Der Patient kehrt zurück

Die baden-württembergischen Zweitligisten sind zugleich die Underdogs. Mit kleinem Budget gibt es nur ein Ziel: Klassenerhalt. Der VfR Aalen kann dabei wieder auf seinen wiedergenesenen Chefcoach zählen.

|
Blitzheilung: Pünktlich zum Zweitliga-Auftakt kehrt Aalens Coach Ralph Hasenhüttl auf die Bank zurück. Foto: dpa

Vorgestern stand sein Verbleib beim VfR Aalen noch in den Sternen, gestern dann die spektakuläre Rückkehr auf die Trainerbank: Chefcoach Ralph Hasenhüttl überraschte gestern - von der Hantavirus-Erkrankung noch gezeichnet - die versammelte Presse mit seiner Wiedergenesung. Sein Verbleib beim Fußball-Zweitligisten von der Ostalb war nur zwei Tage zuvor von VfR-Sportdirektor Markus Schupp angezweifelt worden. Immer wieder habe es bei der fiebrigen Erkrankung des Österreichers Rückschläge gegeben.

Nun meldete sich Ralph Hasenhüttl nach seiner Blitzheilung selbst zu Wort: "Die Ärzte haben mir bei einer abschließenden Untersuchung grünes Licht gegeben. Ich soll zwar noch nicht Laufen, aber das war ohnehin nie meine Leidenschaft." Noch wenige Tage zuvor war es Spitz auf Knopf gestanden für den 44-Jährigen, der in einer Woche Geburtstag feiert: Nach wochenlanger Krankheit hatte der Verein bereits über eine Ablösung des Aufstieg-trainers nachgedacht. Dank Blitzgenesung bleibt jetzt jedoch alles beim Alten: Hasenhüttl sitzt mit Co-Trainer Michael Schiele und Sportdirektor Markus Schupp beim Saisonauftakt gegen den MSV Duisburg auf der Bank. Ebenso wie für die Hasenhüttl-Elf geht am Sonntag (13.30 Uhr) auch beim zweiten "Provinzklub" im Fußball-Unterhaus der Kampf um den Klassenerhalt los: Der SV Sandhausen startet zu Hause gegen den FSV Frankfurt.

Die strukturellen Voraussetzungen der beiden Underdogs der Liga sind ordentlich, aber im Vergleich zu Größen wie Hertha BSC Berlin oder 1. FC Köln äußerst bescheiden: Der Etat des VfR Aalen hat sich in etwa um die vier Millionen Euro erhöht, die der Verein durch die gestiegenen Fernsehgelder an Mehreinnahmen verbucht. Sportdirektor Markus Schupp wird nun mit 12,5 Millionen auskommen. Sein Pendant in der Landeshauptstadt, Michael Preetz, hat satte 45 Millionen Euro zur Verfügung.

"Durch die Steigerung der Fernseheinnahmen auf vier Millionen Euro zahlen die Hauptsponsoren etwa genauso viel wie in der Dritten Liga", sagt Aalens Präsident und Mäzen Berndt-Ulrich Scholz. In den Etat sind bereits die Investitionen in den Stadionausbau mit einer provisorischen Stahlrohr-Tribüne für die Heimfans eingerechnet. Diese ist im Falle eines direkten Abstiegs auch schnell wieder abgebaut.

Daran will jedoch beim VfR Aalen, der im Schnitt mit 8000 Zuschauern in der Scholz-Arena rechnet, keiner denken. "Ganz klar lautet das Saisonziel Klassenerhalt", sagt Milliardär Scholz. "Aber ich hoffe nicht, dass wir bis zuletzt darum bangen müssen. Die Mannschaft ist sicherlich gut genug aufgestellt, um dieses Ziel zu erreichen." Allerdings ist es auch kein Geheimnis, dass die beiden Hauptsponsoren Scholz und Imtech noch Mittel haben, um in der Winterpause noch einmal nachzulegen, falls das große Ziel in Gefahr ist.

