Einmalige Chance im Estadio Santiago Bernabéu

Bloß keinen Bammel vor dem Hexenkessel Bernabéu: Beim VfL Wolfsburg herrscht angespannte Vorfreude angesichts der Chance, am Dienstagabend bei Real Madrid ins Champions- League-Halbfinale einzuziehen.

|
Hatten Superstar Cristiano Ronaldo (re.) im Hinspiel gut im Griff: Naldo (li.) und Dante, die beiden VfL-Verteidiger.  Foto: 

Die Taktik für die große Champions-League-Sensation des VfL Wolfsburg bei Real Madrid ist für Dieter Hecking ziemlich simpel: "Gar nicht darüber sprechen", brummte der VfL-Coach vor dem Abflug am Montagmorgen aus Braunschweig nach Madrid, wo der Vizemeister am Dienstag im Viertelfinal-Rückspiel (20.45 Uhr/Sky) Geschichte schreiben will.

Die Euphorie nach dem nicht für möglich gehaltenen 2:0 im Hinspiel ist riesig, der Glaube an eine Fortführung des größten VfL-Erfolges im Europapokal vorhanden. Das Schlimmste was Hecking nun passieren kann, ist die Angst vor der eigenen Courage aus Ehrfurcht vor dem berüchtigten Estadio Santiago Bernabéu und der hitzigen Atmosphäre. "Wir wissen doch was kommt, das brauchen wir nicht zu thematisieren. 90.000 Zuschauer sind da, die Stimmung wird fantastisch sein. Die werden Real nach vorne treiben", meinte Hecking, der ungewollt seinen Beitrag zum "Mythos Bernabéu" leistete, indem er das Fassungsvermögen des Stadions um 10.000 Menschen erhöhte.

Sportchef Klaus Allofs, der zuvor noch vor der Atmosphäre in Madrid gewarnt hatte, äußerte sich ähnlich: "Wir sind keine blutigen Anfänger, dass wir da mit feuchten Händen Richtung Madrid fahren." Allofs betonte, der Druck laste auf dem großen Favoriten, für Real sei es von "elementarer Bedeutung ins Halbfinale und dann ins Finale zu kommen". Entsprechend erwartbar war die Reaktion der gekränkten Madrilenen vor dem Showdown.

Real sendete beim 4:0 gegen das Team aus Eibar am Wochenende ein Signal der Stärke und danach deftige Worte. "Wir werden aufs Feld laufen, um Wolfsburg zu überrollen", kündigte der Ex-Leverkusener Dani Carvajal martialisch an und der im Hinspiel so böse enttäuschende Superstar Cristiano Ronaldo prophezeite dem Real-Anhang eine "magische Nacht".

Dies wollte Allofs nicht überbewerten: "Das müssen wir nicht dramatisieren. Es wird ein harter Kampf mit allen erlaubten Mitteln, darauf sollten wir vorbereitet sein. Dazu gehört auch, dass man den Gegner einschüchtern möchte." Allofs kennt die spezielle Situation in Madrids Fußball-Tempel aus eigener leidlicher Erfahrung als Spieler und Manager. "Im Bernabéu kann eine Menge passieren, das weiß ich. Da wird auch einiges passieren. Da denkt man jetzt noch gar nicht dran, was da alles passieren kann", warnte Allofs. Die Reaktion der VfL-Profis fiel tollkühn aus. "Wir haben am Mittwoch keinen Respekt gehabt und werden ihn auch am Dienstag nicht haben", tönte Bas Dost etwa. Stürmerkollege André Schürrle prophezeite ein "geiles Spiel" und hielt den forschen Tönen aus Madrid entgegen: "Wir werden um unser Leben rennen." Besonders kämpferisch flog Coach Hecking nach Madrid: "Wir haben die Chance, Real Madrid aus dem Wettbewerb zu werfen. Dafür werden wir alles tun. Ich will ins Halbfinale." Der VfL-Trainer hatte auch noch einen speziellen Gruß an die Skeptiker parat: "Was die Experten sagen, ist mir schnurz-piep-egal."

Der Plan lautet, möglichst ein Tor zu schießen. Dies gelang bislang noch keinem Team in dieser Champions-League-Saison bei Real, das im Wettbewerb bislang alle Heimspiele gewann. "Wenn wir ein Tor schießen, verändert das eine Menge", meinte Klaus Allofs. Laut Schürrle würde es dann gar "brutal schwer für Real. Wir haben eine Top-Ausgangslage und alles selbst in unserer Hand".

2:0-Hinspielsieg als doppelt gutes Omen

Kein Vergleich Die sportliche Situation für den VfL Wolfsburg ist vor dem Duell bei Real Madrid deutlich anders als vor den vergangenen beiden Viertelfinal-Rückspielen im Europacup, als die "Wölfe" beide Male aus der Europa League ausschieden. Gegen den FC Fulham aus London (2010) und den SSC Neapel (2015) waren die Hinspiele jeweils verloren gegangen. Zudem sind die Wolfsburger bislang stets eine Runde weitergekommen, wenn sie das Hinspiel gewonnen hatten, zuletzt in der Europa-League-Zwischenrunde des vergangenen Jahres gegen Sporting Lissabon. Damals hatte die Mannschaft von Trainer Dieter Hecking das Hinspiel wie jetzt gegen die "Königlichen" aus Madrid auch mit 2:0 gewonnen.

 

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Mordprozess: Lebenslang für den Beifahrer, neun Jahre für den Fahrer

Im Hechinger Mordprozess wurden am Mittwochvormittag die Urteile gesprochen. Der Beifahrer im Tatfahrzeug bekommt lebenslang, der Fahrer neun Jahre Jugendstrafe. weiter lesen