Die ganze Welt der Gefühle

Erst in letzter Sekunde wurde der Abstiegskampf in der Fußball-Bundesliga entschieden. Fortuna Düsseldorf muss runter, 1899 Hoffenheim hofft auf die Relegation, der FC Augsburg ist gerettet.

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Nach dem positiven Adrenalinstoß von Dortmund beschwören sie in Hoffenheim wieder einen neuen, alten Geist. "Die Leute haben die Liebe zu ihren Spielern wiederentdeckt. Es ist uns in den ersten Wochen gelungen, ein paar Sympathien zurückzugewinnen", sagte Hoffenheims Trainer Markus Gisdol, nachdem er am Sonntag im Trainingszentrum Zuzenhausen mit seinem Team von rund 300 Anhängern gefeiert worden war.

Der Club spendierte spontan 100 Liter Freibier, die Profis machten die Welle mit den Fans - die Riesenerleichterung war nach dem Last-Minute-Sprung auf den Relegationsplatz fast greifbar. "Das scheinbar Unmögliche ist passiert", kommentierte Mäzen Dietmar Hopp den 2:1-Sieg bei Borussia Dortmund. In den beiden Relegationsspielen gegen den 1. FC Kaiserslautern hat die TSG nun am Donnerstag und Montag die völlig unverhoffte Gelegenheit, eine turbulente Saison mit vier verschiedenen Trainern, drei Managern und zahlreichen Fehleinkäufen doch noch zu einem positiven Ende zu bringen.

Die Entscheidung über Tabellen-Platz 16 und 17, sprich Relegation und direkten Abstieg, lag maßgeblich bei Schiedsrichter Jochen Drees. An beiden Hoffenheimer Foulelfmetern, die Sejad Salihovic nervenstark verwandelte, gab es nichts zu rütteln. Die Rote Karte gegen Dortmunds Keeper Roman Weidenfeller war ebenfalls berechtigt. Dann die Nachspielzeit, als Drees den Dortmunder Treffer zum vermeintlichen 2:2 wegen Abseitsstellung von Robert Lewandowski annullierte: auch diese Entscheidung war korrekt.

Vor allem dieser finale Pfiff erforderte viel Mut, schließlich hing an dieser Entscheidung die Frage, wer in die Zweite Liga absteigt. "Da muss man den Hut ziehen, dass der Schiedsrichter sich in so einem Hexenkessel vom Linienrichter nochmal belehren lässt", sagte Hoffenheims Verteidiger Andreas Beck. Sein Stürmerkollege Sven Schipplock war von den Socken: "So ein Finale kennt man sonst nur aus dem Fernsehen."

32 Sekunden lang fühlte sich Düsseldorf trotz der 0:3-Pleite bei Hannover 96 gerettet - bis der vermeintliche Dortmunder Treffer zurückgenommen wurde und Fortuna quasi in letzter Sekunde auf Platz 17 zurückfiel. Was besonders tragisch ist, weil Düsseldorf während der gesamten Saison nie einen direkten Abstiegsplatz belegte. Der von Weinkrämpfen geschüttelte Axel Bellinghausen war in all seiner Trauer überraschenderweise zu einem fast philosophischen Satz fähig: "Wo Worte fehlen, sind Tränen manchmal das richtige Ausdrucksmittel."

Ob Cheftrainer Norbert Meier und Manager Wolfgang Wolf für den Neuanfang in der Zweiten Liga zuständig sind, blieb erst einmal offen. Es wird keine Kurzschlussreaktion geben", erklärte Fortuna-Vereinschef Peter Frymuth. Dabei sind in Mike Büskens (zuletzt Trainer der SpVgg Greuther Fürth) und Jörg Schmadtke (zuletzt Manager bei Hannover 96) bereits zwei Namen im Spiel.

Während Fortuna Trauer trägt und 1899 Hoffenheim - "noch haben wir nichts erreicht", so Gisdol - sich auf die Relegation vorbereitet, fielen beim FC Augsburg nach dem 3:1 gegen die SpVgg Greuther Fürth alle Dämme. 30 000 berauschte Anhänger feierten ihre Lieblinge. Das Happy-End in der Augsburger Puppenkiste ist eine der tollsten Geschichten, die in der 50. Erstliga-Saison geschrieben wurden. "Wir waren an Weihnachten totgesagt, waren in einer Scheißsituation. Aber wir haben uns da rausgekämpft", krächzte der heisere Trainer Markus Weinzierl im klatschnassen weißen Hemd. "Für den FC Augsburg war das eine Meisterschaft", verkündete er bei der anschließenden Feier in einem Brauhaus.

In der kommenden Saison, seinem dann dritten Jahr in der Bundesliga, will sich der FC Augsburg solch einen nervenaufreibenden Showdown lieber ersparen und vor allem besser aus den Startlöchern kommen. Nach der Hinrunde hatte der FCA lediglich neun Punkte auf seinem Konto. "Jetzt gilt es, einen stabilen Erstligisten zu formen", so Weinzierl mit Blick auf die neue Runde.

Dietmar Hopp: Relegation gegen die alte Liebe
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