Die Generalin und ihr Spion

Frankfurt.  Eucharia Ngozi Uche polarisiert. Sie vermutet Männer bei der Konkurrenz, provoziert mit Aussagen über Lesben. Ob die Generalin in der Mannschaft noch das Sagen hat, wird von manchen bezweifelt.

Hätte Eucharia Uche dicke silberne Ketten um den Hals, man könnte sie für einen Rapper halten. Wie Nigerias Trainerin steht und geht, breitbeinig, mit einem Blick, den man nur arrogant nennen kann: Uche will nicht lieb sein.

"Wenn sie das so gesagt hat, dann ist das so", wird Kapitänin Precious Dede in der New York Times zitiert. Da ging es um die Aussagen ihrer Trainerin über lesbische Fußballerinnen. Homosexualität sei eine "dreckige Sache", hatte Uche festgestellt. Dieses Thema, ließ sie verlauten, sei in ihrem Team kein Thema: "Lesbisch sein existiert nicht in unserer Mannschaft. Seit ich da bin, hat sich das erledigt." Seit 2009 ist Uche am Ruder. Rausgeschmissen habe sie keine Spielerin, sondern sie habe sie bekehrt: "Sie haben zu Gott gefunden. Wir sind eine Einheit, eine Familie."

Auch Thomas Obliers erzählt, dass mehrmals am Tag gemeinsam gebetet wird. Der 43-Jährige war bis März Trainer des Bundesligisten Bad Neuenahr, betreute dort auch Okoyino da Mbabi. Und er kann "sehr gut mit Silvia Neid". Sie nennt ihn scherzhaft, "Nigerias 007". Ein Small-Talk im gemeinsamen Teamhotel war trotzdem drin.

Seit April ist Obliers "technischer Berater" bei Uche. Er steht auf dem Platz, verteilt gelbe und rote Hütchen, weist die Spielerinnen an. Sie nicken. Frau Uche thront am Rand, die Arme verschränkt, das Kinn auf die Brust gedrückt und schaut zu. Auch beim 0:1 zum WM-Auftakt gegen Frankreich gestikulierte und redete vor allem Obliers. Doch der wischt alle Vermutungen weg: "Sie hat das letzte Wort, in allen Fragen."

Uche, einst selbst Nationalspielerin, hat die "Super Falcons" 2009 aus dem Tal der Tränen geholt. Nigeria hatte erstmals den Afrika-Cup nicht gewonnen. "Ich kann alles, was ein männlicher Trainer auch kann", sagte Uche damals. Nigeria holte sich den Cup zurück. Uche regiert seither mit eiserner Hand.

Doch ihr Team hat zuletzt die Qualifikation für die All-African-Games verpasst, dann 0:8 gegen Deutschland verloren. Dazu die Attacke gegen Äquatorial-Guinea: Zwei Spielerinnen seien Männer, ließ Uche wissen. Das kam in Afrika nicht gut an. Die derart beschuldigte Genoveva Anonma drohte gestern, bei weiteren Vorwürfen einen Anwalt einzuschalten.

"Jedes Land hat seine eigenen Gesetze", sagt Uche kühl auf ihre Lesben-Kritik angesprochen. Niemand widerspricht, denn Homosexualität ist in Nigeria strafbar. "Ich weiß gar nicht, warum die Leute sich hier alle aufregen." Ein letzter überheblicher Blick. Dann ist sie weg.


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Autor: UTE GALLBRONNER | 30.06.2011

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