Viele Abgänge haben die Aalener nicht zu verzeichnen. Der zuletzt sehr schlanke Kader wurde um fünf Spieler auf insgesamt 28 Akteure erweitert. Um bei der taktischen Aufstellung flexibler zu werden, wurden drei Mittelfeldspieler mit reichlich Zweitligaerfahrung sowie Michael Klauß von Mitaufsteiger SSV Jahn Regensburg verpflichtet. Die Testspielergebnisse gegen die Erstligateams von Celtic Glasgow (1:2) und Betis Sevilla (2:2) waren aufgrund eifriger Wechselaktivitäten in der Pause wenig aussagekräftig.

Etwa ein Fünftel so groß wie Aalen ist der 15 000-Einwohner-Ort Sandhausen im Rhein-Neckar-Kreis. Trotz des zu erwartenden Zweitliga-Rummels hat sich der Dorfklub ein Credo auferlegt: "Wir bleiben authentisch, glaubwürdig und echt, 100 Prozent Sandhausen", betont Klubchef Jürgen Machmeier.

Allerdings musste der SV Sandhausen tief in Tasche greifen, um sein Hardtwald-Stadion für die zweite Liga auszubauen: Die 2,5 Millionen Euro musste der SVS in Rasenheizung und Zusatztribünen investieren. Inzwischen liegt die Kapazität bei 12 500 Zuschauern und soll im Falle des Klassenerhalts auf die von der Deutschen Fußball-Liga (DFL) geforderten 15 000 aufgestockt werden. Eine ausverkaufte Spielstätte wird es dennoch nur selten in der ersten Zweitligasaison der Sandhäuser Geschichte geben: Mit einem Schnitt von 6000 Besuchern rechnet der Verein vor den Toren Heidelbergs.

Der Etat für die kommende Saison steht bei neun Millionen Euro. Vier Millionen verschlingen alleine die Spielergehälter der 25 Zweitliga-Profis. Ob Timo Achenbach von Alemannia Aachen, Fabio Morena vom FC St. Pauli oder Michael Langer vom FSV Frankfurt: Bei den allesamt ablösefrei angeheuerten Spielern wurde auf eine Mischung aus Zweitliga-Erfahrung und Einsatzwillen geachtet. Diese Kriterien erfüllte offenbar Angelos Charisteas nicht: Geschäftsführer Otmar Schork verzichtete nach Gesprächen mit dem griechischen Ex-Nationalspieler und "nach Abwägung aller sportlichen und wirtschaftlichen Aspekte" auf eine Verpflichtung.

Auch wenn der SVS bis zum Ende der Transferfrist am 31. August noch nach einem vierten Stürmer sucht, muss Trainer Gerd Dais zunächst mit Nicky Adler von Wacker Burghausen und den beiden Top-Torschützen der vergangenen Saison, Frank Löning und Regis Dorn ins erste Heimspiel gegen Frankfurt gehen. Dass die beiden letzten Testspiele gegen Regionalligist Hessen Kassel (1:4) und den spanischen Erstligisten Betis Sevilla (0:4) völlig daneben gegangen ist, macht den Chefcoach dabei nicht nervös: "Diese Niederlagen haben uns im Nachhinein sogar gut getan. Denn sie haben Fehler aufgezeigt, die im Training behoben wurden." Bei der Premiere gegen Frankfurt sind nur Torhüter Daniel Ischdonat und der etablierte Stürmer Frank Löning gesetzt. Der Rest muss nach den herben Testspielniederlagen wohl bis zuletzt um seinen Platz in der Startelf zittern.

In der laufenden Woche ging es für beide Teams nur noch um den Feinschliff für den ersten Auftritt auf der großen Fußball-Bühne. Dann wird sich zeigen, ob die Rolle des Underdogs zum Erfolg führen kann.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Teva streicht weltweit 14.000 Stellen

Die Ratiopharm-Mutter Teva will weltweit 14.000 Stellen streichen. In Deutschland hat der Konzern 2900 Mitarbeiter, die meisten arbeiten in Ulm. weiter lesen