Bundesliga im Schatten der Skandale - Hoeneß wieder Bayern-Präsident?

Mit dem traditionsreichen Gastspiel des FC Bayern beim Hamburger SV beginnt an diesem Freitag die Rückrunde der Fußball-Bundesliga. Doch die Spielmacher auf und neben dem Rasen üben sich in Zurückhaltung.

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Beim DFL-Empfang (v. l.): Wolfsburg-Macher Klaus Allofs, der einstige DFB-Boss Wolfgang Niersbach, DFL-Chef Christian Seifert, DFB-Manager Oliver Bierhoff.  Foto: 

Es fehlt der Dampf auf dem Kessel. Kaum ein Klub, der sich mit mutigen Prognosen und überzeugenden Ergebnissen auf das traditionell höchst aufregende Frühjahr einstimmt. Es mag an den harten Minusgraden liegen, die sich zum ungünstigsten Zeitpunkt über die Republik gelegt haben. Oder wirken die schweren Skandale, mit denen sich der Fußball im vergangenen Herbst weltweit zu plagen hatte, noch nach?

Die Worte, die Christian Seifert, der vorsitzende Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga, beim hauseigenen Neujahrsempfang gestern in Frankfurt formulierte, lassen zumindest auf letzteres schließen. Der DFL-Chef Christian Seifert forderte eine Aufarbeitung der Vorwürfe, die von unlauterem Geschäftsgebaren bis zu Korruption und Bestechlichkeit reichen. "2015 war ein schweres Jahr - auch und besonders für den Fußball. Vieles an dem Sport, der uns so am Herzen liegt, wirkte irritierend, manches auch verstörend", sagte Seifert. "Wir alle dürfen nie vergessen, dass es gute Gründe dafür gab, dass die Glaubwürdigkeit der internationalen und teilweise auch nationalen Institutionen sehr gelitten haben." Nach dem Skandal um die Vergabe der Weltmeisterschaft 2006 sei die DFL in Gesprächen mit dem Deutschen Fußball-Bund. Seifert betonte aber auch: "Echtes Vertrauen entsteht nur über die Zeit." Er mahnte die zahlreichen anwesenden Manager und Spitzenfunktionäre aus der Liga: "Nicht wir haben diesen Sport so bedeutsam gemacht, sondern er uns."

Beim FC Bayern, traditionell Primus der Branche und aktueller Tabellenführer in der Bundesliga, hat sich nach Bekanntwerden der vorzeitigen Haftentlassung des ehemaligen Vereinspräsidenten zumindest abseits des Rasens Euphorie entfacht. Die Rückkehr des Topmanagers in das Fußballgeschäft steht bevor - vielleicht sogar als Kluboberster der Münchner. Karl Hopfner, der Hoeneß als Präsident gefolgt war, hat bereits angekündigt, dass er den Weg frei machen würde.

Bei den Bayern gehen viele davon aus, dass Hoeneß als Präsident zurückkehren wird. Im Spätherbst steht eine Mitgliederversammlung an, bei der sich der 64-Jährige zur Wahl stellen könnte. Hopfners Amtszeit läuft dann aus. Laut Bild-Zeitung will Hoeneß am 1. Juli eine Entscheidung verkünden. Vor seinem Haftantritt am 2. Juni 2014 hatte er bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung bereits trotzig erklärt, er werde zurückkommen. "Das war's noch nicht", rief er damals den Fans emotional zu.

Seitdem ist es ruhig geworden, und deshalb müsse "zuerst Hoeneß den Schritt machen", betonte Hopfner. Er müsse sagen, "ich möchte dieses oder jenes im Klub noch mal erreichen - oder gerade nicht. Und dann sieht man weiter." Die wahrscheinlichste Variante ist, dass Hoeneß wie bereits von 2009 bis 2014 wieder das Präsidentenamt übernimmt. Hopfner würde Chef des mächtigen Aufsichtsrats bleiben.

Muntere Zukunftsmusik in München, dagegen müssen Offizielle und Anhänger von Schalke 04 eine eher nüchterne Nachricht verarbeiten: Der am Oberschenkel verletzte Weltmeister Benedikt Höwedes kann wohl erst im Saisonendspurt wieder eingreifen. Schalkes Sportvorstand Horst Heldt ist auf der Suche nach einem Ersatzmann, den er sofort verpflichten kann.

Allgöwer steigt als Berater beim VfB ein

Vereinsikone Karl Allgöwer kehrt als sportlicher Berater zum VfB Stuttgart zurück. Der 58-Jährige solle an der Erneuerung des fünfmaligen Meisters mitwirken und die sportliche Kompetenz erhöhen, so erklärte Präsident Bernd Wahler (57) beim Neujahrsempfang des VfB. "Der Strukturwandel geht weiter, der Veränderungsdruck bleibt hoch. Der Verein hat viel zu lange von seiner Vergangenheit gelebt", sagte Wahler. Allgöwer absolvierte zwischen 1980 und 1991 insgesamt 338 Spiele für den VfB und erzielte 129 Tore. Für die Nationalmannschaft kam er zehn Mal zum Einsatz, 1986 stand er im WM-Aufgebot. Allgöwer soll beim VfB die Entscheidungen der sportlichen Leiter diskutieren, an Transfers mitarbeiten, aber auch im Marketing sowie im Dialog mit Fans aktiv werden.

 

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