Dellings Kolumne: Erfolg als Normalität

TV-Moderator Gerhard Delling über die Erfolgsgeschichte des FC Bayern München.

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TV-Moderator Gerhard Delling beleuchtet für unsere Zeitung regelmäßig das aktuelle Sportgeschehen.  Foto: 

Frank Ribéry schaut interessiert auf den Fernseher, der in der kleinen Hotelbar aufgestellt ist und der gerade das Spiel Casablanca gegen Südamerika-Meister Mineiro zeigt. Vor sich eine von diesen orientalisch anmutenden Teekannen, neben sich Mitspieler David Alaba und um sich etwa ein Dutzend anderer Hotelgäste. Ein paar Meter weiter sitzt Claudio Pizarro, lächelnd, mit perfekt gestyltem Haar. Er unterhält sich locker mit einem Bekannten. Die Tür schwingt auf, und herein kommt ein fröhlicher Rafinha, dieses Mal ohne seine Gitarre. Aber auf mein Frage, ob er sie dabei habe, antwortet er mit einem vielsagenden Blick, na klar, sie ist immer dabei.

Der Eindruck täuscht nicht. Spieler und Funktionäre des FC Bayern München sind gut drauf. Karl-Heinz Rummenigge, der gleich sein Abendessen mit Uli Hoeneß genießen wird, bestätigt den Eindruck: "So ruhig war es noch nie bei uns."

Dabei hat sich beim FC Bayern so viel getan hat wie lange nicht mehr. Der Verein hat sich verändert, kein zur Schau getragenes "Mir-san-Mir" mehr, stattdessen Erfolg als Normalität. Heute wird die Mannschaft aller Voraussicht nach das größte Jahr der Vereinsgeschichte mit dem fünften Titel beschließen, dem erstmaligen Gewinn der Fußball-Klubweltmeisterschaft. Finanziell mit einer direkten Siegprämie von 3,65 Mio. Euro das lukrativste Weihnachtsgeschenk, das jemals unter dem Tannenbaum lag. Und für das Image ein Schritt in neue Dimensionen.

Vater des Erfolges ist natürlich immer noch Uli Hoeneß. Aber prägend, und das ausgerechnet im erfolgreichsten Jahr der Bayern, sind andere. Der Präsident hat genug mit sich und seinem bevorstehenden Strafprozess zu tun. Der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge hält sich wie eh und je gern beobachtend und vorsichtig beeinflussend im Hintergrund.

Das Kommando hat ein anderer übernommen, der Trainer. Pep Guardiola macht, was er will, und er will immer ganz viel machen. In diesem Punkt könnte er der Zwillingsbruder von Matthias Sammer sein, der andere aktuelle Macher bei den Bayern. Er ist viel beim Trainer und bei der Mannschaft. Das perfekte Back-up für den neuen Fußballkurs. Auch Sammer spricht immer wieder mit den Spielern, fast so intensiv wie Guardiola. Der will seine ganz eigene Spielweise umgesetzt sehen, und weil das Erfolg hat, wollen das nun auch so ziemlich alle anderen. Wer es nicht will, oder sagen wir noch nicht so ganz wollen kann, der wird es lernen müssen. Guardiola ist sehr emotional, wenn es um seinen Fußball geht. Aber vor allem ist er hoch professionell. "Ich bin der Chef, es wird genauso gemacht, wie ich es sage."

Das funktioniert. Zwar nicht bei Innenverteidiger Dante, der zuletzt nicht so agierte, wie es dem Startrainer ins Konzept passte und der sich deshalb in aller Öffentlichkeit eine Taktikpredigt anhören musste. Aber ansonsten können alle gut damit leben. Deswegen bewegen sich hier im exklusiven Hotel in Marrakesch die Bayern-Spieler und -Verantwortlichen so locker und leichtfüßig durch die mit modernem Weihnachtsschmuck angenehm ausstaffierten Räumlichkeiten. Und strahlen die fröhliche Gewissheit aus, dass heute Abend die WM-Trophäe in ihren Händen landen wird.

Selbst die meisten Casablanca-Fans sind sich sicher, dass es genau so ausgehen wird. Schon allein, weil fast alle so denken, wird es so kommen. Denn das macht das Münchner Star-Ensemble nicht nur lockerer, sondern immer selbstbewusster. Vielleicht gilt das heute Abend auch schon wieder für Dante.

 

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