Cristiano Ronaldos extremes Jahr

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FIFA-Präsident Gianni Infantino (r) übergibt Cristiano Ronaldo die Trophäe. Foto: Patrick Seeger

Im erfolgreichsten Jahr seiner Karriere wurde die Fußball-Maschine Cristiano Ronaldo ein Stück weit Mensch. Unvergessen der tränenreiche Auftritt beim EM-Triumph in Paris, als er verletzt von der Seitenlinie seine portugiesischen Teamkollegen zum Finalcoup über Frankreich peitschte.

Die personifizierte Ich-AG des Weltfußballs vollendete seinen größten Triumph als Teamplayer. Als Symbol der Vormachtstellung gab es für den 31-Jährigen am Montagabend in Zürich zum vierten Mal die Auszeichnung als besten Spieler des Jahres durch den Weltverband FIFA vor seinem Dauerrivalen Lionel Messi und Frankreichs EM-Liebling Antoine Griezmann.

Allerdings ereilten den sonst bis zur Groteske arrogant wirkenden Ronaldo vergangenes Jahr seine bislang größten Negativschlagzeilen abseits des Platzes. Zwar konnten die medialen Vorwürfe, mit Steuertricks mehrere Millionen Euro hinterzogen zu haben, in der den normalen Maßstäben entrückten Fußball-Welt nur noch wenig schocken. Sein Manager beeilte sich jedoch, die Berichte zurückzuweisen und verwies darauf, dass Ronaldo gegenüber den Steuerbehörden ein Vermögen von mehr als 227 Millionen Euro deklariert habe. 

Schon bald versuchte Jorge Mendes seinen Mandanten mit Zahlen in ähnlich astronomischer Höhe wieder ins gewohnte Licht zu rücken. Ein chinesischer Club wolle den Real Madrids Superstar aus Spanien weglocken, im Raum stehe dafür eine Ablösesumme von 300 Millionen Euro und ein Jahresgehalt von mehr als 100 Millionen. „Geld ist nicht alles“, versicherte Mendes aber gleichzeitig. „Real Madrid ist sein Leben.“

Und Portugal. Mit dem ersten Titel für sein Heimatland schloss Ronaldo im EM-Finale am 10. Juni 2016 die letzte Lücke in seinem perfekten Fußball-Lebenslauf. „Persönlich war das der beste Moment in meiner Karriere“, schwärmt er auch ein halbes Jahr später noch.

Natürlich sei es toll, wie in diesem Jahr die Champions League und die Club-WM oder auch den Ballon d'Or zu holen. „Aber wenn du etwas für dein Land gewinnst, ist das etwas ganz anderes. Und etwas mit Portugal etwas zu gewinnen, ist ganz anders als mit Brasilien, Argentinien oder Deutschland - es ist viel schwerer.“

Natürlich kommt es Ronaldo weiterhin auf die Außendarstellung an. Mitte Dezember wurde er mit dem Ballon d'Or der französischen Zeitung „France Football“ ausgezeichnet und ließ es sich vergangenes Wochenende nicht nehmen, seine umfangreiche Trophäensammlung vor dem Ligaspiel gegen Eibar auf dem Rasen des Estadio Bernabeu zu präsentieren. Dabei zeigte Ronaldo auch in sozialen Netzwerken stolz das nächste ihm gewidmete Werk seines Schuh-Ausstatters - standesgemäß mit dem Schriftzug CR7 und goldener Sohle.

Seine Motivation sei, „dass mein Name immer ganz oben steht“, bekannte Ronaldo kurz vor der vierten Kür zum FIFA-Weltfußballer. Das Dauer-Duell mit seinem ewigen Rivalen Messi treibt ihn weiter an. Noch hat der Argentinier eine Weltfußballer-Trophäe mehr abgeräumt; so dürfte Ronaldo nicht vorher ruhen, bevor er auch in dieser Kategorie die Oberhand behält. Er wolle seine Karriere bei Real beenden, „aber erst wenn ich 41 bin“, sagte er halb im Scherz, halb im Ernst.

Doch wie lange wird Ronaldo sein Team noch dominieren? Der jahrelange Anführer ist zumindest in der Madrider Presse nicht mehr sakrosankt. „Ronaldo ist nur noch ein Teil des Real-Teams, er ist nicht mehr alles“, analysierte die „AS“ zum Jahresbeginn. Real sei „immer weniger abhängig von Cristiano“. Ronaldo wird alles tun, um seinen Kritiker wieder einmal das Gegenteil zu beweisen.

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