Der Schiri im Rolli

Frank Reinel aus Regensburg ist Rollstuhlfahrer und Schiedsrichter aus Leidenschaft. Der 32-Jährige leitet deutschlandweit als einziger Unparteiischer Fußballspiele bei den Aktiven aus dem Rollstuhl heraus.

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Respekt auf dem Platz: Fußball-Schiedsrichter Frank Reinel hat das Spiel vom Rollstuhl aus gut im Griff.  Foto: 

Sein Wunsch für Weihnachten klingt bescheiden: "Erst einmal gesund werden", sagt Frank Reinel und meint damit nicht seine angeborene Gelenksteife, die ihn schon sein ganzes Leben lang an den Rollstuhl fesselt. Dem 32-jährigen Regensburger macht seit Mitte des Jahres eine gebrochene Kniescheibe zu schaffen. Ein Malheur, das den ehrgeizigen Mann die gesamte Hinrunde zur Tatenlosigkeit verdammte. Reinel ist begeisterter Fußball-Schiedsrichter, und seine Leidenschaft für das runde Leder lebt der Bayer voll aus.

Als im Juni bei einem Spiel, das er leitete, der Ball nach einem misslungenen Abwehrschlag unter seinen Untersatz rollte, verlor er das Gleichgewicht, sein Rollstuhl kippte um und er brach sich die Kniescheibe. "Dadurch war ich den ganzen Sommer auf Eis gelegt", beklagt er seine Zwangspause als Unparteiischer.

Unangenehme Zwischenfälle bleiben bei seinem Hobby natürlich nicht aus. Bei strömendem Regen lief einmal zu viel Wasser in die Elektronik seines Rollstuhls und löste einen Kurzschluss aus. Reinel musste die Pfeife an seinen Assistenten abtreten. "Ein anderer Schiedsrichter kann auch mal wegen einer Verletzung ausfallen", nahm er diesen Vorfall mit Humor. Auf beständiges Wetter ist der Schiri im Rolli angewiesen, wenn er 90 Minuten lang Radspuren im Gras hinterlässt. Eine gute Nachricht ist für ihn, wenn eine Partie in der A-Klasse, wo er hauptsächlich pfeift, auf Kunstrasen ausgetragen wird. Weicher Boden, sattes Gras - alles was die Spieler gerne haben, hält Reinel nur auf.

Ein anderes Hindernis, das ihm hin und wieder zu schaffen macht, ist die Infrastruktur auf vielen Sportplätzen. Die Zugänge und die Umkleideräume sind bei vielen Sportanlagen nicht behindertengerecht. "Die wenigsten sind barrierefrei", erläutert er. Wenn die Spieler zur Halbzeit an ihm vorbei in die Kabine marschieren, dann besorgt er sich eine Kabeltrommel und ein Ladegerät und lädt den Akku seines vierrädrigen Untersatzes auf. "Der würde schon 90 Minuten durchhalten, aber sicher ist sicher", sagt er. Ein Ladezyklus reicht für rund 15 Kilometer. Zwölf Stundenkilometer schnell fährt sein Rollstuhl, mit dem er sich auf den zirka 7000 Quadratmeter großen Plätzen bewegt. 12 000 Euro kostet ein Rollstuhl, die Krankenkasse übernimmt nur einen Teil der Kosten - "aber das ist mir die Sache Wert", sagt Reinel. Der 32-jährige Bayer versteht es, schnelle Kurven zu nehmen und vorausschauend zu fahren. "Ich antizipiere die Spielsituationen und weiß, wo ich mich aufzuhalten habe, ohne den Spielfluss zu stören", erklärt er und sieht gegenüber nicht behinderten Referees sogar einen Vorteil: "Ich sehe wegen meiner tieferen Position die Beine der Spieler besser."

Das ZDF sendete über ihn in der "Drehscheibe Deutschland", Zeitungen und Magazine berichteten ausführlich über den Idealisten mit Handicap. Kaum ein Fußball-Schiedsrichter weist eine solche Medienpräsenz auf, wie der 32-jährige Jurist. "Solche Popularität zu erlangen, war nie mein Anliegen", sagt Reinel. "Ich möchte für andere Rollstuhlfahrer ein Vorbild sein und ihnen zeigen, dass man mit seinem Schicksal nicht in der Ecke sitzen muss. Man kann auch im Rollstuhl aus seinem Leben einiges machen."

Als zweiter Vorsitzender war er maßgeblich an der Gründung des sozialen Sportvereins FC Inter Regensburg beteiligt, bei dem Menschen mit Einschränkungen Sport treiben können. Er kann es kaum erwarten, bis sein Knie wieder hergestellt ist und er wieder Spiele pfeifen darf. "Ein paar Ligen höher möchte ich schon noch pfeifen", sagt er voller Tatendrang. Dafür ist laut den DFB-Statuten eine Prüfung vorgesehen, die auch aus einer Laufdisziplin besteht. Wenn der Schiedsrichterausschuss grünes Licht gibt, dann steht seinem großen Ziel nichts mehr im Wege: "In der Kreisliga pfeifen. Da wäre ich nicht als Einzelkämpfer sondern mit einem Schiedsrichtergespann unterwegs."

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