"Jetzt nur nicht spinnen und fliegen"

Das 2:1 (1:1) gegen den FC Bayern hat beim SC Freiburg eine emotionale Explosion ausgelöst. Doch Trainer Christian Streich warnt vor dem "Endspiel" in Hannover: "Wir können immer noch absteigen."

|

Die Fans schwebten auf Wolke sieben, Matchwinner Nils Petersen sprach von "enormem Rückenwind" - aber Christian Streich versuchte krampfhaft, Bodenhaftung zu bewahren. "Wir dürfen jetzt nicht fliegen und anfangen zu spinnen", mahnte der Trainer des SC Freiburg nach dem historischen 2:1 (1:1)-Erfolg gegen Meister FC Bayern München: "Für diesen Sieg gibt es auch nur drei Punkte. Aber es gibt uns die Möglichkeit, auch nächstes Jahr vielleicht in der Bundesliga zu bleiben."

Als ob diese Worte nicht genug gewesen wären, zeigte Streich auch körperlich, wie sein SC sich in der aktuellen Situation verhalten muss. Auch er, der hochemotionale Trainer, war mit dem Schlusspfiff euphorisiert und wäre schier ausgeflippt. Wild mit den Armen rudernd rannte er Richtung Kabine. Doch es gab kein Durchkommen. Streich verlor das Gleichgewicht, sank darnieder - um sich sofort wieder aufzurappeln: "Nix passiert."

Auch seine Mannschaft hat sich im nervenaufreibenden Abstiegskampf immer wieder berappelt - so auch nach dem 0:1-Rückstand durch Bastian Schweinsteiger. Nach dem Ausgleich durch Admir Mehmedi und dem Siegtreffer des zwei Minuten zuvor eingewechselten Nils Petersen (88.) erlebte das ausverkaufte Schwarzwaldstadion eine emotionale Explosion. Der Siegtorschütze - mit beachtlichen acht Treffern in nur elf Spielen - sprach von einer "absoluten Befreiung". Teamkollege Felix Klaus schwärmte über den 26-jährigen Edel-Joker, der sich einst beim FC Bayern nicht hatte durchsetzen können: "Der ist hier so langsam eine Legende."

Am Samstag muss der SC beim Bundesliga-Finale zum punktgleichen Konkurrenten Hannover 96, der sich mit 2:1 beim FC Augsburg durchsetzte, aber eine schlechtere Tordifferenz als die Freiburger aufweist. Ein Punkt würde dem SC für ein Happy End reichen. Dennoch mahnt Streich mit der ihm eigenen Demut: "Wir können immer noch absteigen."

"Freiburg wollte mehr und hat mehr Kampf gezeigt, um zu gewinnen", räumte Bayern-Trainer Pep Guardiola ein. Vier Tage nach dem Champions-League-Aus gegen den FC Barcelona nutzten die Bayern ihre spielerische Klasse und Überlegenheit nicht, um Bedenken wegen Wettbewerbsverzerrung auszuräumen. Der Rekordmeister hatte in der 57. Minute zudem Glück, dass Schiedsrichter Tobias Welz ein Strafraumfoul von Rafinha an Mehmedi nicht mit einem Elfmeter ahndete.

"Für uns ist es nach der Meisterschaft nicht leicht. Wir haben jetzt noch ein Spiel gegen Mainz, dann geht es in den Urlaub und in die Zukunft", sehnt Guardiola das Saisonende und einen Neustart förmlich herbei.

Schon acht Pleiten 2015

Negativserie Das 1:2 beim SC Freiburg war für den FC Bayern die dritte Bundesliga-Niederlage in Folge - so etwas hatte es zuletzt 1989 gegeben. Zugleich war es die bereits achte Pflichtspiel-Niederlage im Jahr 2015. In der Bundesliga verloren die Münchner von fünf Spielen in der Champions League zwei Begegnungen. Dazu kommt noch das Pokal-Aus gegen Borussia Dortmund im Elfmeterschießen.

 

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Der Rinderflüsterer 

Ernst Hermann Maier setzt sich seit Jahrzehnten für das Wohl seiner Tiere ein. Fast hätte er deswegen seinen Hof verloren. weiter lesen