Konflikt beim DFB

Nationalelf-Manager gibt Fehler zu - Joachim Löw bleibt stur

Warschau/Frankfurt.  Joachim Löw muss sich trotz seiner ungeklärten Situation keine Sorgen um seine Zukunft machen. Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff bemüht sich um eine Deeskalation im Streit mit dem DFB.

Die Vertragsverhandlungen mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) liegen auf Eis, Sorgen um seine Zukunft muss sich Joachim Löw aber nicht machen. Der Bundestrainer, dessen Kontrakt mit dem DFB nach der WM in Südafrika im Sommer ausläuft, ist nach dem Machtkampf mit der Verbandsspitze nun auch wieder bei anderen Nationen ein Kandidat.

So soll Löw vor allem bei der Türkei, die pikanterweise der deutschen Mannschaft für die Qualifikation zur Euro 2012 in Polen und der Ukraine zugelost wurde und derzeit auf Trainersuche ist, wieder der Topfavorit auf die Nachfolge von Fatih Terim sein. Allerdings sucht die Türkei kurzfristig einen Coach, Löw aber ist erst nach der WM frei. "Wer weiß, was nach der WM passiert", meint er vielsagend.

Eine vorzeitige Vertragsverlängerung mit dem DFB schloss der 50-Jährige noch einmal kategorisch aus. "Das kommt für mich nicht mehr infrage. Ich bin immer noch stark verärgert über die Vorkommnisse der vergangenen Tage. Ich habe unserem Präsidenten mitgeteilt, dass ich keine Gespräche mehr führen werde", sagte Löw.

Zudem machte der Bundestrainer noch einmal seine Unterstützung für Teammanager Oliver Bierhoff deutlich: "Wir sind ein Team. Wir haben in der Vergangenheit exzellent zusammengearbeitet und wollen das auch weiter tun. Wir haben gesagt, dass wir nur alle gemeinsam verlängern - das gilt auch für Hansi Flick, Andi Köpke und Urs Siegenthaler. Ich denke, wir haben gezeigt, dass wir mit diesem Team sehr gute Arbeit leisten."

Der frühere DFB-Kapitän Bierhoff, der von DFB-Präsident Theo Zwanziger für das Scheitern der Vertragsgespräche verantwortlich gemacht wird, wehrte sich unterdessen gegen die Rolle des alleinigen Buhmanns. "Da sind viele Unwahrheiten verbreitet worden. Tatsache ist, dass ich keinen Alleingang gestartet habe und auch die Verhandlungen nicht alleine geführt habe. Jogi und ich haben als Team agiert."

Gestern versuchte Bierhoff, die Differenzen zwischen ihm und Löw auf der einen sowie Zwanziger und DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach auf der anderen Seite abzumildern. "Am liebsten wäre mir jetzt ein Gespräch mit allen Beteiligten, um die Dinge zu klären", sagte Bierhoff. Das könnte weit mehr bringen "als mehrere Einzelgespräche über die nächsten Wochen".

Aus Sorge um eine störungsfreie WM-Vorbereitung und ein Stück auch erschrocken über die Kritik an seiner Rolle im Vertragspoker mit dem DFB möchte Bierhoff zumindest eine tragfähige WM-Allianz schaffen. "Es gab auch in der Vergangenheit immer wieder schwierige Momente, nach denen man wieder zueinander gefunden hat. Daran werden wir jetzt arbeiten", so Bierhoff.

Während Löw sich am Montag in Arbeit flüchtete und sich mit seinen engsten Vertrauten aus dem Trainerstab zu einem WM-Workshop traf, versuchte Bierhoff als gescheiterter Verhandlungsführer der Nationalmannschafts-Fraktion, mehr oder weniger versteckte Signale für eine Deeskalation zu setzen. Das für eine Vertragsverlängerung zunächst eingeforderte Vetorecht bei der Bestimmung eines möglichen neuen Bundestrainers sei "keine Bedingung für ein Weitermachen", sagte er. "Man muss es auch akzeptieren, dass der DFB seine Position hat", betonte Bierhoff. Vor den Kameras hob er nochmals das "nicht zu akzeptierende" 48-Stunden-Ultimatum der DFB-Oberen im Vertrags-Poker hervor, schloss jedoch an: "Das ist aber so passiert. Es ist unglücklich. Jetzt müssen wir versuchen, Ruhe reinzubringen." Zugleich räumte der ehemalige Nationalstürmer auch eigene Fehler ein. "Natürlich würde man im Nachhinein versuchen, das eine oder andere anders zu präsentieren." Es wäre verkehrt zu sagen, "man habe alles richtig gemacht." sid/dpa


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