Bayern, Frankfurt, BVB: Emotionen sind garantiert

Torjäger Alexander Meier, Trainer Jürgen Klopp und die Meistermannschaft des FC Bayern München stehen abseits des Abstiegskampfes im Fokus. Mit einem Leitartikel von Wolfgang Scheerer: Fußball - Nicht nur Kopfsache.

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Hofft, dass 19 Treffer für die Torjägerkanone reichen: Alexander Meier. Foto:dpa  Foto: 

Gleich an drei Schauplätzen wird es am Wochenende in der Fußball-Bundesliga auch ohne sportliche Brisanz emotional hoch hergehen: Während Alexander Meier von Eintracht Frankfurt auf Krücken um die Torjägerkanone zittert, verabschiedet sich Jürgen Klopp vom Dortmunder Publikum. Der FC Bayern hat ein Party-Wochenende vor sich.

Los geht's mit der Gänsehautstimmung beim Anpfiff der Partie Borussia Dortmund gegen Werder Bremen heute um 15.30 Uhr. Tränen sind garantiert, wenn Klopp vor 80 667 Zuschauern in der ausverkauften Dortmunder "Fußball-Oper" sein letztes Bundesligaspiel bestreitet. Es wird ein Spiel "mit einer speziellen Atmosphäre", sagte Klopp. Eine offizielle Verabschiedung vor dem Anpfiff lehnte er ab. "Was allerdings nach dem Abpfiff passiert, weiß ich nicht", so Klopp.

Mit dem zeitgleichen Abpfiff in Frankfurt wird auch feststehen, ob Eintracht-Stürmer Alexander Meier nach der Partie gegen Leverkusen die Kanone für den besten Torschützen erhält. Es wäre eine Krönung auf Krücken, denn Meier ist seit Wochen am Knie verletzt, aber er führt die Torjägerliste noch immer souverän an. Meier hat 19 Tore erzielt, dahinter folgen der ebenfalls verletzte Arjen Robben mit 17 sowie Robert Lewandowski (beide Bayern München) und Bas Dost (Wolfsburg) mit je 16 Treffern. Das sollte reichen für den Gewinn der Kanone, meinen jedenfalls alle außer dem Frankfurter selbst. "Das wird schwer für mich, ich muss ja noch mindestens drei Tore schießen", sagt Lewandowski.

Doch auch der Bayern-Stürmer wird am Wochenende auf jeden Fall feiern. Nach dem verpassten Triple und Double gibt es eine ausgiebige Party über zwei Tage anlässlich der 25. Meisterschaft. Vor dem Spiel gegen den FSV Mainz 05 treten bereits Blas- und Trachtenkapellen sowie Böllerschützen auf. Danach darf die obligatorische Weißbierdusche und der Konfettiregen mit Übergabe der Meisterschale nicht fehlen. Und am Sonntag geht's um 14 Uhr zum Rathausbalkon am Marienplatz, wo die Bayern-Spieler mit ihren Teamkolleginnen zusammentreffen, die vor zwei Wochen ebenfalls den Meistertitel perfekt gemacht haben.

Leitartikel von Wolfgang Scheerer: Fußball - Nicht nur Kopfsache

Es wird Tränen geben. Mehr als sonst am 34. und letzten Spieltag der Fußball-Bundesliga. Weil es im Abstiegskampf spannend ist wie nie. Und es wäre sogar erfreulich, wenn es bei feuchten Kulleraugen bliebe. Angesichts einer zunehmenden Gewaltbereitschaft in den Fan-Lagern einiger Klubs ist das jedenfalls nicht selbstverständlich.

Tieftraurig müssen die einen Getreuen also heute ihren Verein in die zweite Liga begleiten, während die anderen den Klassenerhalt feiern. Freudentränen sind die schönsten. Sportlich gesehen, ist dieser 23. Mai ein Tag der großen Emotionen. Bezahlsender, öffentlich-rechtliches Fernsehen und Radio freuen sich auf Top-Quoten, auch in der Welt der Klickzahlen wird der Fußball-Krimi für einen Extra-Kick sorgen.

Anpfiff ist um 15.30 Uhr - gefolgt vielleicht vom Abpfiff für den VfB Stuttgart, Hannover 96, den Hamburger SV, den SC Freiburg, den SC Paderborn? Alle fünf könnten direkt absteigen. Zwei Vereine erwischt es definitiv, der dritte rettet sich als Drittletzter zunächst in die so genannte Relegation. Das bedeutet eine weitere Chance gegen den drittplatzierten Zweitligisten.

Schützenhilfe brauchen weder der VfB Stuttgart noch der SC Freiburg, wenn sie selbst gewinnen. Die Freiburger gehen nach dem Überraschungserfolg gegen Bayern München ähnlich selbstbewusst in dieses finale Punktspiel wie die Stuttgarter nach zuletzt zwei Siegen.

Gerade beim VfB war das so nicht unbedingt zu erwarten nach einer Saison mit allen Zutaten für den zweiten Bundesliga-Abstieg der Vereinsgeschichte nach 1975: Machtspiele, Indiskretionen, Turbulenzen in der Führung. Erst wurde Sportvorstand Fredi Bobic als Sündenbock für die Misserfolge gefeuert, wenig später warf "Wunschtrainer" Armin Veh frustriert die Brocken hin.

Kaum war Huub Stevens, Retter in der ebenfalls verkorksten vorigen Saison, erneut verpflichtet, stand auch er schon wieder zur Debatte. Noch schlimmer: Hinter seinem Rücken bandelte der VfB mit dem designierten Nachfolger an. Das blieb nicht unter der Decke. In der Folge musste Ex-Stürmerstar Hansi Müller den Aufsichtsratsjob aufgeben.

Das Crescendo der Nebengeräusche wurde auch zur Dauerbeschallung für ein Team unter enormem Druck. Die "Roten" sollten Resultate liefern und taten es nicht. Strafversetzungen in die zweite Mannschaft blieben nicht aus. Trainer-Routinier Stevens wirkte immer angekratzter, weil seine Spieler sich bietende Chancen leichtfertig vergaben. Reine Nervensache?

Fußball auf hohem Niveau spielt natürlich auch im Kopf. Wie schnell selbst ein Spitzenteam Probleme bekommen kann, hatte in aller Ausführlichkeit ja Borussia Dortmund mit (einem völlig ratlosen) Trainer Jürgen Klopp demonstriert.

Dass der VfB wieder in der Bredouille steckt, ist nach fünf Jahren in ähnlicher Bedrängnis aber nur bedingt mit mentalen Schwächen zu erklären. Nach dem Titel 2007 und Champions-League-Auftritten hat die Klasse der Spieler nicht mit dem Anspruchsdenken im Klub Schritt gehalten. Steigen die Stuttgarter ab, reguliert sich die Erwartungshaltung automatisch. Gelingt der Klassenerhalt in letzter Minute, muss das endgültig Anlass zum Umdenken sein. Neue Bescheidenheit ist die erste Voraussetzung, um wieder höhere Ziele anzupeilen. Und die zweite: Kontinuität in allen Positionen - Vorstand, Trainer, sportliche Leitung. Dauernder Wechsel sorgt für Unruhe, für Verunsicherung.

Gelingt es dem VfB nicht, zu schwäbischer Solidität in Personalfragen zurückzufinden, bleibt die Zukunft schwierig. Auch wenn heute der Klassenerhalt glückt.

Der andauernde Wechsel richtet beim VfB viel Schaden an.

leitartikel@swp.de

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