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WM-Ticket: ja - Titel: nein

Der WM-Titel 2014 in Brasilien ist nahezu unmöglich. Sagt Oliver Bierhoff. Mit dieser Aussage will der Nationalmannschafts-Manager sein Team vor dem Rückspiel gegen Kasach-stan aufputschen.

Für ein paar Stunden ließen Mesut Özil und seine müden Kollegen einfach mal die Beine baumeln. Massage, Pool und ein Nickerchen, so wurden die Strapazen der Kasachstan-Reise vertrieben. Dann beendete Joachim Löw den Hauch von Wellness-Oase im Quartier der Fußball-Nationalmannschaft. Der Bundestrainer kennt nach dem 3:0 in Astana und vor dem zweiten WM-Qualifikationsspiel innerhalb von vier Tagen gegen den großen Außenseiter den größten Gegner genau: den Schlendrian!

Während Teammanager Oliver Bierhoff wegen der extrem schwierigen Logistik in Brasilien mit einer düsteren WM-Prognose überraschte, nimmt Löw zunächst einmal auch die zweite Partie gegen den großen Außenseiter am Dienstag (20.45 Uhr/ARD) in Nürnberg mit größter Sorgfalt an. Er nominierte angesichts der angespannten Personallage zur Sicherheit Rückkehrer Marcell Jansen (Hamburger SV) und Neuling Patrick Herrmann (Borussia Mönchengladbach) nach. "Man kann einiges in der Not gestalten, aber wir wollen kein Risiko eingehen. Wir nehmen den Gegner weiter ernst, das zeigen auch die Nachnominierungen", sagte Bierhoff am Sonntag in Herzogenaurach.

Mitten in die laufende Qualifikation sorgte Bierhoff dann mit seinem Ausblick auf die WM in 15 Monaten für Erstaunen. "Es ist für uns fast ein Ding der Unmöglichkeit, das Turnier zu gewinnen", sagte der Manager angesichts der WM-Historie ohne Sieger aus Europa und der logistischen Herausforderungen. Südamerikanische Mannschaften seien auf dem eigenen Kontinent "meist voraus". Zur sportlichen Mammutaufgabe kämen schwierige Planungsfragen wie die Quartierwahl in dem Riesenland. "Das wird ein ganz dicker Brocken."

Aktuell zählt aber nur Kasach-stan. Jansen, der letztmals im September 2010 für Deutschland spielte, wurde noch am Sonntag im DFB-Quartier erwartet. "Er hat eine starke Phase gehabt. Er ist noch eine Alternative zu Marcel Schmelzer, der in Dortmund viele Spiele gemacht hat", sagte Bierhoff. Herrmann soll nach seinem Einsatz für die U 21 in Israel heute anreisen. "Ich konnte es zuerst gar nicht glauben. Die Nominierung kam für mich total unerwartet. Umso schöner ist es, jetzt erstmals dabei zu sein", sagte der 22-Jährige.

Seinen Kader stockt Löw somit auf 21 Akteure auf, da Julian Draxler wegen einer Gehirnerschütterung morgen nicht zur Verfügung steht und weiter unklar ist, ob Mario Gomez (Oberschenkelzerrung) und Benedikt Höwedes (Muskelverhärtung) fit werden. Für Löw geht es im zweiten Anlauf gegen Kasachstan vor allem darum, die Konzentration hochzuhalten. "Es ist schon ein bisschen ungewöhnlich, zweimal in kurzer Zeit gegen den gleichen Gegner zu spielen. Wenn man auswärts gewinnt, besteht natürlich die Gefahr, dass das im Unterbewusstsein ist", mahnte Löw zu voller Konzentration.

Nach dem ohne echten Stürmer erzielten 3:0 beherrscht die Systemfrage im Angriff weiter die Diskussion. Unabhängig von dem möglichen Gomez-Rücktritt gibt es im Teil II der Kasachstan-Mission eigentlich keine Gründe, die Wuselsturm-Taktik mit Mario Götze als verkapptem Stürmer zu ändern. In Marco Reus - am Freitag noch gesperrt - kehrt zudem ein weiterer Idealtyp der neuen Offensiv-Denke ins Team zurück. Herrmann gehört ebenfalls zur neuen Stürmer-Spezies. "Ich habe kein Problem mit dieser Position. Wir haben eine weitere Variante zum anderen System, das macht uns unberechenbarer", sagte Götze, der besonders in der ersten Spielhälfte als spielender Stürmer überzeugt hatte.

Löw richtete unterdessen den Fokus weg von der Stürmerdebatte auf ein drohendes Motivationsproblem: "Wir müssen die Spieler daran erinnern, dass wir zu Hause spielen und dass wir nur dann gewinnen, wenn Einstellung und Seriosität vorhanden sind", sagte der Bundestrainer vor der Partie im ausverkauften Nürnberger Fußballstadion.

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