollen wir Europameister werden." DFB-Sportdirektor Hansi Flick sah es ähnlich. Man habe das "Minimalziel" erreicht. "Wir haben immer gesagt - und da ist die DFL mit im Boot - dass wir nach Rio wollen", sagte der ehemalige Assistent von Bundestrainer Joachim Löw. Nun gelte es aber, "den großen Traum des Finales und des Europameistertitels wahrwerden zu lassen".

Denn acht Spieler im gegenwärtigen Kader wollen ganz besonders einen krönenden Abschluss, weil sie 2016 für Rio aus Altersgründen nicht mehr infrage kommen. Zudem sind Torwart Marc-André ter Stegen oder Kevin Volland auch im Blick von Löw für die EM 2016.

Horst Hrubesch darf drei Spieler mitnehmen, die älter als 23 Jahre sind. So sieht es das Reglement vor. Dafür gelten die zurückgetretenen Weltmeister Philipp Lahm, Miroslav Klose und Per Mertesacker als mediale Wunsch-Kandidaten. "Vorstellen kann ich mir alles, ob es dann so kommt, weiß ich noch nicht", sagte der Coach.

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