Schalker feiern Pokalsieg, aber das Verwirrspiel um Torwart Neuer geht weiter
Berlin. Schalke treibt auch nach dem Pokal-Triumph das Verwirrspiel um Torwart Neuer weiter. Aufsichtsratschef Tönnies ist klar gegen den Wechsel. Der FC Bayern wie Bundestrainer Löw meinen jedoch, alles sei perfekt.
Für Joachim Löw und Bayern München ist der Wechsel von Manuel Neuer längst klar, doch der FC Schalke 04 gibt auch nach dem DFB-Pokalsieg Rätsel auf. "Die Entscheidung ist so wichtig, dass sie in einer Sondersitzung des Aufsichtsrates fällt", sagte der Vorsitzende Clemens Tönnies auf der Sieger-Party des Revierklubs nach dem 5:0 (3:0) gegen den MSV Duisburg. "Ich bin strikt dagegen, dass Manuel geht. Mein Grundsatz ist: Die Rechnung ist erst zu Ende, wenn ein Strich drunter ist." Trainer Ralf Rangnick rechnet offiziell weiter mit einem Verbleib seines Keepers: "Manuel hat noch ein Jahr Vertrag. Deshalb gehe ich davon aus, dass er nächste Saison auch noch bei uns spielt."
Auch der Kapitän selbst nährte im Überschwang der Gefühle die Spekulationen, wohl um in der Stunde des Triumphes die Feierlaune nicht zu verderben. "Ich weiß selber nicht, wo ich nächste Saison spiele. Ich kann keine Entscheidung des Vereins mitteilen", erklärte Neuer, der am Samstagabend um 22.05 Uhr den von Bundespräsident Christian Wulff überreichten "Pott" in den Berliner Nachthimmel gereckt hatte. Danach feierte Neuer mit den Teamkollegen und rund 500 geladenen Gästen im Berliner Club "Spindler & Klatt" seinen ersten Profi-Titel ausgelassen. "Natürlich" könne er sich auch vorstellen, seinen Vertrag auf Schalke bis 2012 zu erfüllen, sagte Neuer. "Das wäre kein Problem. Ich habe auch nie gesagt, dass ich im Sommer weg will."
Immerhin soll bald endgültig Klarheit herrschen. "Das Angebot der Bayern liegt vor. Da gibt es auch nichts nachzuverhandeln. Wir wollen unsere Entscheidung binnen einer Woche bekanntgeben", kündigte Sportvorstand Horst Heldt an, der sich zweimal mit den Bayern-Bossen getroffen hat. Diese sind sicher, dass der klamme Revierklub das Angebot von angeblich 18 Millionen Euro Ablöse plus sieben Millionen an erfolgsabhängigen Nachschlägen annimmt. "Wir haben uns grundsätzlich auf einen Preis geeinigt. Im Prinzip ist das Thema durch", hatte Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge erklärt. Bundestrainer Löw und Nationalelf-Manager Oliver Bierhoff hegen keinen Zweifel mehr an dem bevorstehenden Transfer. "Für Manuel Neuer ist es natürlich ein perfekter Abschied. Besser kann man einen Verein nicht verlassen, als mit einem Titel", betonte Löw. "Neuer hat sich diesen Schritt reiflich überlegt und ihn nun wohl auch getan", bemerkte Bierhoff.
Zunächst war alles nur Schalker Feierstimmung gewesen: Wie ein Matador schwenkte Raul die spanische Flagge immer wieder über die goldene Trophäe. Es ist der erste nationale Pokaltriumph seiner außergewöhnlichen Karriere. "Ich musste nach Deutschland kommen, um zum ersten Mal einen Pokal in den Himmel zu recken", schwärmte Raul. Zuvor waren schon Jefferson Farfan - als dreifacher Torvorbereiter der überragende Mann des 68. Pokalfinales - und Kyriakos Papadopoulos mit dem Cup durchgebrannt. Selbst Neuer hatte dem schnellen Duo auf dem Weg in die Fankurve nicht mehr folgen können. Gemeinsam tanzten und hüpften die Revierkicker, gingen auf die Ehrenrunde und leiteten den Party-Marathon ein. Mit zwei frühen Toren von Julian Draxler (18. Minute) und Klaas-Jan Huntelaar (22.) zeigten die "Königsblauen" dem verletzungsgeplagten MSV schnell die Grenzen auf und stellten mit den Toren von Benedikt Höwedes (42.), José Manuel Jurado (55.) und Huntelaar (70.) den eigenen Endspiel-Rekord von 1972 (5:0 gegen Kaiserslautern) fast mühelos ein. Gleichwohl kann der fünfte Cup-Erfolg die miserable Bundesliga-Saison mit Platz 14 nicht vergessen machen.
Als Duisburgs Trainer Milan Sasic beim Bankett nach Mitternacht tröstende Worte fand, waren die bitteren Tränen bei den Spielern getrocknet. "Diese Mannschaft wird keiner eine Verlierertruppe nennen, da wir so weit gekommen sind. Dass die Fans uns gefeiert haben, ist Anerkennung für unsere Arbeit. Dieses Gefühl ist größer als die Enttäuschung", sagte Sasic. Ein Pokal-Finale ist unvergesslich. Auch für den Unterlegenen. dpa/sid
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Autor: SWP | 23.05.2011
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Feiertag im Ruhrgebiet: Mit tausenden Fans hat der FC Schalke 04 in Gelsenkirchen seinen fünften Pokaltriumph gefeiert. Foto: afp
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