Auftaktsieg: DFB-Elf 3:2 gegen Außenseiter Australien

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Beim Abpfiff ballte Bundestrainer Joachim Löw beide Fäuste. Foto: Marius Becker

Joachim Löw riss kurz die Arme in die Höhe und lächelte nach dem positiven Start seines Confed-Cup-Experimentes.

Nach dem anfangs dominanten, aber am Ende wackligen 3:2 (2:1) gegen den schwächsten Gruppengegner Australien konnten sich weder der Bundestrainer noch sein unerfahrenes Team in Sotschi lange mit dem Jubeln aufhalten. Der Weltmeister hatte es eilig.

Schon zwei Stunden nach dem Abpfiff sollte der Charterflieger nach Kasan abheben, wo am Donnerstag Löws Turnierfaforit Chile der nächste Gegner ist. „Mit einem Sieg können wir gut leben. Ich bin sehr zufrieden“, resümierte Löw nach 90 turbulenten Fußballminuten im Olympiastadion von Sotschi. „Mit dieser neuen Mannschaft haben einige Ansätze sehr gut geklappt“, lobte der Bundestrainer und bat zugleich, „die Erwartungen auch nicht zu hoch zu stecken.“

Trotz ärgerlicher Gegentore und einigen Wacklern ebnete der Erfolg der unerfahrenen Weltmeistervertretung den Weg Richtung Halbfinale. „Das erste Turnierspiel ist immer wichtig. Wir stehen mit drei Punkten da, und das ist erst mal gut“, sagte Kapitän Julian Draxler. „Man muss der Mannschaft ein Kompliment machen. Es war ein hartes Stück Arbeit“, resümierte Abwehrchef Shkodran Mustafi.

Vor 28 605 Zuschauern schossen der Gladbacher Turnierneuling Lars Stindl (5. Minute), Weltmeister Draxler (44./Foulelfmeter) und der starke Schalker Leon Goretzka (48.) den verdienten Sieg heraus. In einigen Momenten der Schwäche erlaubte das DFB-Team dem limitierten Asienmeister aber auch das 1:1 durch Tommy Rogic (41.) und das 3:2 durch Tomi Juric (56.). Torwart Bernd Leno patzte sowohl beim Distanzschuss von Rogic als auch vor dem Abstauber von Juric. Löw urteilte dennoch nachsichtig: „Der erste Schuss mit Vollspann war nicht so leicht zu halten. Den zweiten Ball könnte er festhalten.“

Löw störte eigentlich nur, dass sein Team gerade in der dominanten ersten Hälfte nicht eine höhere Führung herausschießen konnte. Der eingewechselte Leipziger Timo Werner verpasste später mit einem Pfostenschuss die mögliche Vorentscheidung zum 4:2 (75.). Am Ende geriet der deutsche Erfolg bei einigen guten Aktionen der Australier sogar noch in Gefahr, weshalb Löw nach dem Schlusspfiff neben der Freude auch Erleichterung über den Auftaktsieg anzusehen war.

Am Donnerstag geht es in Kasan gegen Chile, das sein Auftaktspiel gegen Kamerun 2:0 gewonnen hatte, praktisch schon um den Gruppensieg. „Das wird ein Spiel auf einem anderen Level“, sagte Löw. „Da müssen wir uns steigern“, forderte auch Kapitän Draxler.

Die offensive Ausrichtung, die Löw gewählt hatte, zeigte gegen die Australier sofort Wirkung. Der erste gefährliche Angriff führte nach einer sehenswerten Kombination zum Führungstreffer. Eingeleitet vom Leverkusener Leno über Joshua Kimmich ging es sehr schnell über Goretzka zu Julian Brandt, der auf dem rechten Flügel nach vorne stürmte und klug zurückspielte auf Stindl. Mit einem überlegten Schuss schloss der Gladbacher zu seinem ersten Länderspieltor ab.

Nach dem frühen Tor entwickelte sich zunächst ein dominanter Auftritt des unerfahrenen Teams von Löw, das das Spiel lange diktierte und schon erstaunliche Automatismen aufwies. Erst in der zweiten Hälfte schlichen sich einige Unsicherheiten und Unkonzentriertheiten ein.

Vor allem über die rechte Seite funktionierte das Zusammenspiel des agilen Goretzka mit dem schnellen Brandt immer wieder sehr gut. Löw lobte besonders den Schalker Goretza für eine „sehr starke“ Leistung.

Aus einer 3-5-2-Formation heraus gab es gute Kombinationen und gute Chancen, etwa zweimal durch Sandro Wagner (16./23.). Brandt scheiterte am guten australischen Schlussmann Mathew Ryan (27.).

Später schlichen sich Fehler ein. Nach einem Ballverlust von Draxler im Mittelfeld traf Rogic im zweiten Versuch. Den wuchtig getretenen Ball ließ Leno ins Tor rutschen. Der zum Turnier-Kapitän auserwählte Draxler übernahm nach seinem Fehler dann mit dem 100. Elfmeter-Tor in der deutschen Länderspiel-Historie Verantwortung. Goretzka war zuvor von Massimo Luongo gefoult worden.

Nach dem Wechsel kam bei den Australiern der frühere Bundesliga-Profi Robbie Kruse zur Belebung des Angriffsspiels - was sich bezahlt machte. Vor dem zweiten Gegentor ließ Leno den Ball nach vorne abprallen, so dass Juric zum 3:2 traf. Der Treffer wurde erst nach dem Videobeweis wegen des Verdachts auf ein Handspiel gegeben. Bei Chancen von James Troisi, Kruse und Juric konnte sich am Ende auch Leno an seinem unglücklichen Fußballabend noch etwas hervortun.

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