Der ganz eigene Charme des DFB-Pokals

Sechstligist Sportfreunde Dorfmerkingen hält sich trotz der 0:5-Niederlage in der ersten DFB-Pokalrunde überaus wacker gegen Champions-League-Teilnehmer RB Leipzig.

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Luftduell zwischen Dorfmerkingens Carl Murphy (l.) und Leipzigs Dominik Kaiser – die Partie zwischen Sechstligist und Champions-­League-Teilnehmer war nicht so klar, wie das 5:0 klingt.  Foto: 

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und die Deutsche Fußball-Liga (DFL) wollen in naher Zukunft den DFB-Pokal reformieren. Die Pläne sehen unter anderem vor, dass die Klubs, die sich für einen europäischen Wettbewerb qualifiziert haben, erst zu einem späteren Zeitpunkt in den Pokalwettbewerb einsteigen. Die Amateure hingegen sollen sich in einer vorgeschalteten Runde untereinander erst für das Hauptfeld qualifizieren müssen.

Sollte dies so kommen, wäre es jammerschade. Denn dann käme es kaum noch zu Erstrunden-Begegnungen wie gestern in der Aalener Ostalb Arena  zwischen dem sechstklassigen Verbandsligisten Sportfreunde Dorfmerkingen, die am kommenden Wochenende die Punkterunde mit dem Spiel gegen den FC Albstadt eröffnet, und dem deutschen Vizemeister RB Leipzig, der im ersten Bundesligaspiel beim FC Schalke 04 zu Gast ist und der von Champions-League-Knüllern wie Real Madrid oder FC Chelsea träumt.

Dass auch und gerade die sogenannten David-gegen-Goliath-Duelle ihren ganz eigenen Charme haben, zeigte sich einmal mehr auf der harten Ostalb. Die Sachsen taten sich trotz der schnellen 1:0-Führung durch Marcel Sabitzer (4.) in der ersten Halbzeit ungemein schwer im Härtsfeld gegen die leidenschaftlich kämpfenden Amateure, um am Ende noch zu einem standesgemäßen 5:0 (1:0) zu kommen.

Die Dorfmerkinger warfen alles, was sie hatten, in die Waagschale. Torhüter Christian Zech, der seine Hochzeitsreise zum anfänglichen Unwillen seiner Frau verkürzt hatte, um dieses eine Spiel bestreiten zu können, wird eines Tages möglicherweise seinen Enkeln erzählen, wie er gegen den früheren Stuttgarter Nationalspieler Timo Werner einen Foulelfmeter (25.) großartig abwehrte und noch etliche andere Glanzparaden zeigte. Aber auch seine Kollegen auf dem Feld ließen die Gäste mehr als einmal schlecht aussehen.

Leipzigs Trainer Ralph Hasenhüttl, in der vergangenen Woche 50 Jahre alt geworden, musste gar die schwachen und bereits verwarnten Ralf Laimer und Dayot Upamecano  auswechseln, die sich oftmals nur durch Fouls der wackeren Schwaben erwehren konnten und Rot-gefährdet waren. Für Laimer kam Dominik Kaiser aus dem nahen Waldstetten ins Spiel, der  am Durchmarsch der Bullen von der Regional- in die Bundesliga maßgeblich beteiligt war.

Im zweiten Durchgang legten die Leipziger, erneut begünstigt durch das schnelle Sabitzer-Tor zum 2:0 (47.), deutlich zu. Für Helmut Dietterle, den erfahrenen Gästecoach, war es nun ein mitreißendes Spiel. „Ein Riesenkompliment an die Leipziger. Sie haben uns ernst genommen. Es war richtiger, echter Fußball von beiden Mannschaften, ein echter Fight, wie es im Pokal sein soll.

Für die Anhänger des 1000-Seelen-Weilers Dorfmerkingen  war es das seit langem ersehnte Fußballfest. „Oh, wie ist das schön“, stimmte die Fankurve bereits nach einer halben Stunde an. Über 100 Vereinsmitglieder waren im Einsatz: sei es bei der Feuerwehr, als Balljunge oder zuständig fürs Catering. Lediglich die Security war in fremder Hand. Damit bleibt trotz hoher Abgaben an den Verband unter dem Strich eine Einnahme, die den gesamten Jahresetat (120 000 Euro) abdecken dürfte.  Für die Gastgeber war es also auch in dieser Hinsicht ein erfolgreicher Nachmittag. Und es wäre wirklich schade, wenn sich solche Spiele in dieser Form aufgrund von Pokal-Reformen nicht mehr so häufig ergeben würden.

Am Ende des intensiven Pokalfights bekamen nicht etwa die Dorfmerkinger Amateure Krämpfe, sondern der Leipziger Neuzugang Bruma. Als „Entkrampfer“ half ihm Abwehrspieler Felix Gruber vom sechs Klassen tiefer spielenden Verbandsliga-Aufsteiger.  Gruber hatte nach 89 Minuten noch die Kraft, den Krampf aus Brumas Beinen zu drücken. Auch die Fans beider Lager gingen erfreulich fair miteinander um. Am Ende riefen die Leipziger „SFD“, die Gastgeber revanchierten sich im Wechselgesang mit einem „RBL“. Anti-Leipzig-Transparente und -Gesänge, wie in vielen Bundesliga-Spielen häufig festzustellen, gab es in der Aalener Ostalb Arena nicht. gek

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