"Wir werden schnell lernen"

Während der VfR Aalen in die 3. Liga absteigt, feiert ein Trainer mit VfR-Vergangenheit den Bundesliga-Aufstieg. Ralph Hasenhüttl hat beim FC Ingolstadt aus einem Kellerteam eine Meistermannschaft geformt.

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Die Gegensätze können kaum größer sein: Während der VfR Aalen nach der 2:4-Niederlage gegen Heidenheim den Abstieg in die Drittklassigkeit bedauert, krönt sich nur rund 150 Kilometer entfernt ein Österreicher mit Aalener Vergangenheit zum Fußballkönig der 2. Bundesliga. Ralph Hasenhüttl hat Aufstieg und Meisterschaft mit dem FC Ingolstadt gesichert und befindet sich mit 47 Jahren am vorläufigen Höhepunkt seiner Karriere.

Die Aalener dürften neidvoll nach Oberbayern schauen, schließlich hat der VfR auch mit dem Grazer seine erfolgreichsten Jahre gefeiert. Hasenhüttl übernahm den Ostalb-Klub im Januar 2011 auf dem 16. Platz der 3. Liga und schaffte nur eine Saison später den Aufstieg in die 2. Bundesliga. Trotzdem hätte der bodenständige Wahl-Münchner daraufhin fast seinen Job verloren. Der ungeduldige Verein war bereits auf der Suche nach einem Nachfolger, als Hasenhüttl wegen einer Hantavirus-Infektion drei Wochen ausfiel. Zwar kehrte der Erfolgscoach noch rechtzeitig zum Saisonbeginn zurück, doch es war der Anfang vom Ende der Zusammenarbeit unter dem damaligen VfR-Sportdirektor Markus Schupp.

Nachdem Hasenhüttl mit dem Klub von der Ostalb die Saison 2012/2013 als bester Aufsteiger auf dem neunten Tabellenplatz abgeschlossen hatte, verließ er den Verein auf eigenen Wunsch im Sommer. Die internen Querelen mit Schupp und die immer größer werdenden Finanzprobleme des Vereins hatten den Österreicher zu dem harten, aber im Nachhinein richtigen Schritt bewegt.

Den FC Ingolstadt übernahm der Österreicher im Oktober 2013 in einer ähnlich prekären Situation wie 2011 die Aalener. Der FCI zierte mit sieben Punkten das Tabellenende. Und während aktuell in Aalen hitzig diskutiert wird, ob Drittligafußball für den VfR überhaupt finanzierbar ist, hat Hasenhüttl binnen eineinhalb Jahren den Aufstieg ins Fußball-Oberhaus geschafft. Der 47-Jährige ist seit langem der erste Trainer, dem das nach einem Engagement auf der Ostalb gelang.

Dass die jüngsten Erfolge eng mit dem früheren Zweitligaspieler des 1. FC Köln verbunden sind, glaubt auch die Klubführung des FCI. "Er hat einen überragenden Job gemacht. Ohne Ralph hätten wir das nicht erreicht", sagte Vereinspräsident Peter Jackwerth nach der Meisterfeier. Der Erfolgscoach wunderte sich angesichts der Gipfelsturms seiner Mannschaft ebenso: "Es ist irre, was in diesem Jahr passiert ist, wir haben einen Quantensprung in der Entwicklung genommen", sagte der 47-Jährige noch triefend von der obligatorischen Meister-Bierdusche. Hasenhüttl ließ die Frage, wie es mit dem FCI im Fußball-Oberhaus weitergeht, noch offen. "Das kann ich jetzt nicht und will es auch nicht", sagte er, versprach aber zugleich: "Wir werden schnell lernen."

Fest steht jedoch schon jetzt, dass die "Schanzer" an ihrem Konzept der bescheidenen Mittel trotz der zusätzlichen Gelder von Hauptsponsor Audi (siehe Infokasten) auch in der 1. Bundesliga festhalten. "Wir wollen mit den Jungs, die jetzt aufgestiegen sind, erst mal weitermachen. Sie haben sich das verdient", versprach Jackwerth. Einen Umbruch im Spielerkader möchte der von der VW-Tochter potent unterstützte Fußballverein unbedingt vermeiden, stattdessen sollen im Sommer nur einzelne Verstärkungen kommen.

"Wer unter die Top 5 der 2. Liga will, braucht die gleiche Qualität an Spielern wie im Abstiegskampf der 1. Liga", rechnet Sportdirektor Thomas Linke vor, der Hasenhüttl schon aus dessen Zeit als Spieler der damaligen Amateure des FC Bayern München kennt. Mit dem früheren Trainer der SpVgg Unterhaching bildet Linke ein deutlich harmonischeres Doppel als es das damalige Aalener Gespann Schupp/Hasenhüttl jemals war.

Die Euphorie in Mannschaft und Umfeld soll helfen, das erste Bundesligajahr sportlich zu überstehen. Viel Verantwortung also auch für den Bundesliga-Neuling Hasenhüttl. Noch einmal muss er aus sehr wenig enorm viel machen. Aber das ist für den gebürtigen Grazer ja nichts Neues - der Aalener und Ingolstädter Schule sei Dank.

Volkswagen und der Fußball

Sponsoring Volkswagen ist Deutschlands größtes Unternehmen. Riesig ist auch die Förderung von VW für den Fußball: Der zweitgrößte Autokonzern der Welt sponsert insgesamt 16 Erst- und Zweitligisten. Beim VfL Wolfsburg ist die Nähe am größten: Der Profispielbetrieb gehört Volkswagen zu 100 Prozent. Weitere Förderungen laufen über Konzerntöchter. So spielt Volkswagen mit seiner Marke Seat und der VW-Bank bei Eintracht Braunschweig in der 2. Liga eine wichtige Sponsorenrolle. Mit dem FC Ingolstadt mischt nun künftig eine weitere VW-Beteiligung in der 1. Liga mit - gehalten über Audi und deren Tochter Quattro GmbH, die 19,94 Prozent an dem Klub besitzt und seit 2010/2011 den Audi-Sportpark an ihn vermietet.

Verquickungen Die wohl bekannteste VW-Beteiligung ist, neben dem VfL Wolfsburg, jedoch Bayern München. Die Tochter Audi hält 8,33 Prozent am deutschen Rekordmeister. Auch personell sind die Verquickungen groß: So sitzen etwa VW-Boss Martin Winterkorn und Audi-Chef Rupert Stadler im Bayern-Aufsichtsrat.

 

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